Urteil: Telekom muss T-Online-Aktionären mehr zahlen

Auf die Deutsche Telekom kommen Millionenausgaben zu: Das Unternehmen muss den früheren Aktionären der Tochter T-Online 1,15 Euro nachzahlen - für jeden einzelnen der insgesamt 120 Millionen eingesammelten Anteilsscheine. Hinzu kommen noch Zinsen.

Frankfurt am Main - Das Landgericht Frankfurt hat entschieden: Die Deutsche Telekom Chart zeigen muss eine millionenschwere Nachzahlung an frühere Aktionäre ihrer Tochter T-Online leisten. Das Gericht verpflichtete den Konzern am Freitag zu einer Zahlung von 1,15 Euro für jede der 120 Millionen eingesammelten T-Online-Aktien zuzüglich Zinsen. Insgesamt kommen auf die Telekom damit Ausgaben von rund 200 Millionen Euro zu. Gegen den Beschluss kann Beschwerde eingelegt werden.

Die Telekom hatte T-Online im Jahr 2000 an die Börse gebracht, aber schon 2006 gegen den Willen vieler Anleger wieder mit dem Mutterkonzern verschmolzen. Als Mehrheitseigentümerin hatte die Telekom den Aktionären zunächst freiwillig bis zum Februar 2005 pro T-Online-Aktie 8,99 Euro angeboten und später einen Aktientausch durchgesetzt.

Als T-Online wieder von der Börse genommen wurde, erhielten die verbliebenen Anteilseigner für jede T-Online-Aktie nur 0,52 Telekom-Aktien. Dagegen hatten Aktionäre geklagt, die sich übervorteilt fühlten. Nun erzielten sie vor dem Landgericht Frankfurt einen Erfolg. Das Gericht erklärte, den Verantwortlichen der Telekom sei bewusst gewesen, dass der Kurs bei Bekanntgabe des Verschmelzungstermins höher gewesen sei, als der für die Berechnung des Preises zugrundegelegte Kurs.

Insgesamt hatten fast 60 Aktionäre, Aktionärsgruppen und Anlegerschützer geklagt. Trotz des Erfolgs kündigte der Vertreter von mehreren Anlegern, Rechtsanwalt Peter Dreier, Beschwerde gegen die Entscheidung an. Er sagte, der Trend sei gut, das Ergebnis aber zu gering. Ein Telekom-Sprecher erklärte, das Unternehmen wolle das Urteil zunächst prüfen und dann gegebenenfalls Rechtsmittel einlegen.

Die Telekom hatte T-Online 1995 gegründet. Die Tochter stand damals in Konkurrenz zu Anbietern wie Compuserve und AOL und gewann rasch Kunden: Eine Million waren es nach Unternehmensangaben im Februar 1996, fünf Millionen wurden im Jahr 2000 überschritten. 2006, als die kurze Geschichte von T-Online als selbständiges Unternehmen endete, hatte es über 14 Millionen Kunden und war der größte europäische Internet-Provider.

Im Jahr 2000 brachte die Telekom die Tochter T-Online mit einer riesigen Werbekampagne an die Börse: Die Aktie verkaufte sich für 27 Euro so gut, dass die Emission am 17. April 20-fach überzeichnet war. Kurz danach platzte die New-Economy-Blase und die Börsenkurse von Telekom und T-Online stürzten ab.

Seit 2004 hatte sich nach Ansicht der Telekom das Modell eines eigenständigen Internet-Anbieters überholt. Das Management beschloss, T-Online wieder mit dem Mutterkonzern zu verschmelzen. Das Angebot von 13 Telekom-Aktien für 25 T-Online-Aktien erzürnte vor allem Anleger, die einst 27 Euro je Anteilschein gezahlt hatten, entsprach es im Wert doch nur etwa einem Drittel.

wal/AP/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback