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Kapitalflucht aus Zypern: Experten melden verdächtige Kontoabhebungen

Wurden kurz vor dem Rettungsbeschluss zyprische Konten leergeräumt? Diesen Verdacht nähren laut "FAZ" deutsche Finanzexperten. Demnach floss in der vergangenen Woche besonders viel Geld aus Zypern ab.

Bankfiliale in Limassol: Geld auf der Flucht Zur Großansicht
AFP

Bankfiliale in Limassol: Geld auf der Flucht

Frankfurt - Das Rettungspaket für Zypern steht, doch für wohlhabende Bankkunden ist das keine gute Nachricht: Vermögen über 100.000 Euro sollen zur Sanierung des maroden Finanzsektors herangezogen werden - und dürften zu einem großen Teil oder gar komplett verloren sein.

Angesichts dieser Aussichten war es für Anleger naheliegend, ihr Geld aus Zypern abzuziehen. Und offenbar ist dies auch geschehen: In der vergangenen Woche sei deutlich mehr Geld aus Zypern abgeflossen als zuvor, berichtet die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) unter Berufung auf deutsche Fachleute für den Zahlungsverkehr.

Vor Zuspitzung der Zypern-Krise wuchsen die Verbindlichkeiten der zyprischen Notenbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) über das Zahlungsverkehrssystem Target laut "FAZ" täglich um rund 100 bis 200 Millionen Euro. Dieser Wert habe sich mehr als verdoppelt, nachdem das zyprische Parlament einen ersten Rettungsplan am Dienstag vergangener Woche abgelehnt hatte. Ein Großteil der reichen Bankkunden in Zypern sind Russen. Nach Vermutung des Bundesnachrichtendienstes war der Inselstaat bislang ein Geldwäscheparadies.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass Zypern eine befürchtete Kapitalflucht höchstens teilweise verhindert hat. Das zyprische Parlament hatte erst am Freitagabend offiziell Kapitalverkehrskontrollen beschlossen. Die Banken des Landes sind jedoch bereits seit mehr als einer Woche geschlossen, die Kunden der beiden größten zyprischen Banken - Bank of Cyprus und Laiki-Bank - dürfen inzwischen nur noch 100 Euro pro Tag abheben. Die Institute sollen am Dienstag erstmals wieder ihre Tore öffnen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Montag, mögliche Kapitalabflüsse würden sehr sorgfältig beobachtet. "In den letzten Tagen hat da nicht so viel stattgefunden." Eine Sprecherin der Europäischen Zentralbank erklärte, in der vergangenen Woche hätten alle Zahlungsströme im Target-System von der zyprischen Zentralbank genehmigt werden müssen. Einige Zahlungen seien erlaubt worden, zum Beispiel für humanitäre Zwecke oder zur Auferhaltung der Energieversorgung. Das Target-System sei aber kein Kanal für Kapitalabflüsse gewesen, da der Abzug von Kontoguthaben derzeit nicht gestattet sei.

Einlagen bei Laiki könnten komplett verloren sein

Die zyprische Regierung hatte sich nach einer teilweise dramatischen Nachtsitzung mit ihren Geldgebern auf einen neuen Rettungsplan geeinigt. Dieser sieht vor, dass die Laiki-Bank geschlossen wird. Die Konten mit Beträgen bis zu 100.000 Euro, die gesetzlich von der Einlagensicherung geschützt sind, werden auf die größte Bank, die Bank of Cyprus, übergehen. Einlagen oberhalb dieser Summe werden eingefroren und in eine Bad Bank übertragen. Insgesamt handelt es sich laut Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem um 4,2 Milliarden Euro. Ob diese vollständig verloren sind, sei noch nicht absehbar, da bei der Abwicklung der Bad Bank noch Erträge anfallen könnten.

Auch die Bank of Cyprus muss drastisch verkleinert werden. Laut jüngsten Berichten wird auf Vermögen über 100.000 Euro ein Abschlag von 30 Prozent fällig. "Ich habe keine formale Ankündigung zum Haircut gehört, aber das ist die Zahl, die ich gehört habe", sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses im zyprischen Parlamen dem irischen Rundfunk.

Laut dem Rettungsplan wird Zypern im Gegenzug mit zehn Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm ESM und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gestützt. Das erste Geld soll im Mai fließen. Als Gegenleistung dafür sind auch harte Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben fällig.

dab/Reuters

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insgesamt 151 Beiträge
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1. Demokraten
Europa! 25.03.2013
Zitat von sysopAFPWurden kurz vor dem Rettungsbeschluss zyprische Konten leergeräumt? Diesen Verdacht nähren laut "FAZ" deutsche Finanzexperten. Demnach floss in der vergangenen Woche besonders viel Geld aus Zypern ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zypern-fachleute-melden-anzeichen-fuer-kapitalflucht-a-890704.html
Mit ihrer "heroischen" Ablehnung des von der eigenen Regierung vorgeschlagenen Rettungsplans haben die zyprischen Parlamentarier ihrem Land und Europa geschadet. Die Kapitalflüchtlinge können sich freuen - und das sind bestimmt keine Armen.
2. Mogeleien ohne Ende
steuerzahler24 25.03.2013
Da wird also doch munter Geld außer Landes gebracht und der deutsche Kleinsparer darf mit seinen ehrlich gezahlten Steuern aushelfen. Sauerei ohne Ende. Warum lässt man die nicht pleite gehen? Deswegen wurden doch die hohen Risikozinsen gezahlt, wegen dem RISIKO!
3. Ob das Geld noch da ist??
optimal61 25.03.2013
Die Russen werden ihre Schäfchen schon nach Moskau oder Singapur geschoren haben. Die Zyprer werden die EU verarschen müssen, das gute Geld ist weg, die miesen sind noch da. Ganz Zypern ist eine Bad Bank! Viel Spaß beim sanieren! Auf der türkischen Seite von Zypern trinken die Tee und lachen sich kaputt über die dummen europäischen Rettungsversuche!
4. Banken zu und trotzdem Geld weg ?
iffel1 25.03.2013
Wie geht das denn ? Dann ist allerdings auch klar, warum die zypriotische Regierung noch eine Woche Zeit rausgeschunden hat, weil sie vermutlich komplett ihre privaten Gelder (bis auf läppische 100.000€) verloren hätten. Sollte man doch mal die Konten der Regierungsmitglieder und deren Familien checken. Vermutlich sind die nun alle leer und deswegen haben sie sich gestern Nacht mit der EU "geeinigt" 1
5. Haben Sie wirklich geglaubt dass einer der mehr als
mischpot 25.03.2013
100 tsd € besitzt einen Cent zur Bankenrettung beisteuert. Das wird nur gemacht um dem Volk was vorzuspielen. Im Endeffekt zahlen die Armen dazu gehören auch die Mittelständler durch Steuern die Zeche für die korrupten Reichen. Besser als Shakespeare
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