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Finanzkrise: Firmen in Südeuropa gehen massenhaft pleite

Palmira Costa, 64, Fischhändlerin in Lissabon: 42 Prozent mehr Pleiten Zur Großansicht
AP

Palmira Costa, 64, Fischhändlerin in Lissabon: 42 Prozent mehr Pleiten

Die Zahl der Insolvenzen in Südeuropa nimmt drastisch zu. In Spanien gingen 2012 laut einer Studie 30 Prozent mehr Firmen pleite, in Portugal waren es sogar 40 Prozent mehr. Doch es gibt auch Überraschungen - zum Beispiel Frankreich.

Neuss - Die Rezession hat die Euro-Zone im Griff - und nimmt immer mehr Unternehmen die Existenzgrundlage: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa stieg laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im vergangenen Jahr gegenüber 2011 um 2,6 Prozent. Den höchsten Anstieg der Firmenpleiten musste dabei Portugal mit einem Plus von fast 42 Prozent verkraften. Auch in Spanien und Italien ist die Zunahme der Insolvenzen demnach mit 32 beziehungsweise 13,5 Prozent ungebremst weitergegangen.

Ursachen für die meisten Firmenpleiten sind laut Creditreform ein geringes Eigenkapital der Unternehmen, eine schlechte Zahlungsmoral von Kunden und Schwierigkeiten bei Kreditfinanzierungen. Darüber hinaus drücken vielerorts staatliche Sparprogramme die Umsätze.

Auch ein Kernland der Euro-Zone, ein sogenannter Nordstaat, meldete eine weit überdurchschnittlich hohe Zunahme von Pleiten: In den Niederlanden, das eine schwere Rezession durchläuft, stieg die Zahl der Insolvenzen um fast ein Fünftel. Dagegen wies das Krisenland Irland im vergangenen Jahr einen vergleichsweise mäßigen Zuwachs von 2,8 Prozent auf.

Wie drastisch die Entwicklung der Firmenpleiten in Südeuropa ist, wird deutlich, wenn man sie mit dem Niveau von vor fünf Jahren vergleicht: In Italien haben sie sich seitdem auf 12.300 Fälle im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt, in Portugal auf 8600 Fälle mehr als verdoppelt und in Spanien auf 7800 Fälle verdreifacht.

Weniger Pleiten in Frankreich

Für Griechenland weist die Statistik für 2012 zwar einen Rückgang der Firmenpleiten um fast sieben Prozent auf nur 415 Fälle aus - Creditreform zufolge spiegelt diese Zahl jedoch ähnlich wie in Spanien nur einen Bruchteil der Liquidationen wider.

In den Zahlen dieser Länder seien demnach zahlreiche Firmenlöschungen und Betriebsstilllegungen nicht enthalten. So wurden nach Angaben der deutschen Außenhandelskammer in Athen 2012 insgesamt 69.000 Handelsunternehmen geschlossen. "Das Insolvenzrecht ist in Griechenland vielfach nicht in der Lage, eine geregelte Liquidation von Unternehmen in die Wege zu leiten", sagte ein Creditreform-Sprecher.

Allerdings verzeichneten die Experten auch europäische Länder, in denen im vergangenen Jahr weniger Firmen pleitegingen als noch 2011. In Norwegen war der Rückgang mit 12,4 Prozent am größten, aber auch in Deutschland und Großbritannien sank die Zahl deutlich um 4,6 Prozent beziehungsweise 3,9 Prozent. Eine positive Überraschung stellt Frankreich dar - trotz erheblicher konjunktureller Probleme gingen 2,4 Prozent weniger Firmen pleite.

fdi/Reuters

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insgesamt 97 Beiträge
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1. Die Zahl der Insolvenzen wird wieder zurückgehen!
smi117 15.07.2013
Wenn es nämlich immer weniger Unternehmen gibt, können auch weniger pleite gehen! Aber Hauptsache, den Euro retten. Denn dieser sichert ja Wohlstand und Frieden - oder so ähnlich...
2. Nur eine Marktbereinigung.
frank_w._abagnale 15.07.2013
Für mich ist das lediglich eine letztlich positiv wirkende Marktbereinigung. Survival of the fittest eben. Einzelschicksale dürfen da nichts zählen, auch wenn sie gut für Schlagzeilen und Tränendrüsen sind.
3. Bankenskandal
volker_morales 15.07.2013
Zitat von sysopAPDie Zahl der Insolvenzen in Südeuropa nimmt drastisch zu. In Spanien gingen 2012 laut einer Studie 30 Prozent mehr Firmen pleite, in Portugal waren es sogar 40 Prozent mehr. Doch es gibt auch Überraschungen - zum Beispiel Frankreich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zahl-der-firmenpleiten-in-suedeuropa-stieg-im-jahr-2012-deutlich-a-911221.html
Es muss unbedingt geregelt werden, welcher Teil der verfügbaren Geldmengen der Realwirtschaft zur Verfügung gestellt werden muss, un welchen max. Anteil die Banken in den Derivathandel stecken dürfen. Dass der marode Bankensektor die Realwirtschaft abwürgt, nachdem er selbst vor der Insolvenz gerettet worden ist, ist der Skandal schlechthin.
4. Mit einem aufgebläten öffentlichem Dienst
analyse 15.07.2013
einem unfähigem Steuersystem kein Wunder!Jedes dieser Länder hat nach Expertenberechnungen genug eigenes Vermögen,um aus der Krise herauszukommen.Es fehlt an Effizienz,die durch Geld nicht ersetzt werden kann !
5. Alle gehen Sie pleite im Zentralbanken Gulag
dergulag 15.07.2013
So auch die Mittelklasse. Da braucht man nicht Mathematiker zu sein um zu sehen das bei dieser puren Finanzabzockerein von oben, unten nie mehr ein Rechnung aufgehen will. Und ich rede nicht von Einfuehrung des Sozialismus sondern von der leeren Pluenderung ohne Gegenwert von oben, welche jede Konkurrenzfaehigkeit und Lokalindustrie zerstoeren, dass ist nicht einmal Kapitalismus sondern Beschiss des Finanz-Casinos, dass man uns als Wirtschaftsystem, anstatt echter "Wirtschaftlicher Produktivitaets Funktion" andrehen will. Alles was die Gross-Bankenindustrie touchierte schmilzt immer wie schneller weg, with Butter in der Sonne.
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