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US-Bank in der Bredouille: Wall Street fürchtet Pleite von Lehman Brothers

Der Retter ist abgesprungen: Die milliardenschwerere Kapitalerhöhung für Lehman Brothers ist vorerst gescheitert - ein potentieller Investor aus Südkorea will doch kein Geld geben. Für die US-Investmentbank eine Katastrophe, schon jetzt hat sie große Teile ihres Börsenwerts verloren.

Seoul - Der Lehman-Einstieg der Korean Development Bank (KDB) ist offenbar gescheitert. Ein Sprecher des südkoreanischen Staatsinstituts bestätigte am Mittwoch, man habe die Gespräche mit Lehman beendet. Grund seien Uneinigkeiten über die Konditionen der Transaktion sowie über das Umfeld auf den heimischen und internationalen Finanzmärkten gewesen.

Lehman-Zentrale in New York: Finanzriese in Existenznot
REUTERS

Lehman-Zentrale in New York: Finanzriese in Existenznot

Die KDB widersprach damit Berichten, denen zufolge die Verhandlungen andauern. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte dies zuvor unter Berufung auf einen KDB-Top-Manager gemeldet. Es gehe inzwischen um den Kauf eines Anteils an Lehman von mehr als 25 Prozent, hieß es.

Für Lehman wäre ein geplatzter Deal eine Katastrophe. Die US-Investmentbank steht unter Druck, schnellstmöglich an Geld zu kommen. Seit Beginn der Kreditkrise hat das Institut Abschreibungen und Verluste von über sieben Milliarden Dollar hinnehmen müssen.

An der Wall Street sorgten Befürchtungen, die Kapitalerhöhung könne platzen, bereits gestern für einen dramatischen Absturz der Lehman-Aktie. Der Kurs stürzte um 46 Prozent ab. Damit wurden auf einen Schlag 4,4 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet. Die Papiere sanken auf den tiefsten Stand seit fast zehn Jahren.

Um weiteren Spekulationen entgegenzuwirken, will Lehman am heutigen Mittwoch die Ergebnisse des Ende August abgeschlossenen dritten Geschäftsquartals präsentieren und dabei entscheidende strategische Initiativen vorstellen. Das Institut kündigte gestern an, die Zahlen gegen 7.30 Uhr Ortszeit (13.30 Uhr MESZ) zu veröffentlichen, eine Woche früher als geplant. Analysten rechnen mit einem erneuten massiven Verlust und weiteren hohen Abschreibungen.

Um die Kapitaldecke zu stärken, erwägt Lehman laut "WSJ" auch den Verkauf von vorwiegend britischen Immobilien. Darüber würden derzeit Gespräche mit dem Vermögensverwalter BlackRock geführt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise.

Lehman könnte zudem eine Aufspaltung des Unternehmens bekanntgeben, berichtet die Zeitung weiter. Es gebe demnach Pläne, einige Gewerbeimmobilien in eine neue Firma auszugliedern. Diese werde intern unter der Bezeichnung SpinCo geführt. Der Rest von Lehman Brothers, also ohne die von der Krise betroffenen Vermögenswerte, werde derzeit als CleanCo bezeichnet.

Lehman ist nicht das erste große US-Institut, das durch die Kreditkrise und in Existenznot gerät. Wegen ähnlicher Probleme hatte die fünftgrößte US-Investmentbank Bear Stearns im März unter dem Druck der amerikanischen Notenbank Fed ihrem Zwangsverkauf zustimmen müssen. Insider vermuteten, dass gezielt gestreute Gerüchte die Pleite der Traditionsbank beschleunigten.

Die Angst, Lehmans geplante Kapitalerhöhung könne scheitern, beendete vorerst die mehrwöchige Dollar-Rallye. Nachdem die Euphorie wegen der Verstaatlichung der beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae Chart zeigen und Freddie Mac Chart zeigen der US-Währung noch einen zusätzlichen Schub verliehen hatte, kam am frühen Abend der Absturz. Im asiatischen Handel stand der Euro noch bei 1,4047 Dollar, dem niedrigsten Stand seit Anfang Oktober, gegen 20 Uhr überschritt er wieder die 1,42-Dollar-Marke.

ssu/dpa/Reuters

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