Urteil zu Bagatelldelikt Richter kassieren Kündigung wegen 1,8 Cent

Ein neuer Fall eines Bagatelldelikts sorgt für Wirbel: Ein Angestellter lud seinen Elektroroller bei der Arbeit auf, verursachte Stromkosten in Höhe von 1,8 Cent - und wurde deshalb gefeuert. Jetzt hat das Landesarbeitsgericht Hamm die Entlassung aufgehoben.

Landesarbeitsgericht Hamm: 19 Jahre lang nichts angestellt
dpa

Landesarbeitsgericht Hamm: 19 Jahre lang nichts angestellt


Hamm - Starkes Signal für die Rechte von Arbeitnehmern: Nach dem Sieg der Kassiererin "Emmely" hat ein weiteres Gericht eine Kündigung wegen eines Bagatelldelikts gekippt - und auch eine Revision ausgeschlossen.

Konkret ging es um eine Firma aus dem Siegerland, die ihren Mitarbeiter rausgeworfen hatte, nachdem er den Akku seines Elektrorollers im Büro aufgeladen hatte - Kosten: 1,8 Cent. Der 41-jährige Computerfachmann wollte die Kündigung nicht auf sich sitzen lassen und zog vor Gericht.

Das Arbeitsgericht Siegen hatte die Kündigung aus dem vergangenen Jahr bereits im Januar aufgehoben. Auch die Richter in Hamm hielten die Kündigung für unwirksam. Ihre Begründung: Der IT-Experte habe 19 Jahre lang in der Firma gearbeitet und sich in der Zeit nichts zuschulden kommen lassen, hieß es in der Urteilsbegründung.

Richter erinnern an den Fall "Emmely"

Die Richter verwiesen zudem auf den bundesweit bekannten Fall der Berlinerin "Emmely". Zur Erinnerung: Am 10. Juni hatte das Bundesarbeitsgericht die fristlose Kündigung der Kassiererin aufgehoben - und damit ein wegweisendes Signal ausgesandt. "Emmely" war 2008 nach 31 Dienstjahren ohne vorherige Abmahnung entlassen worden, weil sie Leergutbelege im Wert von 1,30 Euro unerlaubt für sich eingelöst haben soll. Ihr Arbeitgeber begründete den Schritt mit einem Vertrauensverlust.

Der Fall "Emmely" hatte seit der Kündigung bundesweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Gewerkschafter und politische Gruppierungen gründeten das Komitee "Solidarität mit Emmely" und riefen zu Protestaktionen und Kaufboykotten auf. Sie vermuteten, dass mit der Maßnahme eine engagierte Gewerkschafterin kaltgestellt werden sollte. Zudem stand im Mittelpunkt der Debatte die Frage, ob eine fristlose Kündigung bei Bagatelldelikten noch verhältnismäßig ist.

"Emmelys" Sieg in letzter Instanz wurde von Arbeitnehmervertretern bejubelt. Heute sitzt sie wieder an der Kasse eines Supermarkts.

Auch der "Stromdieb" aus Siegen muss wieder bei seinem alten Arbeitgeber beschäftigt werden, entschieden die Richter des LAG Hamm.

yes/dpa/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
Bokurano 02.09.2010
1. richtig so
Wieder einmal ein gutes Urteil, da dem Unternehmen kein kritisher Schaden zugefügt wurde. (Mit kritischer Schaden mein ich Schaden der zu Finanzengpässen etc. führen könnte). Ich verstehe viele (bei dem kann ichs net beurteilen) Unternehmen nicht, wieso sie normalen Mitarbeitern wegen Centbeträgen kündigen ohne Entschädigung, aber Managern mit hohen Entschädigungssummen kündigen, obwohl diese das Unternehmen fast in den Ruin getrieben haben.
fatherted98 02.09.2010
2. gut gut...
Zitat von sysopEin neuer Fall eines Bagatelldelikts sorgt für Wirbel: Ein Angestellter lud seinen Elektroroller bei der Arbeit auf, verursachte Stromkosten in Höhe von 1,8 Cent - und wurde deshalb gefeuert. Jetzt hat das Landesarbeitsgericht Hamm die Entlassung aufgehoben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,715346,00.html
...eine Bagatelle...trotzdem glaube ich das immer mehr Leute nicht mehr zwischen Mein und Dein unterscheiden können. Warum nicht einfach den Chef fragen wenn man etwas nehmen möchte obs nun Strom ist oder eine Frikadelle...oder ist das unter der Würde der Betroffenen einmal Bitte oder Danke zu sagen.
spon_leser 02.09.2010
3. Frage
Wieso wird eigentlich der Firmenname verschwiegen?
stanis laus 02.09.2010
4. Wasserspülung
Jetzt fehlt nur noch der Arbeitgeber, der einem Ingenieur fristlos kündigte, weil der die Toilettenspülung betätigte. Statt sich sein Spülwasser in der Gießkanne von zu Hause mitzubringen, wie es der "Chef" angeordnet hatte. Verrückte gibt es überall und immer mehr. Ich hoffe, ich wecke mit dieser Idee keine schlafenden Hunde.:-)
Schleswig 02.09.2010
5. xxx
Zitat von sysopEin neuer Fall eines Bagatelldelikts sorgt für Wirbel: Ein Angestellter lud seinen Elektroroller bei der Arbeit auf, verursachte Stromkosten in Höhe von 1,8 Cent - und wurde deshalb gefeuert. Jetzt hat das Landesarbeitsgericht Hamm die Entlassung aufgehoben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,715346,00.html
Was soll man zu so einer Sch...firma sagen. Es ist wirklich schlimm in Deutschland geworden.
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