Panicos Demetriades Zyperns Zentralbankchef tritt zurück

Er wird für Fehler verantwortlich gemacht, die den Inselstaat vor den Staatsbankrott brachten: Zyperns Notenbankchef Demetriades legt sein Amt nieder - offenbar auch wegen eines Streits mit Präsident Anastasiades.

Zyperns Zentralbankchef Demetriades (Archivbild): Rücktritt zum 10. April
AP/dpa

Zyperns Zentralbankchef Demetriades (Archivbild): Rücktritt zum 10. April


Hamburg/Nikosia - Knapp zwei Jahre lang führte Panicos Demetriades die zyprische Notenbank. Jetzt tritt er ab. Zyperns Präsident Nikos Anastasiades habe ein entsprechendes Gesuch angenommen, teilte sein Büro am Montag mit.

Einen Grund für den Schritt von Demetriades, der für Zypern im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sitzt, gab das Präsidialamt nicht an. In mit dem Vorgang vertrauten Kreisen heißt es aber, der Chef von Zyperns Zentralbank (Bank of Cyprus) habe persönliche Gründe für den Schritt angegeben. Demetriades soll in seinem Brief außerdem auf eine schwierige Zusammenarbeit mit anderen Vorstandsmitgliedern des Instituts verwiesen haben. Sein Abgang soll zum 10. April mit Ablauf einer einmonatigen Kündigungsfrist erfolgen. Ein Nachfolger wurde noch nicht ernannt.

Der Rücktritt Demetriades' war allerdings seit langem erwartet worden. Lokale Medien berichteten wiederholt von Uneinigkeiten zwischen Anastasiades und dem Notenbankchef. Mitarbeiter des konservativen Präsidenten hatten Demetriades für Fehler verantwortlich gemacht, die Zypern im vergangenen Jahr vor den Staatsbankrott brachten. Mitarbeiter der Bank hatten ihn sogar als "Verräter" bezeichnet.

Weitere Hilfstranche in Höhe von 150 Millionen Euro

Die EZB nahm die Entscheidung zur Kenntnis und teilte mit, sie hoffe auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem neuen Notenbankgouverneur; zuletzt hatte die EZB die zyprische Regierung wiederholt aufgefordert, sich nicht in ihre Arbeit einzumischen. Zyperns Finanzminister Charis Georgiades wollte seine Kollegen der Euro-Gruppe am Montag über die aktuelle Entwicklung informieren, heißt es aus Kreisen des Finanzministeriums. Sie tagen am Montagabend in Brüssel.

Die Euro-Finanzminister beschlossen während ihres Treffens die Auszahlung einer weiteren Hilfstranche an Zypern in Höhe von 150 Millionen Euro. Das Geld solle Anfang April überwiesen werden, wenn unter anderem auch der Bundestag zugestimmt hat. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird aller Voraussicht nach weitere 86 Millionen Euro an Zypern auszahlen.

Das Parlament in Zypern hatte am vergangenen Dienstag im zweiten Anlauf ein umstrittenes Privatisierungsgesetz angenommen und damit die Voraussetzung für die Auszahlung des Geldes geschaffen. Die Euro-Länder und der IWF hatten für Zypern im März 2013 ein Hilfspaket geschnürt, das Notkredite in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Euro vorsieht.

Der Bankensektor hatte Zypern tief in die Krise gerissen. Nur die Hilfe internationaler Geldgeber bewahrte das Euro-Land im Frühjahr 2013 vor der Pleite. Anleger und Investoren mussten mit einer Zwangsabgabe zur Rettung beitragen. Die Euro-Zone, die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) griffen Zypern mit zehn Milliarden Euro unter die Arme. Die Zyprer selbst müssen 13 Milliarden Euro beisteuern.

bos/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.