Zukunftsprognose: "Deutschland ist alt, satt und behäbig"

Eine Prognose der Brüsseler Denkfabrik CEPS enthüllt Schockierendes: In den kommenden 30 Jahren könnte die deutsche Wirtschaft europaweit absteigen und noch hinter Polen zurückfallen. Den Grund sehen die Forscher in der Reformscheu und fehlenden Investitionen in Bildung.

Studenten sitzen auf den Fluren der TU Dresden: Fehlende Investitionen in Bildung Zur Großansicht
dpa

Studenten sitzen auf den Fluren der TU Dresden: Fehlende Investitionen in Bildung

Brüssel - Es ist eine düstere Prognose: Die deutsche Wirtschaft könnte laut einer Studie bis zum Jahr 2040 europaweit absteigen und hinter das derzeit noch schwache Polen zurückfallen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Brüsseler Denkfabrik Centre for European Policy Studies (CEPS) am Montag in Brüssel präsentierte. Schuld daran seien die Reformscheu und fehlende Investitionen in die Bildung. Schon jetzt wachse die polnische Wirtschaft im Schnitt zwei Prozent schneller als die deutsche.

Polen werde schon in 20 Jahren wirtschaftlich besser dastehen als Deutschland, lautet die These des CEPS-Leiters Daniel Gros, die er in dem Buch "Nachkrisenzeit" gemeinsam mit der Journalistin Sonja Sagmeister aufgestellt hat.

Warschau noch vor Berlin

Der Aufholprozess gehe in den neuen EU-Ländern Osteuropas deutlich schneller voran. "Deutschland ist alt, satt und behäbig geworden." Die Deutschen seien selbst in der Krise nicht gezwungen gewesen, radikal umzudenken.

Laut Studie gibt es im deutschen Bildungssektor zu viele Schulabbrecher und zu wenige Uni-Absolventen. Das werde Deutschland in der nächsten Generation "zum Land der Hilfsarbeiter" machen, sagte Gros. Verknüpfe man die Akademikerquote mit den Resultaten der Pisa-Studie, liege Warschau vor Berlin.

Fast nirgendwo in Europa seien so wenige Arbeitskräfte in Kindergärten, Schulen und Universitäten beschäftigt wie in Deutschland. Mit einer Quote von sechs Prozent liege Deutschland weit hinter Großbritannien mit neun und Polen mit sieben Prozent. Jeder fünfte Jugendliche komme nicht über das Hauptschulniveau hinaus.

"Die Facharbeitertradition und die Spezialisierung auf Industriegüter sind in der Krise ein Nachteil", warnte Gros. Der Volkswirt forderte eine Bildungsreform. Deutschland müsse mehr Ingenieure und andere Akademiker ausbilden.

fro/dpa

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