Schuldenkrise Vorstände der größten Banken Zyperns gefeuert

Großes Aufräumen bei Zyperns größten Geldhäusern: Die Regierung des Landes hat beschlossen, die Vorstände der Bank of Cyprus sowie der Laiki Bank entlassen. Die Entscheidungen sollen auch auf Druck der internationalen Geldgeber zustande gekommen sein.

Schlange vor Filiale der Bank of Cyprus in Nikosia: Führung durch Sonderverwalter
REUTERS

Schlange vor Filiale der Bank of Cyprus in Nikosia: Führung durch Sonderverwalter


Nikosia - Die Umstrukturierung des Finanzsektors in Zypern scheint personelle Konsequenzen zu haben: Die Geldgeber-Troika und die Regierung des kleinen Krisenstaates haben beschlossen, die Vorstände der beiden großen zyprischen Geldhäuser - Banc of Cyprus und Laiki Bank - zu entlassen, wie die zyprische Zentralbank mitteilte. Von Insidern gestreute Informationen über einen Rücktritt des Chefs der Notenbank, Panikos Demetriades, wurden jedoch offiziell nicht bestätigt.

Mit der Entlassung der Vorstände der beiden Banken solle die Sanierung der Institute erleichtert werden, hieß es. Die Zentralbank hatte zuvor eine Insolvenzverwalterin für die Laiki Bank und einen Verwalter für die Bank of Cyprus eingestellt.

Bereits am Dienstag hatte der Verwaltungsratschef der Bank of Cyprus, Andreas Artemis, seinen Rücktritt erklärt. Allerdings hatte der Aufsichtsrat der größten Bank des Landes den Rücktritt vorerst nicht angenommen. Laut Satzung der Bank erlange ein solcher Rücktritt erst Gültigkeit, wenn er nicht innerhalb von einer Woche zurückgezogen werde, berichtete die zyprische Nachrichtenagentur CNA.

Zudem war bereits an dem Tag bekanntgeworden, dass der zyprische Branchenprimus künftig von einem Sonderverwalter geführt werden soll, um den anstehenden Umbau der Bank sicherzustellen. Laut zyprischen Medienberichten hatte für den Rücktritt von Verwaltungsratschef Artemis unter anderem die Ernennung dieses Sonderverwalters durch die Zentralbank eine Rolle gespielt. Artemis sei zudem nicht damit einverstanden, wie die Guthaben der zweitwichtigsten zyprischen Bank Laiki unter dem Druck internationaler Geldgeber in die Bank of Cyprus zwangsüberführt werden, hieß es.

Troika soll Entlassung gefordert haben

Laut zyprischen Medien soll die Entlassung der Bank-Vorstände vor allem aufgrund des Drucks der internationalen Geldgeber zustande gekommen. So sei es etwa Teil der Vereinbarungen mit der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) gewesen, dass der bisherige Bank-of-Cyprus-Vorstandschef Giannis Kypri seinen Platz räumen müsse, berichtete etwa CNA. Kypri war in seiner Position bislang für das operative Geschäft zuständig.

Auf Zypern bleiben die heimischen Banken noch bis mindestens Donnerstag geschlossen. Im Gegensatz dazu öffneten ihre Filialen in Griechenland am Mittwoch wieder. Das wurde möglich, nachdem die griechische Piräus-Bank die Niederlassungen der drei zyprischen Großbanken Bank of Cyprus, Laiki und Hellenic-Bank übernommen hatte. Laut Piräus-Bank sind die Guthaben bei diesen Filialen gesichert.

Die Umstrukturierung des zyprischen Bankensektors ist eine der Auflagen für ein Milliardenhilfspaket für das Land. Die Euro-Finanzminister hatten in der Nacht zu Montag zugesagt, dem Land mit maximal zehn Milliarden Euro zu helfen.

fdi/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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iffel1 27.03.2013
1. Wo hat die griechische Bank eine halbe Milliarde her ?
Und die zypriotischen Banker reisen jetzt ohnehin ins Ausland, ihrem Geld hinterher, welches sie letzte Woche auf den Weg gebracht haben. Aber interessant wäre es schon zu wissen, woher die Piräus-Bank so viel Kohle hat. Das kann ja eigentlich auch nur aus EU-Darlehn mit Deckung der EU-Steuerzahler bezahlt worden sein. Das wird immer gefährlicher für die EU-Länder !
Promet 27.03.2013
2. Wieviel zig Millionen
Abfindungen versüßen dem Versager und Bauernopfer den Abgang in andere leistungslose Absahnerposten.
prince62 27.03.2013
3. Der Mann wird noch reicher werden.
Zitat von PrometAbfindungen versüßen dem Versager und Bauernopfer den Abgang in andere leistungslose Absahnerposten.
Richtig, richtig, die "Provisionen" derer, denen er das Geld verschoben und gerettet hat kommen ja auch noch dazu.
eberego 27.03.2013
4. Die Troika
ist gleichzeitig Tribunal und Gesamtvollstrecker ohne demokratische Legitimation. Die Verantwortlichen verstecken sich hinter diesem autoritärem EU Monster. So ist weder der EURO noch die EU zu "retten". Es fehlt der Rückhalt in der EU Bevölkerung. Der Zusammenbruch dieser Konstruktion schreitet rasch voran...
temp1 27.03.2013
5. 10 Milliarden ...
10 Milliarden ...das sind 10000€ je Einwohner, wenn ich das richtig rechne, die die EU und der IWF dem Land zur Verfügung stellen. Übertragen auf Deutschland wäre das fast 1 Billion!
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