Zweifel an Aufschwung Anleger ziehen Milliarden aus Boomstaaten ab

Die Industriestaaten feiern ein Comeback am globalen Aktienmarkt: Nervöse Anleger haben in nur einer Woche mehr als sieben Milliarden Dollar aus China, Brasilien und anderen Boomländern abgezogen und neu angelegt. Die Investoren fürchten um die Stabilität der Schwellenländer.

Börse im chinesischen Hefei: Investoren setzen auf Aktien aus Industrieländern
AP

Börse im chinesischen Hefei: Investoren setzen auf Aktien aus Industrieländern


London - Auf den weltweiten Aktienmärkten findet eine massive Umverteilung statt: Laut "Financial Times" haben Investoren in der vergangenen Woche Aktien aus Boom- und Schwellenländern im Wert von mehr als sieben Milliarden Dollar verkauft. Das sei der größte Mittelabfluss seit drei Jahren.

Ursache ist laut der Zeitung unter anderem die politische Situation im Nahen Osten und der Anstieg der Ölpreise. Die Anleger würden sich aber auch stärker der Gefahr einer konjunkturellen Überhitzung in Staaten wie China, Indien und Brasilien bewusst.

Neben der politischen Unruhen im arabischen Raum könnte laut "FT" die steigende Inflation in Schwellenmärkten ein Grund für den Strategiewechsel der Investoren sein. Diese beruht vor allem auf höheren Preisen für Lebensmittel und Rohstoffe.

Die Wirtschaft in der Volksrepublik etwa ist 2010 um 10,3 Prozent gewachsen. China löste damit Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ab. Mit dem massiven Wachstum stieg aber auch die Inflation. Allein im Dezember legten die Verbraucherpreis um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Für das Jahr 2011 erkündete das nationale Statistikamt in Peking eine Inflation von 3,3 Prozent.

Lebensmittel sind sogar um fünf Prozent teurer geworden. Das ist vor allem für die arme Landbevölkerung in China ein Problem, da die Menschen nahezu ihr gesamtes Einkommen für Nahrung aufwenden müssen. Damit steigt das Risiko politischer Unruhen.

Strategiewechsel von Fondsmanagern

Die Aktienkurse in den Schwellenländern seien seit Jahresbeginn um knapp drei Prozent gesunken, berichtet die "FT", in Indien sogar um elf Prozent. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen legte in dieser Zeit um knapp 4,4 Prozent zu. Auch die Börse in Shanghai verlor zuletzt kräftig: Der Shanghai Composite büßte 2010 16 Prozent ein - während die westlichen Aktenmärkte zulegten.

Die Investoren setzen offenbar stärker auf Aktien aus den USA, Japan und Europa. Dort habe es in der vergangenen Woche zum fünften Mal in Folge Mittelzuflüsse gegeben - dieses Mal in Höhe von 6,6 Milliarden Dollar. Die Summen seien ein Indiz dafür, dass einige der wichtigsten Fondsmanager derzeit ihre Anlagestrategie ändern. Seit dem vierten Quartal 2010 gebe es einen "eindeutigen Trend, Chancen am Aktienmarkt stärker in den Industrieländern zu suchen", sagte der Analyst Cameron Brandt von Emerging Portfolio Fund Research der Zeitung.

cte



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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
meslier 07.02.2011
1. Hilft unserem Dax
Zitat von sysopInvestoren konzentrieren sich auf Aktien aus Industriestaaten: Mehr als sieben Milliarden Dollar haben Anleger*aus Angst vor konjunktureller Überhitzung*aus China, Brasilien und anderen Boomländern abgezogen. Für Verunsicherung sorgen auch die Unruhen im arabischen Raum. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,743910,00.html
Das sollte uns helfen bis zum Sommer im Dax deutlich über 8.200 zu stehen.
joey55 07.02.2011
2. 7 Millarden?
Hört sich viel an, ist aber bei den täglichen Geldbewegungen kaum mehr als die sprichwörtlichen Peanuts.
t.h.wolff 07.02.2011
3. Doll
Zitat von meslierDas sollte uns helfen bis zum Sommer im Dax deutlich über 8.200 zu stehen.
Wenn das Umschichten von elektronischen Verrechnungseinheiten so eine konzertiert zu erledigende Sache ist, was haben wir dann davon ? Fällt der Kaffeesatz am Mittwoch anders, dann ist der DAX wieder schwächer, zuzüglich gewisser Tulpenzwiebel-Hysterieverluste. Die Frage wer mit "wir" gemeint ist mal ganz außer acht gelassen.
prüfling 07.02.2011
4. Irren ist menschlich
Aktien aus Schwellenländern, die boomen, verkaufen? Und dann bei den Pleitiers USA und Europa in überbewertete Titel einsteigen, das leuchtet mir nicht ein. Nun gut, wenn dann der Dax wieder über 8000 steht und dann im Zuge der kommenden EURO-Krise wieder auf seinen tatsächlichen Wert fällt, das ist dann halt die Zockerbörse.
DieKleinenHaengtMan, 07.02.2011
5. 0,05%
Zitat von sysopInvestoren konzentrieren sich auf Aktien aus Industriestaaten: Mehr als sieben Milliarden Dollar haben Anleger*aus Angst vor konjunktureller Überhitzung*aus China, Brasilien und anderen Boomländern abgezogen. Für Verunsicherung sorgen auch die Unruhen im arabischen Raum. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,743910,00.html
Goldman Sachs beziffert die Schwellenländer mit 14 Billionen Börsenwert. Das wären dann 0,05% in mehreren Monaten. Ein Trend? Na... eher doch Marktbeeinflussung.
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