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Zukunft der Wirtschaft: Der Kapitalismus ist so quicklebendig wie nie

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Der Kapitalismus hat seine besten Jahre hinter sich? Von wegen! Weil Geld teurer und Mitarbeiter knapper werden, verschärft sich der Kampf um diese beiden Ressourcen in Zukunft noch mehr. Ob diese Entwicklung gut oder böse endet, hängt davon ab, wie die Wirtschaft auf die epochale Herausforderung reagiert.

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Corbis

Trendwende: In der neuen Phase des Human-Kapitalismus werden Fachkräfte knapp

Hamburg - Ein derzeit populäres Vorurteil besagt: Der Kapitalismus ist am Ende. Hat nicht die Finanzkrise gezeigt, dass "systemisch" etwas falsch läuft? Dass die Staatshaushalte und damit die Steuerzahler zu Geiseln eines maroden Wirtschaftssystems geworden sind? Muss deshalb nicht ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem her? All diese Fragen beantwortet eine Mehrheit der Deutschen mit "Ja!". Das zeigen diverse Umfragen.

Wohin diese Systemfrage führen soll, darüber gibt es verschiedene Vorstellungen: Ob "neue soziale Marktwirtschaft", "demokratischer Sozialismus" oder sogar "Kommunismus", der als Utopie in die politische Debatte zurückgekehrt ist - so unklar ist, was genau sich hinter diesen Begriffen verbirgt, so gemeinsam ist der Wunsch nach sanfter Veränderung.

Die Macht des Kapitals muss geschwächt werden, das ist eine überaus populäre Forderung. Nun zeigt eine Studie des McKinsey Global Institute exklusiv für manager magazin, dass genau das Gegenteil bevorstehen dürfte: Kapital wird weltweit immer knapper, begehrter, teurer und umworbener.

Der Kapitalismus dürfte deshalb keineswegs am Ende sein, sondern lediglich eine neue Stufe erreichen. Man kann das schlecht oder gut finden - ändern wird es wenig. Unabhängig von moralischen Kategorien kann es sein, dass in der heraufziehenden Ära der Kapitalknappheit die Wirtschaft sich erst recht an den Interessen der Kapitaleigner orientieren wird.

Historisch materialistisch argumentiert: Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme richten sich nach objektiv knappen Faktoren aus. Der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts entstand durch massiv gestiegenen Kapitalbedarf, der mit der sich durchsetzenden industriellen Wirtschaftsweise einher ging. Immer größere Fabriken und stark wachsende Metropolen brauchten immer mehr Kapital. Nur wer den Interessen seiner Eigner entgegenkam, bekam genug Kapital, um damit arbeiten zu können.

Mehr Kapitalnachfrage, weniger Ersparnisse

In den vergangenen Jahren passierte etwas Ähnliches im Zuge der Globalisierung. Weil durch die Öffnung der Schwellenländer die Märkte rasch wuchsen, stieg der Kapitalbedarf enorm: Unternehmen bauten immer größere Strukturen auf, sie expandierten an immer mehr Standorte, zunächst in Osteuropa und Lateinamerika, dann in China, Indien, Indonesien. Und so weiter. Dafür mussten sie große Mengen Kapital beschaffen. Entsprechend wurden die Shareholder und ihr Value zum zentralen Maßstab.

Die McKinsey-Studie legt nun den Schluss nahe, dass dies erst das Vorspiel war. Für die kommenden 20 Jahre sagen die Experten einen massiven Anstieg der globalen Investitionsdynamik vorher: Die Schwellenländer werden massiv in ihre Industrialisierung und die dafür notwendige Infrastruktur investieren. Die Kapitalnachfrage wächst also stark. Zugleich dürfte das Kapitalangebot - also die weltweiten Ersparnisse - zurückgehen, weil alternde Gesellschaften weniger auf die Seite legen.

Es ist eine fundamentale Trendwende. Während die vergangenen drei Jahrzehnte von sinkenden Investitionsquoten im Westen und einer noch recht üppigen Ersparnisbildung geprägt waren, dürften sich nun beide Entwicklungen umkehren: Aus einem strukturellen globalen Ersparnisüberschuss wird ein struktureller Überschuss an Investitionsprojekten.

An eine lange Phase immer weiter sinkender Zinsen schließt sich nun eine Ära deutlich teureren Kapitals an. Die Ergebnisse der McKinsey-Studie sind ziemlich robust: Auch wenn das weltweite Wachstum deutlich zurückgehen sollte, so bleibt doch die globale Kapitallücke bestehen - sie fällt lediglich nicht ganz so groß aus.

Die Wirtschaft steht vor einer Gezeitenwende. Nach Jahrzehnten der Flut beginnt nun eine lange Phase der Ebbe.

Die große Frage ist, wie die Wirtschaft darauf in den kommenden Jahren und Jahrzehnten reagieren wird. Wird die "Entmenschlichung" des Systems fortschreiten, die die Kapitalismuskritiker beschwören? Werden im Szenario der Kapitalknappheit die Interessen der Beschäftigten und der Bürger tatsächlich vollkommen unter den Tisch fallen?

Firmen müssen für Kapital und Menschen attraktiv sein

Vermutlich nicht. Vielleicht passiert gerade das Gegenteil: Ohne den Faktor Mensch, ohne sein Wissen, seine Fähigkeiten und seine Kreativität, ist Kapital unproduktiv. Erst durch das intelligente Zusammenspiel der beiden wichtigsten Produktionsfaktoren Mensch und Kapital lassen sich jene hohen Renditen erreichen, die künftig erwirtschaftet werden müssen.

Weil Kapital erheblich teurer wird - die Studie rechnet mit einem Anstieg der langfristigen Zinsen um die Hälfte! -, sollten Unternehmen in diesem Szenario relativ stärker auf Humankapital setzen. Und da in Deutschland und vielen anderen Volkswirtschaften nicht nur das Kapital, sondern auch die Menschen im produktivsten Alter knapp werden, müssen sich die Unternehmen auch darum bemühen, Leute an sich zu binden.

Bis vor kurzem konnten sich Unternehmen auf ein reichliches Angebot an Produktionsfaktoren verlassen: Kapital war relativ billig und jederzeit verfügbar; der Arbeitsmarkt war voll von qualifizierten Beschäftigungswilligen. In der neuen Phase des Human-Kapitalismus werden beide Faktoren knapp. Entsprechend müssen Unternehmen für beide Seiten attraktiv sein und ihre Geschäftsmodelle und Prozesse entsprechend organisieren.

Der Kapitalismus lebt - und das muss nicht unbedingt schlecht sein.

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1. Klar doch ...
gunman, 23.01.2011
Zitat von sysopDer Kapitalismus hat seine besten Jahre hinter sich? Von wegen! Weil Geld teurer*und Mitarbeiter knapper werden, verschärft sich*der Kampf um diese beiden Ressourcen in Zukunft noch mehr. Ob diese Entwicklung gut oder böse endet, hängt davon ab, wie die Wirtschaft auf die epochale Herausforderung reagiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740856,00.html
Klar ist der Kapitalismus zu lebendig wie nie, gerade auch in Deutschland, wo die Löhne sinken und die Profite steigen. Den dazugehörigen Klassenkampf dürfen wir dann hoffentlich auch bald erleben ... wobei ich mir nicht sicher bin, was die debilen Weicheier, die man heute ausbeutet dann zu Stande bringen werden.
2. Löhne werden sinken....?
Eurorider, 23.01.2011
Zitat von sysopDer Kapitalismus hat seine besten Jahre hinter sich? Von wegen! Weil Geld teurer*und Mitarbeiter knapper werden, verschärft sich*der Kampf um diese beiden Ressourcen in Zukunft noch mehr. Ob diese Entwicklung gut oder böse endet, hängt davon ab, wie die Wirtschaft auf die epochale Herausforderung reagiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740856,00.html
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit sieht jedenfalls schon mal die Löhne im Sinkflug: http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wirtschaft/article12272276/BA-Chef-Weise-sieht-Loehne-im-Sinkflug.html
3. Sehr
dr_gisela_v._kerf-binsing 23.01.2011
viele, für meinen Geschmack zu viele Vermutungen auf einmal.
4. Blah
amerlogk 23.01.2011
Der Kapitalismus ist tot, es lebe der Kapitalismus. Luke Moneywalker: "Sag Darth Goldmann-Sachs ist der Human-Kapitalismus stärker?" Darth Goldmann-Sachs: "Nein, nur schneller, verführerischer.." Ohne den Bürger, wäre der Kapitalismus den Weg des Kommunismus gegangen, ins Nirvana der Geschichte. Es waren die Bürger die ihn gerettet haben und gleichzeitig privat für die Auswüchse leiden. Den der Artikel verschweigt das auch in einem Human-Kapitalismus (der Begriff ist schaurig!) die Spekulation einen Stellenwert hat der gesellschaftsgefährdent ist. Was wir brauchen ist der Wechsel weg vom Managment der Zahlenverdreher zu einem Managment der Unternehmer. Unsere Unternehmer fluchen über chinesische Strategien, deren langfristige Perspektive nichts anderes als Unternehmerisches handeln ist. Das Firmen müssen endlich wieder zurück zur sozialen Marktwirtschaft. Zu dem Gedanken Eigentum verpflichtet. Zu Zeiten wo Arbeitgeber stolz waren ihren Arbeitnehmern mehr Lohn zu zahlen. Weil es Ausdruck der eigenen Stärke war, weil ihnen klar war, nur ein Arbeitnehmer mit Geld ist ein kaufkräftiger Konsument. Und jetzt klingt ein Grüner wie ein Soze. ^^
5. ?
henningr 23.01.2011
Zitat von sysopDer Kapitalismus hat seine besten Jahre hinter sich? Von wegen! Weil Geld teurer*und Mitarbeiter knapper werden, verschärft sich*der Kampf um diese beiden Ressourcen in Zukunft noch mehr. Ob diese Entwicklung gut oder böse endet, hängt davon ab, wie die Wirtschaft auf die epochale Herausforderung reagiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740856,00.html
Ist das der Gefälligkeitsartikel für die dicke INSM-Anzeige gestern?
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