Zu breite Züge in Frankreich Bahnsteigkante zurückschneiden, bitte

Die französische Staatsbahn SNCF muss 1300 Bahnsteige verkleinern, weil sie zu breite Züge bestellt hat. Kosten: 50 Millionen Euro.

AFP

Paris - Nein, das ist keine Zeitungsente. Der Artikel steht zwar in der bekanntesten französischen Satirezeitung "Le Canard enchaîné" (zu Deutsch etwa: "Ente in Ketten"). Doch er stimmt: Die französische Staatsbahn SNCF teilt mit, dass für den Einsatz einer neuen Zug-Generation von den 8700 Bahnsteigen in Frankreich rund 1300 umgebaut werden müssen.

Betroffen ist damit rund jeder siebte Bahnhof in Frankreich. Verkehrsstaatsminister Frédéric Cuvillier nannte den Fall unglaublich.

Die verantwortlichen Unternehmen, die französische Staatsbahn SNCF und der ebenfalls staatliche Schienennetzbetreiber RFF, bemühen sich in einer Pressemitteilung um Schadensbegrenzung: Die anstehenden Modernisierungsarbeiten an den Bahnsteigen würden die "technologische Entwicklung des Rollmaterials" begleiten, heißt es darin. RFF-Generaldirektor Jacques Rapoport sagte laut Twitter-Account der SNCF, es handle sich bei dem Vorgang um "normale Anpassungen".

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Laut "Le Canard enchaîné" hingegen kam es zur falschen Zugbestellung, weil Mitarbeiter von SNCF und RFF schlampig gearbeitet haben. So sollen von RFF Normen für den Mindestabstand zwischen Bahnsteig und Zug angegeben worden sein, die auf älteren Bahnhöfe nicht gelten. Die betroffenen Bahnhöfe sind etwa 30 Jahre alt. Die SNCF-Mitarbeiter hätten es wiederum versäumt, Tests auf Bahnhöfen durchzuführen. Wie der "Canard enchaîné" berichtet, sind die Züge "um Haaresbreite" zu breit.

Die Tageszeitung "Le Monde" bezeichnet die Panne als "Geschichte um verrückte Züge". Das Volumen der Bestellung betrage fast 15 Milliarden Euro, schreibt das Blatt, insgesamt seien fast 2000 neue Loks und Waggons bestellt worden.

Die Tageszeitung "Libération" nennt die Bestellung eine "haarsträubende Affäre". Bei jenen, die zu breit geraten sind, gehe es um 341 Züge: 159 Regio 2N von Bombardier und 182 TER Regiolis des Industriekonzerns Alstom, um den zurzeit eine Übernahmeschlacht zwischen dem US-Unternehmen General Electric (GE) Chart zeigen und Siemens Chart zeigen tobt.

Mit Material von dpa

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
jonas4711 21.05.2014
1. Und ich dachte schon,
nur die Deutschen hätte soche "Spezialisten" die einen Flughafen nicht bauen können...aber jetzt sieht man, auch andere Nationen können mithalten..muß am Zetgeist liegen: schneller, weiter, höher...bekloppter.....
koenigjohn 21.05.2014
2. Nicht nur in Deutschland
Könnte genauso gut eine Meldung von der DB sein...
Kaffee Wien 21.05.2014
3. Was sind denn das bitte für Fotos?!
Wenn zu dem Thema eine Fotostrecke dabei ist, will ich sehen, wie das aussieht mit den angeblich zu breiten Zügen! Ich will nicht eine Zeitungsfrontseite und einen dicken Manager auf insgesamt drei mickrigen Fotos sehen. Ist das der neue Journalismus: Möglichst Irrelevantes zu zeigen? Ich fasse es nicht!
thomas_gr 21.05.2014
4.
Sicher günstiger als die Züge abzubestellen
specialsymbol 21.05.2014
5. Immerhin profitieren die Fahrgäste
In Deutschland hingegen ist man im Zug wie in der Sardinenbüchse unterwegs: die Gänge so schmal, dass man mit dem Trolley hängenbleibt und erste Klasse ist nur möglich wenn man auf einer Seite einen Sitz weglässt.
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