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Untreuevorwurf: Ex-WestLB-Chef muss erneut vor Gericht

Freispruch aufgehoben: Ex-WestLB-Chef Jürgen Sengera muss sich erneut wegen eines geplatzten Kredits vor Gericht verantworten, der der Landesbank einen Millionenschaden einbrockte. Der Bundesgerichtshof ordnete an, dass der Prozess neu aufgerollt wird - wegen Fehlern im vorherigen Verfahren.

Karlsruhe - Entscheidungen aus den Jahren 1999 und 2000 lassen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera nicht los. Wegen damals vergebener Firmenkredite muss sich der Ex-Bankmanager nun abermals vor Gericht verantworten. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob am Donnerstag einen Freispruch für Sengera auf. Nun muss das Landgericht Düsseldorf erneut über den Untreuevorwurf gegen den Ex-WestLB-Chef entscheiden.

Jürgen Sengera: Der Ex-WestLB-Chef muss erneut vor Gericht
DPA

Jürgen Sengera: Der Ex-WestLB-Chef muss erneut vor Gericht

In dem Verfahren geht es um riskante Darlehen für den britischen Fernsehverleiher Boxclever. Die WestLB hatte die Fusion der Verleiher Granada und Thorn zum neuen Unternehmen Boxclever mit insgesamt 1,35 Milliarden Euro finanziert. Doch die Firma rutschte in die Insolvenz. Die Boxclever-Pleite richtete bei der Bank einen Schaden von mehr als 400 Millionen Euro an.

Die maßgeblichen Beschlüsse für die Kreditvergabe traf der WestLB-Vorstand im Dezember 1999 und im Frühjahr 2000. Sengera war als einfaches Vorstandsmitglied an den Entscheidungen beteiligt. Im Jahr 2001 stieg der langjährige WestLB-Manager an die Spitze der Landesbank auf. Doch lange hielt er sich dort nicht. 2003 trat er zurück, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte wegen Umgereimtheiten bei der Kreditvergabe Zweifel an der fachlichen Eignung und Zuverlässigkeit der zuständigen Vorstände geäußert. Die WestLB hatte zuvor ein Milliardenminus in ihrer Bilanz ausgewiesen - wegen Pannen im Investmentbanking und eben des Boxclever-Kredits.

Das Landgericht hatte Sengera 2008 vom Vorwurf der Untreue freigesprochen, obwohl es davon ausging, dass er gegen die Pflichten eines "ordentlichen Bankleiters" verstoßen hatte. Sengera habe sich zwar pflichtwidrig verhalten, aber nicht vorsätzlich gehandelt. Daher habe er sich nicht der Untreue schuldig gemacht, hieß es damals. Die Staatsanwaltschaft legte daraufhin Revision ein.

Im Gegensatz zum Landgericht befand der BGH nun, wegen der von den Düsseldorfer Richtern festgestellten erheblichen Pflichtverletzungen Sengeras könne ein Untreuevorsatz noch nachgewiesen werden. Die Karlsruher Richter monierten, der Beweiswürdigung des Landgerichts fehle in Teilen eine tragfähige Grundlage. Das Urteil enthalte mehrere rechtliche Fehler. Nun muss der Prozess in Düsseldorf neu aufgerollt werden.

tko/dpa/AFP

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