Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Untreue-Vorwurf: Staatsanwälte klagen Unternehmer Lars Windhorst an

Von

In den neunziger Jahren galt Lars Windhorst als Wirtschaftswunderknabe, ließ sich an der Seite von Helmut Kohl ablichten - seither ist dem Unternehmer nicht mehr viel geglückt. Jetzt wirft die Staatsanwaltschaft Berlin ihm Untreue und Betrug vor.

Hamburg - Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Anklage gegen den ehemaligen Star der Computerbranche, Lars Windhorst, 32, erhoben. Dem früheren "Wunderkind" und Geschäftsführer mehrerer Firmen wirft die Behörde nun Betrug, Untreue und verschiedene Insolvenzdelikte vor.

Unternehmer Windhorst: Gelder aus Nigeria
DDP

Unternehmer Windhorst: Gelder aus Nigeria

Unter anderem hat Windhorst sich 2001 von dem Unternehmer Ulrich Marseille 20 Millionen Mark geliehen, obwohl er damit gerechnet haben soll, das Geld nicht termingerecht zurückzahlen zu können. Außerdem hätten die Sicherheiten für das Darlehen nicht den angegebenen Wert gehabt.

Windhorst soll damals gegenüber Marseille versichert haben, er erwarte bald zehn Millionen Euro aus dem Vermögen des nigerianischen Diktators Abacha. Die Sicherheit dafür war ein Schreiben der Warburg-Bank in Luxemburg. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb nun auch Anklage gegen den damaligen Warburg-Banker Frank R. erhoben, "der die Kreditbeschaffung mit unrichtigen Angaben gefördert haben soll".

Windhorst, zu dessen Geschäftspartnern einst der US-Schauspieler Michael Douglas gehörte, soll außerdem als Geschäftsführer zweier GmbHs deren Zahlungsunfähigkeit ab 2002 beziehungsweise 2003 nicht beim Insolvenzgericht angezeigt haben. Untreue wirft ihm die Behörde vor, weil er vor der Insolvenz insgesamt fast fünf Millionen Euro vom Firmenkonto auf sein Privatkonto umgeleitet haben soll.

Zudem soll Windhorst mehrere Jahresbilanzen einer seiner GmbHs nicht und eine Jahresbilanz der Aktiengesellschaft zu spät erstellt haben, was ihm nun den Anklagevorwurf der verspäteten Bilanzerstellung einbringt.

"Junge, der an die Zukunft glaubt"

Bekannt wurde Windhorst seit Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) den damals 18-jährigen Jungunternehmer auf eine Reise nach Vietnam mitnahm, ihn als "Junge, der an die Zukunft glaubt", lobte und mit ihm für Fotos posierte. Der später in Ho-Chi-Minh-Stadt geplante 55 Stockwerke hohe Windhorst-Tower wurde allerdings nicht mehr gebaut. An Weihnachten 2007 stürzte Windhorst mit einem Privatflugzeug in Kasachstan ab und überlebte schwer verletzt.

Windhorsts Anwalt Robert Unger erkläte, die Vorwürfe seien nicht berechtigt. Nun werde man aber erst mal die Akten der Anklage lesen. Wann die öffentliche Hauptverhandlung gegen Windhorst vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Berlin beginnt, steht noch nicht fest.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: