Pillen und Co.: EU-Zoll beschlagnahmt mehr gefälschte Waren

Produktpiraterie nimmt europaweit zu:  Der Zoll hat allein im vergangenen Jahr 115 Millionen Güter abgefangen. Branchenverbände warnen Verbraucher vor vermeintlichen Schnäppchenjagden.

Brüssel - An Europas Außengrenzen werden immer mehr gefälschte Pillen, Zigaretten oder Kinderpuppen sichergestellt: 115 Millionen nachgemachte Markenartikel haben Zollfahnder im vergangenen Jahr beschlagnahmt. Das entspricht einem Zuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ihr Gesamtwert lag bei rund 1,3 Milliarden Euro, teilte der für Betrug zuständige EU-Kommissar Algirdas Semeta bei der Vorstellung der Zahlen am Dienstag in Brüssel mit. Rund drei Viertel der gefälschten Produkte kamen demnach aus China.

Semeta zeigte sich besorgt über den Anstieg. Durch gefälschte Waren würden nicht nur die Unternehmen geschädigt. Nachgeahmte Lebensmittel, Pflegeprodukte oder Kinderspielzeug könnten auch eine "ernste Gefahr für Sicherheit und Gesundheit" der EU-Bürger darstellen.

Ähnlich sieht das der Vorstandsvorsitzende des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM), Rüdiger Stihl. "Produktpiraterie ist kein harmloses Kavaliersdelikt", sagte Stihl. Vielmehr handele es sich um "eine Schattenwirtschaft, oft verbunden mit illegalen, mafiösen Strukturen".

Für den Verbraucher werde es daher zunehmend schwierig, zwischen Originalprodukten und Kopien zu unterscheiden. Auch wenn "angebliche Preisschnäppchen" zum schnellen Kauf verlockten, sollten die Verbraucher vermeintliche Schnäppchen dennoch "mit Vorsicht und gesundem Menschenverstand" prüfen, erklärte der APM.

"Solche Angebote sind oftmals eine Mogelpackung, denn viele Fälschungen sind zwar optisch täuschend echt, mangelhafte Verarbeitung, minderwertiger Materialeinsatz und fehlende Sicherheitstests machen sie aber zu Gefahren für Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher", sagte Stihl.

Besonders gelten die Warnungen der Experten für Arzneimittel, die mit 24 Prozent aller nachgemachten Produkte ganz weit oben auf der Fälscherliste stehen. Dahinter folgen Verpackungsmaterial (21 Prozent) und Zigaretten (18 Prozent). Die meisten gefälschten Lebensmittel kommen den Angaben zufolge aus der Türkei, die meisten alkoholischen Getränke aus Panama, die meisten Mobiltelefone aus Hongkong.

yes/dapd

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Arzneimittelpreise unverschämt!
FreieWelt 25.07.2012
Ich finde die Arzneimittelpreise in Deutschland unverschämt. Jeder Deutsche sollte das Recht haben, ohne irgendwelche Steuern, Arzneimittel aus dem Ausland zu beziehen und dies mit ausländischen Rezepten. Es wird höchste Zeit, dass etwas Wettbewerb in das deutsche Gesundheitssystem eingeführt wird. Wahrscheinlich 30% aller Arztbesuche sind ohnehin unnütz weil es nur darum geht ein Rezept zu bekommen, seien es Antibiotika oder irgendwelche Medikamente für chronische Krankheiten. Die kann man auch ohne Arzt kaufen, wenn es keine Verschreibungspflicht für nicht abhängig machende Medikamente gäbe. Den Pharmakonzernen würde etwas mehr Preisdruck sehr gut stehen.
2. Titel... können zum Rücktritt zwingen
SirTurbo 25.07.2012
Und wo ist da jetzt der Unterschied zwischen den ach so guten Markenprodukten und den bösen bösen Fälschungen? Doch wohl eher marginal. Mit Vorsicht sind heute alle Waren zu betrachten...
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