Zukunft des Kriseninstituts WestLB soll zur RestLB schrumpfen

Die Neuordnung der Landesbanken wird endlich konkret: Bis Mitternacht entscheidet sich die Zukunft des Pleiteinstituts WestLB. Das Geldhaus soll zu einer RestLB schrumpfen - oder ganz abgewickelt werden. 5000 Arbeitsplätze sind gefährdet.

Logo der WestLB: Kampf bis zur letzten Minute
dapd

Logo der WestLB: Kampf bis zur letzten Minute

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Hamburg - Der Countdown läuft: Bis Mitternacht müssen die Eigentümer der WestLB in Brüssel ihren Rettungsplan für die Zukunft der drittgrößten Landesbank präsentieren. Wie immer die Entscheidung im Detail auch aussieht - die 5000 Mitarbeiter der Bank stehen vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes.

So hart der Einschnitt für die Beschäftigten auch sein mag - die seit Jahren geforderte Neuordnung der Landesbanken könnte endlich Realität werden. Denn ein Komplettverkauf der WestLB scheint endgültig vom Tisch zu sein. In der entscheidenden Krisenrunde am Dienstagnachmittag in Berlin wird laut Teilnehmern nur noch über eine Zerschlagung der WestLB verhandelt. Die Sparkassen wollen demnach eine Nachfolgebank finanzieren - die mit einer Bilanzsumme von 50 Milliarden Euro aber nur noch 25 Prozent der bisherigen Größe hätte.

Die Hälfte der Kosten für den Übergang zur RestLB wollen laut "Financial Times Deutschland" die gut 100 Sparkassen aus Nordrhein-Westfalen tragen. Die andere Hälfte der benötigten 1,5 Milliarden Euro würden Sparkassenverbände und Landesbanken außerhalb von NRW übernehmen. Ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) wollte die Details nicht bestätigen, da die Verhandlungen noch andauerten. Man sei aber zuversichtlich, "am Ende ein gutes Ergebnis zu erzielen".

Unklar ist noch, wer die Kosten für den unverkäuflichen Teil übernimmt: Diese könnten in der bereits bestehenden Bad Bank abgewickelt werden. Bund und Landesregierung streiten aber noch, wer die notwendigen Garantien übernimmt.

Der Druck, einen Kompromiss zu erzielen, ist enorm: Sollten die Eigentümer EU-Kommissar Joaquín Almunia bis Mitternacht keine tragfähige Lösung präsentieren können, droht die komplette Abwicklung der WestLB.

Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sagt, der Unwille der Politiker, noch mehr Geld in die WestLB zu pumpen, sei zwar verständlich. Immerhin stützte der Staat die Bank nach Angaben der EU bislang bereits mit 16 Milliarden Euro. "Die Sparkassen dürfen bei der Rettung aber auch nicht überfordert werden", warnt Burghof. Sonst gebe es auf diesem eigentlich stabilen Sektor gleich die nächste Baustelle.

Wie es auch kommt, Burghof sieht in der WestLB-Entscheidung eine Zäsur für den deutschen Bankensektor: "Positiv ist, dass die wirtschaftlich unhaltbare Lage nun angepackt wird." Die mögliche Lösung mit einer Übernahme durch die Sparkassen sei dabei "endlich mal eine gute Nachricht", da sich damit die unternehmerische Leitung am Bedarf der Sparkassengruppe ausrichten würde. Es sei ein Schritt zu "einer Landesbank, die ihre Rolle innerhalb der Gruppe spielt und keine riskante Ambitionen entwickeln kann", sagt Burghof.

Kein wirkliches Geschäftsmodell

Denn die WestLB hat einen beispiellosen Absturz hinter sich. Einst war die Landesbank eine Macht am Rhein. Vor gut zehn Jahren erzählte man sich in dem Institut laut "Süddeutscher Zeitung" folgenden Witz: Was ist der Unterschied zwischen der BayernLB und der WestLB? Die BayernLB wird von der Staatskanzlei gesteuert, die WestLB steuert die Staatskanzlei.

Doch das Machtgefühl entbehrte jeder Grundlage. Seit langem hat sie kein wirkliches Geschäftsmodell mehr. Die Sparkassen achteten als Miteigentümer stets darauf, dass die Landesbank nicht mit Privatkunden oder kleinen Mittelständlern ins Geschäft kam.

Statt Kundengeschäfte zu machen, verlegte sich die WestLB aufs Zocken. Sie nutzte (wie die anderen Landesbanken übrigens auch) die sogenannte Staatsgarantie, um sich billig Geld zu borgen. Diese beruhte auf der Annahme, dass Bund und Länder eine Landesbank niemals hängen lassen würden.

Fünf Vorstandschefs in acht Jahren

Doch die WestLB zockte ohne hinreichendes Kontroll- und Risikomanagement - und das rächte sich bitter. Sie verspekulierte sich mit riskanten Finanzprodukten, mit Vorzugsaktien von VW. 2007 mussten der WestLB-Vorstandsvorsitzende Thomas Fischer und fast der gesamte Vorstand abtreten, weil bei Aktiengeschäften der WestLB über 600 Millionen Euro verloren gingen.

Heute ist die drittgrößte Landesbank ein finanzielles Wrack. Fünf Vorstandschefs hat sie in den vergangenen acht Jahren verschlissen. Immer wieder mussten die Bundesregierung und das Land NRW Geld in das marode Institut stecken. Der dringend nötige Umbau der Bank kam dennoch nur im Zeitlupentempo voran. Schließlich stellte EU-Kommissar Joaquín Almunia ein Ultimatum. Im Herbst 2010 legte er fest, dass der Masterplan für die Zukunft bis zum 15. Februar stehen muss.

Friedrich Merz, ehemaliger CDU-Fraktionschef und Merkel-Gegner, kämpft bereits seit Ende September für eine Lösung. Die zähen Verhandlungen mit Sparkassen, Landesfürsten, Bund, Aufsichtsräten und zahlreichen anderen Parteien brachten den gestandenen Finanzprofi zwischenzeitlich zur Weißglut. "Jeder kocht sein eigenes Süppchen", schimpfte der 55-Jährige laut "Handelsblatt" im kleinen Kreis, "es ist zum Verzweifeln."

Mit Material von dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
vogelsteller 15.02.2011
1. ja, ja.
Zitat von sysopDie Neuordnung der Landesbanken wird endlich konkret: Bis Mitternacht entscheidet sich die Zukunft des Pleitinstituts*WestLB.*Das Geldhaus soll zu einer RestLB schrumpfen - oder ganz abgewickelt werden. 5000 Arbeitsplätze sind gefährdet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,745393,00.html
zu was das finanzmafia-institut auch immer zusammengeschrumpft wird - wir, der steuerzahler, darf für diese korrupte bande zahlen. jeder andere würde "hängen". das hochinteressante daran ist, den nadelgestreiften wurden blanko-persilscheine ausgestellt und diese erfreuen sich nun, mit ihrem durchgebrachten, eines fröhlichen und ungefährdeten lebens. ja, evtl. erhalten sie neue vertrauenswürdige ämter, werden zu noch höherem berufen.
hansausberlin 15.02.2011
2. Wie noch RestLB erforderlich?
Die Sparkassen besitzten doch schon eine Landesbank in Berlin. Warum überträgt man nicht die Teile, die als RestLB vorgesehen sind, auf diese Landesbank? Das würde doch Sinn machen, da die Rentabilität durch diesen Deal erheblich höher für die Sparkassen wäre? Die Arbeitsplätze wären in Düsseldorf dann allerdings komplett weg. Mittelfristig wird es m.E. sowieso dazu kommen, auch wenn die RestLB mit einer anderen Landesbank zu Zukunft fusionieren sollte. Dies scheint man ja anzustreben.
someone_one, 15.02.2011
3. Herzlichen Dank....
Zitat SPON: "Sollten die Eigentümer EU-Kommissar Joaquín Almunia bis Mitternacht keine tragfähige Lösung präsentieren können, droht die komplette Abwicklung der WestLB." Herzlichen Dank....an die EU! ;-))
Pandora0611 15.02.2011
4. schöner fliegen, WestLB
Zitat von sysopDie Neuordnung der Landesbanken wird endlich konkret: Bis Mitternacht entscheidet sich die Zukunft des Pleitinstituts*WestLB.*Das Geldhaus soll zu einer RestLB schrumpfen - oder ganz abgewickelt werden. 5000 Arbeitsplätze sind gefährdet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,745393,00.html
Hauptsache, die Sparte: *schöner fliegen, WestLB*, bleibt erhalten. Wie kommen unsere SPD-Politiker sonst zu ihrem Urlaubsort; und wer finanziert ihre Geburtstagsfeier? Hierfür ist die WestLB *systemrelebant*!
woiza 15.02.2011
5.
Zitat von Pandora0611Hauptsache, die Sparte: *schöner fliegen, WestLB*, bleibt erhalten. Wie kommen unsere SPD-Politiker sonst zu ihrem Urlaubsort; und wer finanziert ihre Geburtstagsfeier? Hierfür ist die WestLB *systemrelebant*!
Auch hier, wie in Berlin, versucht die SPD wieder anderen die Schuld zu geben. Der einzige Vorwurf an Rüttgers kann sein, dass er den Saustall nicht rechtzeitig ausgemistet hat. Verbockt haben es die Roten über Jahrzehnte. Aber Frau Kraft begründet jetzt ja schon ihren verfassungswidrigen Haushalt mit der WestLB. Ob sie sich noch an die NRW "Flugbereitschaft" erinnert?
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