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Zockervorwurf gegen Deutsche Bank: Ackermann stellt Rohstoff-Geschäft in Frage

Deutschlands größtes Geldhaus gibt sich nachdenklich: Nachdem Foodwatch die Wetten der Deutschen Bank auf Agrarpreise angeprangert hat, will Institutschef Josef Ackermann jetzt den Rohstoffhandel seines Instituts überprüfen - er sei betrübt über Armut und Hunger auf der Welt.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Betrübnis, dass viele Menschen in Armut leben" Zur Großansicht
DPA

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Betrübnis, dass viele Menschen in Armut leben"

Berlin - Es ist eine ungewöhnliche Reaktion der Deutschen Bank. Normalerweise lässt das größte deutsche Finanzinstitut Kritik an sich abperlen, dieses Mal meldet sich sogar der Chef persönlich zu Wort: "Ich teile Ihre Betrübnis darüber, dass viele Menschen auf dieser Welt immer noch in Armut leben und Hunger leiden müssen", teilte Josef Ackermann in einem Brief an den Foodwatch-Geschäftsführer Dr. Thilo Bode mit. Die Deutsche Bank wolle überprüfen, welche Auswirkungen ihre internationalen Agrar-Geschäfte haben.

Foodwatch hatte am Dienstag eine Studie veröffentlicht, laut der Banken durch ihre Wetten am internationalen Agrarmarkt am weltweiten Hungerproblem mit Schuld seien. Der Report zeigt, wie Banken mit Spekulationen die Kosten für Lebensmittel hochtreiben. Dabei seien die von Lebensmittelimporten abhängigen ärmsten Länder der Welt am stärksten betroffen. Foodwatch hatte Ackermann aufgefordert, die Deutsche Bank solle mit gutem Beispiel vorangehen und aus der Spekulation mit Lebensmitteln aussteigen. "Hände weg vom Acker, Mann!" heißt die Foodwatch-Aktion, die sich gegen die Spekulation mit Agrarrohstoffen richtet.

Die Deutsche Bank hatte die Vorwürfe auf Nachfrage zunächst zurückgewiesen: "Wir handeln nicht mit physischen Agrarrohstoffen", hieß es noch am Dienstag. Zu den Spekulationen, die die Preise ja gerade in die Höhe treiben, weil mehr Kontrakte als physische Waren gehandelt werden, sagte das Institut am Dienstag nichts.

Jetzt heißt es: Die Deutsche Bank werde den Foodwatch-Bericht zu den Auswirkungen des Rohstoffhandels gründlich prüfen. "Sollten sich dabei ausreichende Belege dafür finden, dass diesbezügliche Aktivitäten der Bank die von Ihnen beschriebenen Auswirkungen haben könnten, werden wir entsprechende Konsequenzen daraus ziehen."

Ganz uneigennützig ist die Aktion indes nicht. So findet sich in Ackermanns Brief auch folgender Satz: "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen."

lgr/dpa

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Was braucht es dazu noch...
adam68161 19.10.2011
Nachdenklichkeit? Die Fakten stimmen. Also gilt es zu Handeln. Unverzüglich.
2. juchee
juharms, 19.10.2011
Der Wind kommt derzeit stramm von vorne. Ackermann und die DB haben nichts mehr zu lachen. Weitermachen für eine bessere Welt......!
3. Ein Grund zum Nachdenken
davincione 19.10.2011
"Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen." (Ackermann im Artikel) Na also, da haben wir es ja! Der gute Ruf sei es, ein schlechter wäre nämlich geschäftsschädigend! Die Hungernden und Ver-hungernden waren es bisher jedenfalls nicht. Sonst müsste man jetzt nicht Überraschung heucheln - denn dann hätte man sich LÄNGST "Gedanken" gemacht. Falls sich die Hungernden und Ver-hungernden jedoch auch weiterhin nicht als geschäftsschädigendes Modell erweisen, wird es auch weiterhin keinen Grund geben, etwas zu ändern. Man ist ja schließlich keine Caritas. Und die Verhungernden selbst sind es schon mal gar nicht: ein Grund!
4. mittelbare Täterschaft am Massenmord
weltbetrachter 19.10.2011
Schon mehrfach habe ich im SPON geschrieben, das ich die Spekulation mit Lebensmitteln absolut widerwärtig empfinde. -- Jetzt habe ich im TV den Bericht gesehen, der das bestätigt. Die Spekulationen mit Lebensmitteln und Rohstoffen zur Lebensmittelherstellung führen zu Massensterben. Das ist unerträglich !!! Wenn man sich dann auch noch anschaut, welche Banken usw. da mitmischen, kann einem nur noch schlecht werden. -- Es gibt hierzulande Gesetze, die Straftaten ahnden, wenn diese auch im Ausland ausgeführt worden sind. -- Die Spekulation mit Lebensmitteln ist für mich ebenso eine schwere Straftat. Das gehört überall auf der bestraft !!! Das ist für mich mittelbare Täterschaft zum Massenmord.
5. ...
vhe 19.10.2011
Zitat von adam68161Nachdenklichkeit? Die Fakten stimmen. Also gilt es zu Handeln. Unverzüglich.
Der einzig bemaengelte Fakt ist, dass die DB ein paar Indexfonds auf einen Rohstoffindex betreibt, in denen neben Kupfer, Erdoel und sonstwas auch ein Teil Agrarrohstoffe drin sind. Und selbst der Index wird nicht durch physische Geschaefte oder wenigstens Futures nachgebildet, sondern durch Swaps und ein Realportfolio, das im wesentlichen aus Staatsanleihen besteht. Punkte zum Nachdenken: 1) Hat die DB im Rahmen des Eigenhandels Geld in den Indexfonds stecken? 2) Welchen Einfluss haben Swapgeschaefte mit Staatsanleihen auf die Lebensmittelpreise? Also ich find, ein bisschen Nachdenkerei kann man da schon noch veranstalten.
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