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Zwangsabgaben-Pläne: Zyperns Bankkunden sollen bis zu 16 Prozent zahlen

Zyperns neuer Rettungsplan nimmt Gestalt an. Laut griechischen Medien sollen Kontoinhaber mit Vermögen über 100.000 Euro eine Zwangsabgabe von bis zu 16 Prozent zahlen. Zudem könnte zwei Banken die Aufspaltung drohen. Das Parlament berät derzeit die Maßnahmen, auf den Straßen wird demonstriert.

Rettungspläne für Zypern: "Schmerzhafte Maßnahmen" Fotos
DPA

Hamburg/Thessaloniki - Nachdem innerhalb weniger Tage mehrere Rettungspläne für Zypern verworfen wurden, ist das Parlament in Nikosia am Freitagabend erneut zusammengetreten. Die Abgeordneten würden in Kürze "große und schwere Entscheidungen fällen", schrieb Präsident Nikos Anastasiades über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Es wird schmerzhafte Maßnahmen geben, aber wir müssen das Land retten." Vor dem Parlament versammelten sich Demonstranten, Europafahnen wurden verbrannt.

Als sicher gilt, dass die Parlamentarier Kapitalverkehrskontrollen beschließen, um einen plötzlichen Abfluss von Geld aus dem angeschlagenen Inselstaat zu verhindern. Darüber hinaus ist nun offenbar doch eine Zwangsabgabe für Kontoinhaber geplant, welche das Parlament noch am Dienstag abgelehnt hatte. Entgegen den ursprünglichen Plänen wird die Abgabe laut griechischen Medienberichten nur Kontoinhaber mit Vermögen von mehr als 100.000 Euro betreffen. Diese sollten zwischen zehn und 16 Prozent ihrer Einlagen abgeben.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen Vertreter der konservativen Regierungspartei DISY mit der Aussage, man diskutiere mit den internationalen Geldgebern eine Abgabe von mehr als 10 Prozent auf Vermögen über 100.000 Euro. "Wir versuchen die Pensionsfonds der Laiki-Bank zu schützen, die auf mehr als 600 Millionen Euros geschätzt werden", sagte der Politiker. Die Pensionsfonds waren als Finanzierungsquelle für einen Rettungsfonds im Gespräch, den die sogenannte Troika von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds aber bereits abgelehnt haben soll.

Der finnische Premierminister Jyrki Katainen sagte, es sei "fair und richtig", dass die Inhaber großer Vermögen besonders belastet werden. "In einer normalen Marktwirtschaft hat ein Investor immer ein Verlustrisiko."

Die Pläne für die Restrukturierung des zyprischen Bankensektors gehen offenbar weiter als zunächst bekannt. Der Vertreter einer zyprischen Bank sagte SPIEGEL ONLINE, die Troika fordere, dass es am Dienstag nur noch eine größere Bank in Zypern gibt. Dies könnte bedeuten, dass neben der ohnehin geplanten Aufspaltung der Laiki-Bank auch vom größten Institut des Landes, der Bank of Cyprus, eine Bad Bank abgetrennt wird. Die gesunden Teile der beiden Institute könnten dann fusioniert werden. Offenbar soll eine solche Aufspaltung im Gesetzestext vorgesehen werden. Nicht betroffen wäre allein die Hellenic Bank, an der die orthodoxe Kirche von Zypern einen erheblichen Anteil hält.

Die griechische Piraeus-Bank bestätigte mittlerweile, dass sie die griechischen Filialen der Bank of Cyprus und von Laiki übernehme werde. Durch die Übernahme will Griechenland seinen ohnehin angeschlagenen Finanzsektor von möglichen Schocks aus Zypern abschotten. Der griechische Schuldenschnitt war ein entscheidender Grund dafür gewesen, dass Zyperns Banken in die Krise gerieten.

gec/dab

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insgesamt 217 Beiträge
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    Seite 1    
1. warum
j.c78. 22.03.2013
denn nicht gleich so... Ich habe sowieso nicht verstanden warum sich ein ganzes Volk mit solcher Hingabe vor die Konten von reichen Ausländern schmeißt und sogar bereit war seine Renten, Goldreserven und das Vermögen der Kirche für den Vermögenserhalt der eigentlicher Nutznieser dieser Kriese zu riskieren.
2. Exempel
svecu 22.03.2013
Warum schreibt eigentlich bisher kein deutsches Leitmedium, was offensichtlich ist: Es liegt tatsächlich im Interesse der übrigen EU-Staaten, Zypern scheitern und ins Chaos stürzen zu sehen. Nach diesem Horror-Beispiel wird die Spardisziplin der südeuropäischen "Problemstaaten" enorm anziehen. Genau so wird es kommen
3. Schade!
So ist das? 22.03.2013
Zitat von sysopDPAZyperns neuer Rettungsplan nimmt Gestalt an. Laut griechischen Medien sollen Kontoinhaber mit Vermögen über 100.000 Euro eine Zwangsabgabe von bis zu 16 Prozent zahlen. Zudem könnte gleich zwei Banken des Landes die Aufspaltung drohen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zyprische-zwangssteuer-soll-10-bis-16-prozent-betragen-a-890519.html
Wenn es denn so kommen sollte: Das hätte man ja schon letzte Woche haben können! Scheint so, als wolle man sich jetzt doch von seinem Geschäftsmodell verabschieden wollen.
4. bleibt den Sparern immer noch mehr
toshba 22.03.2013
Jahrelang gab es in Zypern viel (!) höhere Zinsen als hier. Wenn dort etwas abgibt haben die immer noch mehr als die Sparer hier. Siehe auch: http://www.krone.at/Oesterreich/Zyprioten_bleibt_mehr_als_den_Austro-Sparern-Abgabe_hin_oder_her-Story-355707
5. Hin und her ohne Ende...
somnalius 22.03.2013
Meine Güte, führt dieses ständige hin und her und vor und zurück irgendwann auch einmal zu einem Ziel? Wie kann man so ein Hickhack nur als "Rettung" bezeichnen??
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