Zukunftsforscher Horx "Kein Schwein interessiert sich für Inflation"

Die Inflation ist ein deutsches Trauma, das alle bewegt - oder doch nicht? Matthias Horx glaubt, dass sich die Bundesbürger kaum Gedanken über die Geldentwertung machen. Im Interview spricht der Zukunftsforscher auch über schwarz-rot-goldene Zukunftsangst und seine Abneigung gegenüber Aktien.

Matthias Horx: Der Zukunftsforscher setzt nicht auf Aktien

Matthias Horx: Der Zukunftsforscher setzt nicht auf Aktien


Frage: Ist die aktuelle Angst vor Inflation ein typisch deutsches Phänomen?

Horx: Ja, das kann man so sagen. Die deutsche Inflationsangst ist das Produkt einer historischen Traumatisierung. Meine Familie beispielsweise hat zweimal ihren gesamten Wohlstand verloren. Solche Erfahrungen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Das Grundvertrauen, dass der Wohlstand erhalten bleibt, fehlt bei uns. Das ist schon neurotisch. Und: Wir sind nicht mehr aufwärtsmobil. 80 Prozent der Deutschen glauben, sie hätten in Zukunft keine Einkommensgewinne mehr zu erwarten. Auch darin sind wir eine Ausnahme. Wir sind Zukunftspessimisten.

Frage: Warum ist das so?

Horx: Zukunftsangst wird auch von den Medien geschürt, weil man damit Aufmerksamkeit erzeugen kann. Unser ganzes Wertesystem ist sehr staatsgläubig, sehr ängstlich ausgerichtet, bisweilen bis an den Rand der Hysterie.

Frage: Die Inflation beherrscht derzeit die Schlagzeilen.

Horx: Unter uns gesagt, aber verraten Sie es nicht Ihren Kollegen: Kein Schwein interessiert sich für Inflation - außer die Medien. Die versuchen damit Talkshows und Schlagzeilen zu generieren. Aber selbst die durchschnittliche Oma ist nicht wirklich beängstigt.

Frage: Wird es denn Inflation geben?

Horx: Ja, hoffentlich. Inflation ist nötig. Da, wo die Wirtschaft brummt und boomt, da gibt es auch immer eine Form von Geldentwertung. Das ist ein ganz gesunder Mechanismus. Das Gefährliche ist Deflation. Und eine Inflation, die alle Maße übersteigt. Aber die ist eher unwahrscheinlich.

Frage: Wie schützen Sie ihr Vermögen vor Entwertung?

Horx: Mein Lebensstandard misst sich nicht mehr so sehr an reinem Geld. Und ich habe auch kein Vermögensproblem, weil ich mein ganzes Geld in mein Konzepthaus, das Future Evolution House, gesteckt habe. Ich würde heute allerdings jeden vor Aktien warnen.

Frage: Warum?

Horx: Weil sie in ein spekulatives System eingebunden sind, das sie irreparabel unberechenbar gemacht hat.

Frage: Aktien gelten als Sachwerte, denn sie sind Anteile an realen Unternehmen.

Horx: Das ist sicherlich richtig. Das Problem ist doch nur: Zwischen dem Unternehmen und mir sind eine Menge Zwischenhändler, die die Kurse mittreiben und Vermittlungsprovisionen kassieren.

Frage: Was soll man dann kaufen?

Horx: Ich habe vor zehn Jahren einen Teil einer Forstplantage in China gekauft. Nachdem sich der Wert verfünffacht hat, habe ich wieder verkauft.

Das Interview führte Astrid Lipsky



insgesamt 113 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bhayes 25.06.2011
1. Herr Horx hat vom Geldsystem offensichtlich KEINE AHNUNG
Sonst würde er nicht so einen gefährlichen Unsinn reden. Tatsache ist, dass die Geldentwertungsrate von 6+% dazu führt, dass die Bewohner der Euro-Zone jedes Jahr um ca. 500 Mrd. Euro an Kaufkraft bestohlen werden und zwar zugunsten der Banken, Kreditnehmer sowie deren Hauptauftragnehmer, z.B. die Baubranche. Für Details siehe http://www.nein-zur-transferunion-fuer-stabiles-geld.de/wp-content/uploads/2011/03/UK.pdf . Hätten die Politiker nicht den Banken das Privileg gegeben, Geld aus dem Nichts zu schöpfen und damit die Geldentwertung und somit Teuerung (fälschlich von den Politikern und Horx als "Inflation" bezeichnet) verursachen, so würden die Preise ständig leicht fallen, weil aufgrund des technischen Fortschritts viele Betriebe bei gleichen Aufwand mehr produzieren würden, was sie in Form von Preissenkungen weiter geben würde, siehe Telekommunikation oder Eleketronik. Diessr Effekt (nominell ca. 1-1,5% pro Jahr) hat mit "Deflation" (längerfristige, stetige Preissenkungen von 10% oder mehr pro Jahr) NICHT DAS GERINGSTE ZU TUN; das Schüren von Ängsten (die er in diesem Falle selbst schürt im Gegensatz zu seiner Kritik daran) ist eine perfide Masche der von der Geldentwertung profitierenden Politiker und Finanzbranche. Umgekehrt spürt jeder die negativen Folgen der Geldentwertung, in Kombination mit dem Steuersystem, bei dem sie sich die Politiker aus Eigensucht weigern, die Grenzwerte gemäß der Geldentwertung ständig nach oben anzupassen, führt dies dazu, dass die meisten ständig höhere Steuerquoten zahlen, d.h., sie verlieren dabei an Kaufkraft. Nicht nur das, bei weniger als ca. 8% Lohnerhöhung pro Jahr ist es so, dass der einem sozusagen zustehende Anteil an der Wirtschaftsleistung sinkt, d.h., man verliert. Und das alles nur wegen der Manipulation der Geldentwertung.
Alexander Berg 25.06.2011
2. Die Mehrheit
...glaubt wohl immer noch daran, dass alles gut wird und man nur genug Geld haben muss, um die Probleme wegignorieren zu können.
Liberalitärer, 25.06.2011
3. Schuster
Das ist sicherlich richtig. Das Problem ist doch nur: Zwischen dem Unternehmen und mir sind eine Menge Zwischenhändler, die die Kurse mittreiben und Vermittlungsprovisionen kassieren. Schuster bleib bei deinen Leisten. Welche Zwischenhändler? Der Handel läuft elektronisch über XETRA. Bei Fonds einer Lebensversicherung und selbst bei Immobilien sieht das anders aus. Da gibt es Makler und Fondsmanager. Bei Aktien verdient nur die Deutsche Börse - ein wenig.
hornbeam, 25.06.2011
4. +++
Zitat von sysopDie Inflation ist ein deutsches Trauma, das alle bewegt - oder doch nicht? Matthias Horx glaubt, dass sich die Bundesbürger kaum Gedanken über die Geldentwertung machen. Im Interview spricht der Zukunftsforscher auch über schwarz-rot-goldene Zukunftsangst und seine Abneigung gegenüber Aktien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769904,00.html
Mag ja alles sein. Aber sicherlich auch "Kein Schwein" interessiert sich für Matthias Horx ;-?
moliebste 25.06.2011
5. Trend isn´t his friend
Über M. Horx zirkuliert das bonmot: "Er erkennt die Trends, wenn sie schon wieder vorbei sind".
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.