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Schadensersatz wegen Preisabsprachen: Zuckerfirmen droht Milliardenforderung

Einzelhandel und Süßwarenindustrie prüfen laut "Handelsblatt" massive Schadensersatzforderungen gegen die großen deutschen Zuckerhersteller. Die Ansprüche könnten sich auf bis zu drei Milliarden Euro belaufen.

Verladung von Zuckerrüben bei Nordzucker (Archivbild): Kartellvorwürfe Zur Großansicht
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Verladung von Zuckerrüben bei Nordzucker (Archivbild): Kartellvorwürfe

Frankfurt am Main - Ein Bericht über mögliche Schadensersatzklagen gegen deutsche Zuckerhersteller macht der Firma Südzucker zu schaffen. Die Aktien rutschten auf der außerbörslichen Handelsplattform Lang & Schwarz zeitweise um fast sieben Prozent ab, an der Frankfurter Börse fielen sie um 4,6 Prozent.

Laut "Handelsblatt" prüfen Firmen der Süßwarenindustrie und Einzelhändler derzeit massive Schadensersatzforderungen, Branchenkreisen zufolge könnten sie sich insgesamt auf drei Milliarden Euro belaufen: Bekämen die Kläger Recht, wäre das der bislang höchste Schadensersatz, den ein Kartell jemals an Geschädigte in Deutschland zahlen musste, schreibt die Zeitung. Die Kläger werfen den Zuckerherstellern illegale Preisabsprachen vor.

"Wir haben die Schadensersatzklagen im Haus seit Februar 2014", sagte ein Sprecher von Südzucker. Auf die Ansprüche von Kunden sei im jüngsten Geschäftsbericht hingewiesen worden.

Zwar komme diese Entwicklung also nicht überraschend, doch dürfte die Höhe der im Raum stehenden Forderungen einige Anleger schockieren, sagte ein Händler. Die Rückstellungen von Südzucker würden bei weitem nicht ausreichen.

Erste Klagen sind der Zeitung zufolge bereits beim Landgericht Mannheim anhängig: Von Mitte der Neunzigerjahre bis 2009 hatten sich die Firmen Südzucker, Nordzucker und Pfeifer und Langen abgesprochen und so die Zuckerpreise künstlich in die Höhe getrieben.

Das Bundeskartellamt verhängte gegen die großen deutschen Zuckerhersteller im vergangenen Jahr wegen der jahrelangen Preisabsprachen Strafen in einer Höhe von insgesamt rund 280 Millionen Euro.

bos/dpa/Reuters

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1.
ClausWunderlich 20.03.2015
Preisabsprachen! Das ist doch was ganz "normales" und wer anderes glaubt kann nur Naiv sein. So gehen hier bei uns die Preise der Tankstellen fast gleichzeitig rauf und runter. Produkte bei Aldi und Lidl kosten fast genau das gleiche. Und bei den meisten Produkten sieht das nicht anders aus.
2. Es muss weh tun!
poseidon1966 20.03.2015
Diesen betrügerischen Unternehmen muss dringend das schmutzige Handwerk gelegt werden. Am Ende sind es nämlich wir Verbraucher, die den Betrug bezahlen müssen. Wenn Südzucker und Co sich gegenseitig die Preise absprechen sollten die Verbraucher das wissen und die Namen dieser Firmen sollten bundesweit publiziert werden! Diese Firmen haben in Fällen des Betrugs jeglieches Recht auf Datenschutz verloren! Sei es dass Gammelfleisch, Pferdefleisch statt Rindfleisch verwendet wird, sei es dass mit Preisen betrogen wird, immer noch scheint der Schutz dieser Verbrecher höher zu stehen als der Schutz der Verbraucher. Eine Reform dieser Straftatbestände und deren Sanktionierung ist dringend erforderlich und es muss so ausgestaltet werden, dass es diesen Firmen richtig weh tut! Man kann also im Sinne des Verbraucherschutz nur hoffen, dass die kommenden Schadensersatzklagen wirklich die geforderten Summen einbringen! Und man soll diese Firmen als das benennen was sie sind: Betrüger!
3.
Petersbächel 20.03.2015
Zitat von ClausWunderlichPreisabsprachen! Das ist doch was ganz "normales" und wer anderes glaubt kann nur Naiv sein. So gehen hier bei uns die Preise der Tankstellen fast gleichzeitig rauf und runter. Produkte bei Aldi und Lidl kosten fast genau das gleiche. Und bei den meisten Produkten sieht das nicht anders aus.
Naja, sich an Preisen zu orientieren, die die Konkurrenz so anbietet, ist ja nix unnormales. Und etwas anderes als direkte Preisabsprachen. Wobei ich das bei Aldi und Tankstelle nicht ausschließen will - aber von allen gleichlautenden Preisen auf Absprachen zu schließen, ist sicher auch nicht richtig. Wer ähnliches anbietet, ähnlich wirtschaftet, ähnlich kalkulieren muß, wird auch bei ähnliche Preise auf die Rechnung schreiben (müssen).
4. Schaden? Welcher Schaden?
hikage 20.03.2015
Strafen für Absprachen, auf jeden Fall und gerne auch höher. Aber Schadenersatz? Die höheren Preise wurden doch 1:1 an die Kunden weitergereicht.
5. armes Deutschland
view3000 20.03.2015
Kartoffel-, Bier-, Stahl-, Zuckerkartelle....Wettbewerb auf einem freien Markt sieht wohl etwas anders aus. Was für ein Geschäftsmodell - erst Agrarsubventionen für den Anbau der Zuckerrübe vom Steuerzahler kassieren und dann die Zuckerpreise über ein Kartell in die Höhe treiben und den Endverbraucher nochmals abkassieren. Der Staat verdient - ohne das er das eigentlich will - durch die höheren Preise über die Mehrwertsteuer auch noch mit. Am Ende ist der Verbraucher, der diese Zeche zahlen darf, der Dumme. Wahrscheinlich ist das nur die Spitze des Eisbergs.
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