Unternehmer in Not Windhorst meldet Privatinsolvenz an

Dem einstigen Vorzeige-Jungunternehmer Lars Windhorst steht das Wasser bis zum Hals. Er habe Insolvenz über sein Privatvermögen angemeldet, schreibt das Bielefelder "Westfalenblatt".


Lars Windhorst in besseren Tagen: Mit Hollywoodstar Michael Douglas hatte der Jungunternehmer einst eine Filmfirma
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Lars Windhorst in besseren Tagen: Mit Hollywoodstar Michael Douglas hatte der Jungunternehmer einst eine Filmfirma

Bielefeld/Berlin - Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestätigte den Bericht. Windhorst, der aus Rahden in Ostwestfalen stammt und in Berlin lebt, habe 55 Gläubiger angegeben, denen er 63 Millionen Euro schulde.

Windhorst galt zu Schülerzeiten als Wunderkind der Computer- und Finanzdienstleistungsbranche. Bereits als Minderjähriger gründete er seine erste Firma. Das kleine Unternehmen für Computerzubehör aus Fernost im ostwestfälischen Rahden entwickelte sich rasch. Windhorst eröffnete Niederlassungen in Hongkong und London. Im November 1995, auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, begleitete Windhorst den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf einer Vietnam-Reise.

Bald darauf setzte bei Windhorst der Größenwahn ein. Als ihn etwa der französische "Figaro" in einem Porträt zum "deutschen Bill Gates" hochstilisierte, reagierte der Jungdynamiker äußerst verschnupft. Den Vergleich mit dem Microsoft-Gründer lehnte Windhorst beleidigt ab: "Der hatte mit 16 noch keine eigene Firma."

Sein ehrgeizigstes Projekt war der Bau eines Wolkenkratzers in Vietnam. Das Vorhaben platzte jedoch. Für seine drei Firmen musste Windhorst inzwischen Insolvenz anmelden. In einem Fall lehnte das Gericht die Eröffnung des Verfahrens mangels Masse ab.

Gegen Windhorst ermittelt auch die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts. Dabei geht es um ein Darlehen über 20 Millionen Mark, die der Jungunternehmer von dem Hamburger Geschäftsmann Ulrich Marseille erhalten und bis heute nicht zurückgezahlt habe. Vor einigen Monaten sorgte ein Streit der beiden ehemaligen Duzfreunde für Schlagzeilen: Marseille soll Windhorst gewürgt und beleidigt haben.

Der Jungunternehmer ließ sich daraufhin bei einem Arzt untersuchen. Marseille bestritt, dass er Windhorst gewürgt habe. Er räumte aber ein, dass er ihn am Hemdkragen gepackt und seiner Sekretärin zugerufen habe: "Schauen Sie, was für ein kleines Würstchen Ihr Chef ist."



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