Urteil gegen Speditionsmillionär Bittere Entscheidung für Prozesshansl Zapf

Er ist Millionär, eine linke Legende und leidenschaftlicher Kläger gegen Aktiengesellschaften. Jetzt wurde Klaus Zapf sein juristisches Hobby zum Verhängnis: Das Landgericht Frankfurt hat ihn zu Schadensersatz verurteilt.

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Hamburg - Der als notorischer Kläger gegen Aktiengesellschaften aufgefallene frühere Berliner Speditionsunternehmer Klaus Zapf muss zahlen. Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilte ihn wegen "Rechtsmissbrauchs" zu Schadensersatz, ein Sprecher bestätigte heute einen Bericht der "FAZ". Das Verhalten Zapfs sei "sittenwidrig" gewesen, heißt es in der Entscheidung (Aktenzeichen: 3-5 O 177/07). Zapf müsse gegenüber dem Unternehmen Real Estate International Investment AG für alle schon entstandenen und sämtliche künftigen Schäden haften, die daraus folgen, dass durch seine Anfechtungsklage eine geplante Kapitalerhöhung blockiert wurde. Eine Summe nannte das Gericht nicht.

Ex-Spediteur Zapf: "Wenn du Wurst verkaufst, musst du auch aussehen wie die Wurst"
Zapf / Michael 9er

Ex-Spediteur Zapf: "Wenn du Wurst verkaufst, musst du auch aussehen wie die Wurst"

Das Unternehmen konnte in dem Zivilprozess nachweisen, dass durch Zapfs Vorgehen die übrigen Aktionäre geschädigt wurden. Zapf soll als "Preis" für eine Klagerücknahme 3500 Bezugsrechte für sich und vier weitere Opponenten gefordert haben, die bislang zusammen nur 53 Anteile hielten.

Zapf, der Altlinke aus Berlin-Kreuzberg, ein profitorientierter Aktionär?

Bei Klaus Zapf passt auf den ersten Blick so manches nicht zusammen: Der Mann besitzt keinen Führerschein, hat aber eines der erfolgreichsten Umzugsunternehmen Europas aufgebaut. Er sieht aus wie ein alternder Hippie ohne wirtschaftliche Ambitionen, investiert sein Vermögen aber in Finanzbeteiligungen ("Ich war Großsponsor des Neuen Marktes"). Er könnte ein Luxusleben führen, sammelt aber Pfandflaschen, könnte sich eine Villa und teure Klamotten leisten, schläft trotzdem auf einer einfachen Matratze am Boden und trägt Schlabberjeans und alte Pullover oder Möbelpacker-Latzhosen.

Vom Ford-Transit zum Riesen-Umzugsunternehmen

"Wenn du Wurst verkaufst, musst du auch aussehen wie die Wurst", sagte er einmal in einem Interview. "Ich sehe aus wie die Wurst, umzugstechnisch." In diesem Fall hat die Wurst lange, graue Haare, meist zu einem Zopf gebunden, einen zotteligen Bart, der bis zum Bauch reicht, und eine dicke, schwarze Brille. Zapf sieht aus wie jemand, dem man gerne mal einen Euro in die Hand drückt oder einen Pappbecher mit Kaffee.

Dabei ist Klaus Emil Heinrich Zapf, gebürtiger Badener aus dem Städtchen Bad Rappenau, aufgewachsen im ebenfalls badischen Eppingen, mehrfacher Millionär. Vor gut drei Jahrzehnten floh er vor der Bundeswehr nach Berlin-Kreuzberg. Zu diesem Zeitpunkt hatte er das Gymnasium ohne Abitur verlassen. Trotzdem durfte er an der Freien Universität in Berlin Jura studieren; auch das brach er ab.

Hier beginnt die Legende des Umzugsunternehmens: Klaus Zapf soll einen alten Ford-Transporter gekauft, einen Freund als Fahrer engagiert und Umzüge für linke Freunde geregelt haben. Entrümpelungen und Klaviertransporte zählen nach eigenen Angaben zu den ersten Geschäften. Zapf selbst packt mit an, schleppt Möbel und Kisten - und wird Geschäftsmann. Aus dem Kleinstbetrieb erwächst die Zapf Umzüge AG mit heute elf Niederlassungen in Deutschland, rund 20 Millionen Euro Jahresumsatz und mehr als 1000 Mitarbeitern. Zapf nennt sich einen "Rentner", aus der Spedition habe er sich zurückgezogen, sagt er.

Klagefirma mit dem Namen "Der Helfer arbeitet"

Stattdessen betreibt er nun die Firma Pomoschnik Rabotajet GmbH, ein russischer Name, der "Der Helfer arbeitet" bedeutet. Mit dieser Firma geht er diversen Aktiengesellschaften auf die Nerven und überzieht sie mit Klagen, wenn er ein Unrecht zu erkennen meint. Zum Beispiel den Chemiekonzern Altana, der seine Arzneimittelsparte für 4,7 Milliarden Euro verkaufte. Die Summe wurde als Sonderdividende an die Aktionäre ausgeschüttet - die Hälfte davon an die Multimilliardärin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten. Die durfte das Geld größtenteils steuerfrei über eine zwischengeschaltete Kapitalgesellschaft einstreichen, während die Finanzämter von den Kleinaktionären nach dem Halbeinkünfteverfahren 50 Prozent besteuerten. Einen "Oberhammer" nannte Altana-Aktionär Zapf das - und klagte. Das Verfahren läuft.

Auch andere Firmen lernten die Klagewut Zapfs kennen. Viele Aktionäre kennen Zapf von seinen Auftritten auf Hauptversammlungen. Er wolle damit zu "streubesitzfreundlichen Entscheidungen beitragen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Es ist der Ritterzug eines Millionärs für die Kleinaktionäre. Der russische Name seiner Klagefirma, seine Vorliebe für sozialistische Thesen und seine Karl-Marx-Büste im Büro passen dazu. Seiner Meinung nach kann man auch reich und links sein. Er sei eben, im Gegensatz zu Leuten wie Gerhard Schröder oder Joschka Fischer, noch nicht korrumpiert worden.

Zu dem Frankfurter Urteil will Zapf sich nicht äußern, außer dass er Rechtsmittel einlegen werde. "In ein paar Wochen werden wir dann sehen, was Sache ist."



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