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Zitate des Wirtschaftsjahrs: "Eine falsche Bilanz ist keine gefälschte Bilanz"

Was war das für ein Jahr! Dem Euro drohte das Aus, der Staat kaufte illegal erworbene Steuerdaten, Schwarz-Gelb belebte die Anti-Atom-Bewegung - und Guido Westerwelle verglich den Sozialstaat mit spätrömischer Dekadenz. Ein Überblick über die wichtigsten Wirtschaftszitate 2010.

HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: Der Manager hat seine ärgsten Widersacher überlebt Zur Großansicht
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HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: Der Manager hat seine ärgsten Widersacher überlebt

Hamburg - Der Unterschied erschließt sich nicht gleich auf den ersten Blick: "Eine falsche Bilanz ist keine gefälschte Bilanz", sagte Dirk Jens Nonnenmacher im November - und entschuldigte damit die Fehler im Zahlenwerk seiner HSH Nordbank. Das Geldhaus, das mehrheitlich den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, hatte in der Finanzkrise ein Milliardenminus angehäuft.

Auch im Jahr 2010 stand das Institut immer wieder in den Schlagzeilen - vor allem wegen einer Spitzelaffäre. Ein früherer Manager soll gemobbt worden sein, auf dem Rechner einer ehemaligen Führungskraft in New York fanden sich Kinderpornos. Eine Rufmordkampagne? War Vorstandschef Nonnenmacher gar in die Vorgänge eingeweiht?

Die Bank selbst hat dies stets zurückgewiesen, und tatsächlich fand sich nie der eine erdrückende Beweis, der einen Rausschmiss Nonnenmachers gerechtfertigt hätte. "Ich weiß schon, dass ich ihn nicht entlassen kann", resümierte Peter Harry Carstensen, CDU-Ministerpräsident in Schleswig-Holstein.

So konnte der Bankmanager das Jahr 2010 - fast - unbeschadet überstehen. Erst Mitte Dezember einigten sich die Landesregierungen auf einen Nachfolger, der den Chefposten aber erst Ende März 2011 übernehmen soll. Nonnenmacher hat damit seine ärgsten Widersacher überlebt: die Hamburger Grünen. Die verließen die schwarz-grüne Regierung der Hansestadt schon Ende November.

Ohnehin war der Skandal rund um die HSH Nordbank nur eine Episode in dem an Wirtschaftsmeldungen reichen Jahr 2010. Griechenland, Irland, Euro - das Wort Krise stand in beinahe jeder Überschrift. Dass es in dem Währungsdrama so viel Erzählstoff gab, hatte vor allem zwei Gründe:

  • Zum einen das ewige Hin und Her zwischen Europas Regierungen auf der einen und den Finanzmärkten auf der anderen Seite: Kaum hatten die Politiker ein Hilfspaket für das klamme Griechenland geschnürt, wetteten Spekulanten schon auf eine Pleite Irlands und Portugals. Und kaum drohte an den Märkten neues Chaos, trafen sich die Mächtigen aus Berlin, Paris und Brüssel erneut, um Schlimmeres zu verhindern.
  • Zum anderen die unterschiedlichen Auffassungen im Norden und Süden Europas über den richtigen Weg aus der Krise. Braucht die Gemeinschaftswährung strenge Haushaltsdisziplin und harsche Kontrollmechanismen, wie es Deutschland, Österreich und andere Länder fordern? Oder braucht der Euro mehr Solidarität zwischen den Staaten und eine gemeinsame europäische Wirtschaftsregierung, wie es Frankreich und Co. verlangen?

In diesem Spannungsfeld war 2010 für ausreichend Diskussionsstoff gesorgt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Stabilitätsversessenheit der Deutschen "schon fast theologisch". Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker warnte vor einer "weltweit organisierten Attacke gegen den Euro". Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fürchtete gar eine Krise des gesamten "politischen Systems".

Und was passierte sonst noch im Wirtschaftsjahr 2010? Guido Westerwelle trat eine Debatte über die angeblich "spätrömische Dekadenz" im deutschen Sozialstaat los. Die Bundesregierung drückte ein ambitioniertes Sparpaket durch, das Gewerkschafter und Opposition als unsozial kritisierten. Und im Herbst verlängerte Schwarz-Gelb die Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke, was der Anti-Atom-Bewegung ein unverhofftes Comeback bescherte.

Doch wer hat wann genau was gesagt? Und wessen Äußerungen stellen sich im Nachhinein als falsch heraus? Lesen Sie es im Zitate-Rückblick:

Wirtschaftszitate 2010

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Gerechte Strafe...
schmiddel 27.12.2010
Ich weiß, wir sind hier nicht im Kino und in einem Rechtsstaat^^. Aber Nonnenmacher wäre ein gutes Beispiel, um jemanden gefälschte Beweise unterzuschieben und ihn "gerecht" zubestrafen.
2. sauber bleiben
Lochblech.19 27.12.2010
Zitat von schmiddelIch weiß, wir sind hier nicht im Kino und in einem Rechtsstaat^^. Aber Nonnenmacher wäre ein gutes Beispiel, um jemanden gefälschte Beweise unterzuschieben und ihn "gerecht" zubestrafen.
Igitt, sich an dem noch die Finger schmutzig machen?
3. schöne Rechtsauffassung ....
weltbetrachter 27.12.2010
"Eine falsche Bilanz ist keine gefälschte Bilanz." Das erzählen Sie mal einem Richter. Wer für eine Bilanz verantwortlich zeichnet, steht auch dafür gerade. Und wenn die Bilanz unkorrekt ist und man vor Gericht landet, erhält man seine Strafe. Das ist so. Allerdings scheint dies ab einer gewissen Gehaltsstufe wohl nicht mehr zu gelten. Ich habe jedoch mehr vertrauen in die Justiz als zu einem Banker. Da ist wohl der letzte Satz noch nicht diktiert.
4. Seltsames Zitat in dem Zusammenhang
Zazzel, 27.12.2010
Das Zitat an sich ist völlig korrekt: eine falsche Bilanz muss in der Tat nicht auf Fälschung beruhen. Allerdings sind Bilanzen in Zeiten der Fair Value-Bilanzierung durchaus gefährlich volatil. Das ist aber nichts Neues, davor wird seit Beginn des Siegeszuges der Fair Value-Bilanzierung gewarnt. Und was den Einkauf undurchsichtiger Risiken angeht - das potenziert die Gefahren noch einmal. Ich weiß nicht, was man Herrn Nonnenmacher aus juristischer Sicht tatsächlich nachweisen kann, aber eins ist sicher: er hat bei den Investitionsentscheidungen der Bank hoch gepokert und sich naiv (oder ignorant, aus egoistischen Motiven) verhalten. Irgendwo las ich mal (sinngemäß) diesen Satz, der es auf den Punkt bringt: "Früher hätte man so jemandem wortlos eine Pistole mit einer einzigen Patrone auf den Schreibtisch gelegt".
5. Pfui Teufel
christiane006, 27.12.2010
Zitat von sysopWas war das für ein Jahr! Dem Euro drohte das Aus, der Staat kaufte illegal erworbene Steuerdaten, Schwarz-Gelb belebte die Anti-Atom-Bewegung - und Guido Westerwelle verglich den Sozialstaat mit spätrömischer Dekadenz. Ein Überblick über die wichtigsten Wirtschaftszitate 2010. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,735684,00.html
eine falsche Bilanz macht keinen Unterschied zu einer gefälschten Bilanz. In den Siebzigern hat man mir noch beigebracht, dass dies ein Straftatbestand ist. Heute bekommt man für diese Großtat Millionen geschenkt. Wir sind wirklich eine korrupte Republik geworden.
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Wie Politiker den Euro als D-Mark-Ersatz lobten

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Wie die Euro-Krise gelöst werden könnte
Trotz riesiger Hilfspakete schwelt die Schuldenkrise in der Euro-Zone weiter. Kaum wurde Irland gerettet, geraten mit Portugal und Spanien die nächsten Wackelkandidaten in den Fokus der Finanzmärkte. Doch wie könnte die Krise überwunden werden? Einige Lösungsvorschläge im Überblick.
Die EZB kauft massiv Anleihen
An den Finanzmärkten wird spekuliert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Retter in der Not spielt. Sie könnte viel Geld in die Hand nehmen und Staatsanleihen der finanzschwachen Euro-Länder aufkaufen. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, sind nach Berechnungen der Anleihenexperten von Evolution Securities in London ein bis zwei Billionen Euro notwendig. "Das Verfahren, von Land zu Land zu springen, hat die Märkte bislang nicht beruhigen können", sagt deren Expertin Elisabeth Afseth. "Der einfachere Weg ist, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm hochfährt und große Summen ausgibt." Spanien und Italien müssen im kommenden Jahr zusammen etwa 500 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten erlösen. Das wird schwierig und teuer, weil die Investoren hohe Risikoaufschläge verlangen. "Deshalb muss jemand einspringen und helfen", begründet Afseth ihren Vorschlag. Der Vorteil: Die EZB kann rasch helfen. Binnen weniger Tage könnte sie das Kaufprogramm starten. Der Haken: Einige Mitglieder des EZB-Rates werden dem voraussichtlich nicht zustimmen, weil ein solches Vorgehen gegen die Statuten der EZB verstößt, die sich hauptsächlich um stabile Preise kümmern soll. "Das würde sie weiter von ihrem Mandat entfernen und besonders in Deutschland Sorge über die langfristige Stabilität des Euro auslösen", befürchtet Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer.
Erweiterung des EU-Rettungsschirms
In den Euro-Ländern wird bereits darüber diskutiert, das für Notfälle geschnürte Rettungspaket zu vergrößern. Nach den Hilfen für Irland ist es noch mit etwa 650 Milliarden Euro gefüllt. Bundesbankpräsident Axel Weber hat bereits eine Erweiterung ins Spiel gebracht. Ökonomen wie DIW-Präsident Klaus Zimmermann raten dazu, das ursprüngliche Volumen von 750 Milliarden Euro auf 1,5 Billionen zu verdoppeln. Politisch ist das aber nicht so einfach durchsetzbar. In Staaten wie Finnland muss die Zustimmung dafür im Parlament eingeholt werden, was schwierig werden dürfte. Andererseits ist es sinnvoll, einen bereits bestehenden und funktionierenden Krisenmechanismus auszubauen. Er sieht strenge Sparauflagen für die Staaten vor, die Hilfen benötigen. Zudem ist der Internationale Währungsfonds mit an Bord, der die Einhaltung der Auflagen überprüft und über viel Erfahrung im Krisenmanagement verfügt.
Ausgabe von Euro-Anleihen
Diese Idee hat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso einen prominenten Fürsprecher. Eine gemeinsame Anleihe für alle 17 Euro-Länder hatte er bereits vor Monaten gefordert. Allerdings gibt es dagegen starken Widerstand, vor allem aus Deutschland und Frankreich. Beide Länder können sich ohne große Probleme und zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt leihen. Sie müssten ihre hohe Kreditwürdigkeit mit Krisenländern wie Portugal oder Spanien teilen und höhere Zinszahlungen in Kauf nehmen. Sie würden um ihren Lohn gebracht, den sie sich durch vergleichsweise solide Staatsfinanzen verdient haben. Der Nachteil: Die Vorbereitung einer Euro-Anleihe nimmt viel Zeit in Anspruch. Die aktuelle Krise, die Portugal und Spanien zu erfassen droht, ließe sich damit kaum lösen.
China kauft Staatsanleihen aus Europa
Die Volksrepublik besitzt die weltweit größten Devisenreserven. Das Geld ist vorwiegend in US-Staatsanleihen angelegt - insgesamt 1,8 Billionen Doller. China ist damit der größte Gläubiger der USA. "Man muss darüber nachdenken, wer genügend Geld hat, um das Problem zu lösen", sagte ein hoher EU-Offizieller. "Das einzige Land ist China. Wir müssen die Chinesen dazu bringen, EU-Schuldtitel zu erwerben." Allerdings gilt diese Lösung als unwahrscheinlich. Sowohl die EU-Behörden als auch die EZB und die Politik dürften sich dagegen verwahren.
EU beschließt gemeinsame Haushaltspolitik
Die 17 Euro-Länder verfügen über eine gemeinsame Währung und einen gemeinsamen Leitzins, aber nicht über eine gemeinsame Steuer- und Haushaltspolitik. Das hat die Spannungen erst ermöglicht, deretwegen die Währungsunion vor einer Zerreißprobe steht. "Wir brauchen auch eine Art Haushaltsbund", sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. "Wir können das erreichen, wenn es eine starke Aufsicht und Kontrolle gibt." Allerdings ist das ein Tabuthema für Deutschland und andere Kernländer der Währungsunion, die kaum einen Teil ihrer Eigenständigkeit abgeben dürften. Politisch wäre dieser Weg deshalb kaum durchsetzbar. Eine Umsetzung würde zudem viele Jahre dauern - zu lange, um die akute Krise zu lösen.

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Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.

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