Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zoff um Technikstrategie: Audis "Anarchoprojekt" verärgert VW-Spitze

Volkswagen streitet über die Zukunft. Die Konzernmutter will für alle Marken eine gemeinsame Elektroauto-Strategie - doch die Premiumtochter Audi versucht sich mit einer eigenen Antriebstechnik abzusetzen. In der Zentrale sorgt das "Anarchoprojekt" laut "Financial Times Deutschland" für Unmut.

Audi E-Tron: Ja, es ist ein Elektroauto! Zur Großansicht
Getty Images

Audi E-Tron: Ja, es ist ein Elektroauto!

Hamburg - Zehn Marken gehören schon zum Volkswagen-Imperium - und nach dem Willen von Patriarch Ferdinand Piëch sollen es bald noch mehr werden. Doch immer wieder geht es bei dem deutschen Konzern, der bald der größte Autobauer der Welt sein will, zu wie bei einer schrecklich netten Familie: jeder gegen jeden.

Nun legt sich der Hersteller Audi nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ("FTD") mit seiner Konzernmutter Volkswagen an. Streitpunkt ist die geplante Serienproduktion von Elektroautos. Das Ingolstädter Unternehmen will nach "FTD"-Angaben sein eigenes Antriebskonzept durchsetzen - gegen den Willen der Wolfsburger Zentrale. "Bei VW wird das nicht gerne gesehen", sagte ein Insider der Zeitung. In Wolfsburg sei von einem "Anarchoprojekt" die Rede, das Audi im Alleingang und ohne Rückhalt des Mutterkonzerns betreibe.

Der Hintergrund des Konflikts ist nach "FTD"-Angaben technischer Natur: Audi plant die Serienfertigung von Elektroautos mit einem Wankelmotor. Dieser lädt den Akku des Elektromotors während der Fahrt wieder auf, wenn der gespeicherte Strom zur Neige geht. Die Konzernzentrale setzt dagegen auf den konventionellen Hybridantrieb, bei dem ein Elektro- und Verbrennungsmotor das Auto gemeinsam bewegen, oder auf reine Elektrofahrzeuge.

Prestigeprojekt Wankelmotor

Aus Kostengründen strebt Volkswagen eine gemeinsame Elektroauto-Strategie für alle seine Marken an. Dabei sollen möglichst viele gleiche Teile von allen Unternehmen des Konzerns verwendet werden. Dabei könnte allerdings gerade der Premiumhersteller Audi an Profil verlieren. Dieses ist jedoch im Kampf gegen die Rivalen BMW und Daimler besonders wichtig.

Für Audi-Chef Rupert Stadler ist eine Serienfertigung des bereits auf Automobilmessen vorgestellten Elektroantriebs mit einem Wankelmotor ein Prestigeobjekt. Ein offizieller Beschluss, ob die Eletkroauto-Studie mit einem Wankelmotor (A1 E-Tron) in Serie gehen soll, ist aber offenbar noch nicht gefallen. "Es gibt noch keine grundsätzliche Entscheidung über die Serienfertigung", sagte ein Audi-Sprecher der "FTD".

Die Vorstände des Ingolstädter Autobauers wollen Anfang Februar erneut über den A1 E-Tron beraten, wie die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise schreibt. Bei Volkswagen passe der Plan von Audi vor allem dem Elektro-Beauftragten des Konzerns, Rudolf Krebs, nicht ins Konzept.

böl/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wiedergänger Wankelmotor
README.TXT 03.01.2011
Einfach nicht totzukriegen, taucht immer wieder plötzlich aus der Versenkung auf und verschwindet ebenso schnell wieder in dieser. Den Namen Etron sollte man auch nochmal überdenken, klingt wie Stiebel-Eltron, die haben damals in den 70ern Durchlauferhitzer produziert. Aber so gesehen passt der Name auch wieder zu den aufgeblasenen Audikarren.
2. Wenn man bedenkt,...
ratxi 03.01.2011
Zitat von sysopVolkswagen*streitet über*die Zukunft: Die Konzernmutter*will für alle Marken eine gemeinsame Eletroauto-Strategie - doch die Premiumtochter Audi versucht sich mit einer eigenen Antriebstechnik abzusetzen. In der Zentrale sorgt das "Anarchoprojekt" laut "Financial Times Deutschland" für Unmut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,737413,00.html
...dass Audi sich in den 80er Jahren noch mit Ford und Opel messen musste und nun mit BMW und Mercedes in der Top-Liga spielt und diese oft anführt, macht es Sinn, der Marke genügend Spielraum zu lassen...
3. Konkurenz
idealist100 03.01.2011
Zitat von sysopVolkswagen*streitet über*die Zukunft: Die Konzernmutter*will für alle Marken eine gemeinsame Eletroauto-Strategie - doch die Premiumtochter Audi versucht sich mit einer eigenen Antriebstechnik abzusetzen. In der Zentrale sorgt das "Anarchoprojekt" laut "Financial Times Deutschland" für Unmut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,737413,00.html
Konkurenz belebt das Geschäft und bringt Know How in den Laden. Das heisst halt anstrengen um das bessere Konzept ganz im Sinne von Ferdi. Der AUDI 50 wurde so zum VW GOLF und es hat keinem der Beiden geschadet. Dito Allrad mit Viskokupplung VW und Haldex AUDI, der bessere setzt sich durch.
4. Hab ich nicht verstanden...
peterfarge 03.01.2011
Wankelmotor verbrennt Treibstoff. Der Audi-Motor soll dabei Strom erzeugen und einen Akku aufladen. Dieser Akku treibt jedoch keinen Elektromotor zur Fortbewegung an, denn das wäre ja ein Hybrid. Will Audi einfach seine Autos serienmäßig mit Lichtmaschinen ausliefern? Müssen Audifahrer diese bisher immer nachrüsten? *g*
5. Audis Aufstieg
Micky65 03.01.2011
Audi hat sich echt gemausert. Früher eher Opa-Auto (Audi 80/100) - heute Premium Marke. Jetzt hat eher Mercedes (A-Klasse) das Opa-Image... Auch wenn es die Spreadsheet-BWL-Zombies sicher anders ausrechnen: Es dürfte sinnvoll für Audi sein, sich von VW etwas abzuheben und nicht jedes Konzept Konzernübergreifend zu realisieren. Und ein Wankelmotor liegt ja in der Tradition des Unternehmens (RO 80). PS: Bin selbst kein Audi-Fahrer
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Volkswagen-Historie: Vom KdF-Wagen zum Weltkonzern

Aktuelles zu

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: