Zehn Jahre Euro: Europa hat den Geld-Blues

Zehn Jahre Euro: Wie bewerten die Menschen in Paris, Rom, Dublin, London und Athen heute die gemeinsame Währung? SPIEGEL-ONLINE-Korrespondenten berichten von enttäuschter Hoffnung, Franc-Nostalgikern und der Angst vor "Eurogeddon".

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Euro-Bargeldeinführung vor zehn Jahren: Neugierde und Begeisterung

Hamburg - Die D-Mark lebt. Auch zehn Jahre nach dem offiziellen Ende der Währung horten die Deutschen noch immer 13,3 Milliarden Mark in Münzen und Banknoten - und die Bundesbank nimmt sie noch immer an, um sie gegen Euro Chart zeigen umzutauschen.

Am Neujahrstag des Jahres 2002 konnten die Menschen in zwölf europäischen Staaten zum ersten Mal Euro-Scheine in den Händen halten. Zwei Wochen zuvor hatten viele von ihnen bereits Münzen in sogenannten Starter-Kits gekauft. Die Neugier war groß.

Mittlerweile sind fünf weitere Länder der Währungsunion beigetreten. 330 Millionen Europäer bezahlen nun mit dem gleichen Geld - und trotz Krise könnten noch weitere Millionen hinzukommen. Länder wie Polen, Bulgarien, Lettland oder Litauen streben den Beitritt zur Euro-Zone an.

Viele Deutsche sind mit dem Euro nicht richtig warm geworden. Am Anfang war er für sie nur der "Teuro", der viele Produkte des täglichen Bedarfs zumindest gefühlt teurer machte. Mittlerweile schimpfen sie darauf, dass sie in einer Schicksalsgemeinschaft mit Griechen, Italienern und Spanien gefangen sind. "Nehmt den Griechen den Euro weg", titelte die "Bild"-Zeitung Anfang November. Und wenige Wochen später "Alle wollen unser Geld".

Dabei hat der Euro der deutschen Wirtschaft und damit auch den Bürgern viele Vorteile gebracht: Weil Wechselkursrisiken wegfallen, lassen sich deutsche Waren nun besser ins europäische Ausland verkaufen. Das hat der heimischen Exportindustrie einen gewaltigen Schub gegeben - und dazu beigetragen, dass Deutschland heute relativ wenige Arbeitslose hat.

Die meisten Deutschen wissen diese Vorzüge zu schätzen. Laut einer Studie des Brüsseler Zentrums für Europäische Politikstudien (CEPS) sprechen sich fast zwei Drittel der Deutschen für den Euro aus. Andere Umfragen offenbaren jedoch ein schwindendes Vertrauen in die gemeinsame Währung: Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest fand zuletzt heraus, dass nicht einmal mehr jeder Dritte (30 Prozent) volles Vertrauen in die Stabilität des Euro hat. 36 Prozent haben begrenztes Vertrauen. 33 Prozent gaben an, ihren Glauben an die Stärke des Euro verloren zu haben.

Auch in anderen europäischen Ländern hat das Ansehen des Euro durch die Krise gelitten. Für SPIEGEL ONLINE haben sich Reporter in mehreren EU-Staaten umgehört: Wollen die Griechen wirklich noch den Euro? Wie stehen die Franzosen zur gemeinsamen Währung? Und wie groß ist die Freude der Briten, nicht dabei zu sein?

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insgesamt 123 Beiträge
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1. Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann?
genesis266 01.01.2012
Die Krise des Euro war von Anfang an programmiert. Darauf haben viele Kritiker - u.a. Prof. Hankel hingewiesen. Der Euro ist und war immer nur eine "Schönwetter-Währung". Nun ist die Vertrauen- und Glaubwürdigkeitskrise da und bei der nächsten Rezession klappt die Schuldenfalle zu und dann sind wir nicht weit vor einer Währungsreform. - Die westlichen Demokratien, insbesondre die angeblichen Musterschüler einer Demokratie, befinden sich damit ebenfalls in einer handfesten Vertrauen- und Glaubwürdigkeitskrise. So wird der Euro 2012 wahrscheinlich nicht überleben. Interessante Analyse dazu: Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann? (http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/9132-wer-glaubt-noch-an-den-weihnachtsmann)
2. "Laut einer Studie des Brüsseler Zentrums für Europäische Politikstudien (CEPS)" Zita
biwak 01.01.2012
Ja genau. Das ist ungefähr so relevant, wenn man Hr. Rösler fragen würde, ob er beim letzten FDP Parteitag gut rüber gekommen ist.
3. Politik / Spiegel und die Wahrheit zum Euro
JohnBlank, 01.01.2012
Zitat von sysopZehn Jahre Euro: Wie bewerten die Menschen in Paris, Rom, Dublin, London und Athen*heute die gemeinsame Währung? SPIEGEL-ONLINE-Korrespondenten berichten von enttäuschter Hoffnung, Franc-Nostalgikern und der Angst vor "Eurogeddon". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,806455,00.html
Der Spiegel berichtete vor wenigen Tagen über verfälschte Arbeitslosenzahlen. Endlich. Und jetzt wird wieder das Märchen von wenig Arbeitslosen erzählt? Lieber Spiegel, was meint ihr, was man als Leser dabei denkt? Genau. Euro-Vorteile: Die Euro Vorteile hat die Politik- und Wirtschaftselite unter sich aufgeteilt. Seit 10 Jahren steigen die Reallöhne der Bürger nicht mehr. Der Euro wird überleben, aber nicht so wie bisher. Medien und Politik müssen endlich die Realität wahrnehmen, Griechenland wird aus dem Euro ausscheiden und ein erzwungener Austritt muss beim Euro möglich sein, alleine schon als Drohpotenzial. Und Euro-Bonds bringen nicht den Weltfrieden! Solange CDU, SPD, FDP und Grüne beim Euro parteiübergreifend den gleichen Mist erzählen und Schulden mit neuen Schulden tilgen wollen, solange ist der Euro, Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit in Gefahr. 2012 wird richtig interessant (und peinlich für die Politik werden).
4. Weltfremdes Schöngerede
akrisios 01.01.2012
Zitat von sysopZehn Jahre Euro: Wie bewerten die Menschen in Paris, Rom, Dublin, London und Athen*heute die gemeinsame Währung? SPIEGEL-ONLINE-Korrespondenten berichten von enttäuschter Hoffnung, Franc-Nostalgikern und der Angst vor "Eurogeddon". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,806455,00.html
"Am Anfang war er für sie nur der Teuro, der viele Produkte des täglichen Bedarfs zumindest gefühlt teurer machte." Ach, das war also in der Nachbetrachtung nur noch ein "Gefühl" der Deutschen an der Supermarktkasse?. Die Statistiklügerei versucht seitdem die Realität umzudeuten. Zuletzt sieht man gerade wieder am Beispiel der Arbeitslosenzahlen wiegeschönt, getäuscht, betrogen wird um das Ergebnis zu haben das unter dem Strich dazustehen hat. Der Exportmarkt (gesamter Dienstleistungssektor ist hier außen vor) wurde ggb. dem Binnenmarkt wieder gestärkt und dafür die Abhängigkeiten zum Ausland/skrisen erhöht. Diese ganzen Lügen, das Geschwätz & Schöngerede der Kostgänger in Politik, Beamtenschaft & Wirtschaft ist kaum noch auszuhalten. Ich gehe seit Jahren nicht mehr wählen. Ich sehe kein Angebot in unserer blockparteiischen Fraktionendikatur von Opportunisten, Flaschspielern und Besitzstandwahrern. Deutschland 2011? Ein Tollhaus falscher Brüder. Alles muss raus.
5. 10 verlorene Jahre wegen €uro
conforma 01.01.2012
Zitat von sysopZehn Jahre Euro: Wie bewerten die Menschen in Paris, Rom, Dublin, London und Athen*heute die gemeinsame Währung? SPIEGEL-ONLINE-Korrespondenten berichten von enttäuschter Hoffnung, Franc-Nostalgikern und der Angst vor "Eurogeddon". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,806455,00.html
Ein verlorenes Jahrzehnt mit einer Art Erweckung - jetzt haben wir „dank“ der realitäts-fernen EU-Illusionisten und €uro-Phantasten der Brüsseler Pöstchen-Anstalt zwischen den Ländern Neid, Hass, Schuldzuweisungen, fehlende Solidarität, Uneinigkeit, Besserwisserei, Beschimpfungen, üble Werturteile über andere Länder und deren Bürger. Und alles ist von den EU-Polit-„Größen“ verursacht worden und wird von ihnen weiter gegen den demokratischen Willen der Völker praktiziert. Auch die Medien sollten sich endlich mal entscheiden, auf welcher Seite sie nun eigentlich stehen. Vor dem €uro waren die Menschen zufrieden, respektierten und achteten einander, konnten für die Zukunft planen und hatten ein positives Denken und Handeln, und die einzelnen EU-Länder konnten im fairen Wettbewerb mit ihren positiven Leistungen konkurrieren. Jetzt ist nahezu alles von den unfähigen und elendigen EU-„Führern“ kaputt gemacht. Eine partnerschaftlich-gedeihliche Zukunft €uropas wird an den Politikern scheitern und an niemand anderem - weil sie das Vertrauen der Europäer untereinander nachhaltig beschädigt haben. Und in der Zwischenzeit ziehen die asiatischen und großen Schwellenländer gnadenlos an uns vorbei.
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