Anzeige durch Zalando Staatsanwaltschaft ermittelt gegen RTL-Journalistin

Eine RTL-Journalistin recherchiert undercover in einem Zalando-Zentrallager, berichtet über Verstöße gegen Arbeitsrecht - und wird vom Online-Händler angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Erfurt bestätigte nun, dass sie gegen die Reporterin ermittelt.

Zalando-Logistikzentrum in Erfurt: RTL-Reporterin schlich sich ein
DPA

Zalando-Logistikzentrum in Erfurt: RTL-Reporterin schlich sich ein


Berlin/Erfurt - Es war eine verdeckte Recherche: Drei Monate lang arbeitete eine RTL-Reporterin im Erfurter Logistikzentrum des Onlinehändlers Zalando - zwar unter ihrem richtigen Nachnamen, aber mit einem erfundenen Vornamen, und ohne Zalando über ihre wahre Identität aufzuklären. Als das Unternehmen von der Undercover-Recherche erfuhr, erstattete es Anzeige gegen die Journalistin, wie das "Handelsblatt" berichtet.

Die Staatsanwaltschaft in Erfurt hat nun bestätigt, dass sie gegen die RTL-Reporterin wegen des Verdachts auf Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen ermittelt. Dies geschehe nach einer entsprechenden Anzeige von Zalando, sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch. Das Verfahren stehe noch am Anfang.

In der am Monatgabend ausgestrahlten Reportage wirft die Journalistin dem Onlinehändler vor, Angestellte massiv unter Druck gesetzt und gegen das Arbeitsrecht verstoßen zu haben. Mitarbeiter sollen überwacht und bis an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit gebracht worden sein.

Eine Zalando-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück. Die Darstellung des Berichts entspreche in keiner Weise der Unternehmenskultur und der Stimmung unter Zalando-Mitarbeitern. Die Journalistin habe drei Monate lang im Logistikzentrum in Erfurt Filmmaterial interner Prozesse gesammelt. In einem Statement auf der eigenen Website wirft das Unternehmen dem Sender vor, es habe vor Ausstrahlung des Fernsehberichts keine Chance zur Stellungnahme bekommen.

Ein RTL-Sprecher sagte, juristischen Schritten sehe sein Sender gelassen entgegen: "Unsere Reporter werden weiter verfolgen, ob die von Zalando angekündigten Überprüfungen zu Veränderungen geführt haben. Darüber berichten wir weiter."

fdi/dpa



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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
Stäffelesrutscher 16.04.2014
1.
Ausbeutung und Schikane als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis - auf diese Idee muss man erstmal kommen!
augustus.germanicus 16.04.2014
2. pssst
das so genannte Betriebsgeheimnis ist die Ausbeutung
FKpt_VM_aD 16.04.2014
3. Nichts Neues und von Zalando gelogen!
Bereits das ZDF erregte mit einer ähnlichen Reportage bereits Aufsehen. Damals wie heute die gleichen Aussagen aus der Presseabteilung von Zalando. Wirtschaftskriminelle allererster Güte. Mit fremdem Geld, "Praktikanten", Zeitarbeitern usw. wird Profit gemacht. Schon Wolfgang Grupp zeigte sein absolutes Missfallen über solche Unternehmen wie Zalando, die mit Abgaben des Mittelstands und des Bürgers ihre Unternehmen finanzieren und Profit erwirtschaften.
ttvtt 16.04.2014
4. Kapo Mentalität
Problem hier ist gar nicht die Akkordarbeit, die erwartet wird, sondern es sind die Teamleiter, die als Kapos fungieren und sich auch als solche aufführen. Anstatt Solidarität herrscht Angst vor der Arbeitslosigkeit um nur nicht der zu sein, der entsorgt wird. Betriebsrat und Gewerkschaft heißt das Zauberwort!
theinvisibleone 16.04.2014
5. Keine Überraschung
Ich denke das ist in der deutschen Wirtschaft fast schon normal. Siehe Amazon oder z.B. ähnlich bei den Automobilherstellern mit ihren Leiharbeitern.
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