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US-Bankenkrise: Lehman-Pleite erschüttert Deutschlands Märkte

Die Bankenkrise in den USA hat weltweit die Aktienkurse einbrechen lassen. Der Dax pendelt auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren, die EZB pumpt Milliarden in den Markt - und die Bafin schließt die deutsche Lehman-Tochter.

Frankfurt am Main - Eine dramatische Verschärfung der US-Finanzkrise hat am Montag die Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Mit Lehman Brothers beantragte am Morgen die viertgrößte Investmentbank an der Wall Street Gläubigerschutz.

Händler in Frankfurt: Schwarzer Tag für die Börse
DPA

Händler in Frankfurt: Schwarzer Tag für die Börse

Zudem schluckt die Bank of America Chart zeigen die US-Investmentbank Merrill Lynch Chart zeigen. Daneben bat der einst weltgrößte Versicherer American International Group (AIG) Chart zeigen Presseberichten zufolge die US-Notenbank Fed um kurzfristige Finanzhilfen in Milliardenhöhe. "Das US-Finanzsystem hat den Offenbarungseid geleistet", sagte Helaba-Aktienstratege Mirko Pillep. Aktienhändler sprachen von einem "schwarzen Tag für die Börse".

Der Dax Chart zeigen büßte bis zum Nachmittag 3,6 Prozent ein und notierte bei 6007 Zählern. Zuvor war er kurzzeitig erstmals seit Oktober 2006 unter die 6000-Punkte-Marke gerutscht. Fast alle Werte des 30 Unternehmen umfassenden Leitindex waren um diese Zeit in den roten Zahlen, angeführt von Banktiteln. Besonders schwer traf es die Commerzbank Chart zeigen: Die Aktien des Instituts, das erst kürzlich die Dresdner Bank übernommen hatte, fielen zwischenzeitlich um 15,6 Prozent. Deutsche-Bank-Papiere Chart zeigen verloren 8,4 Prozent, die Postbank Chart zeigen notierte 7,3 Prozent schwächer. Auch die Kurse der Versicherer wie Allianz Chart zeigen und Münchener Rück Chart zeigen waren am Montag deutlich im Minus.

Der Stoxx50 Chart zeigen fiel um 4,9 Prozent auf 2719 Punkte. Auch an den US-Börsen sah es kurz vor Handelsstart nach fallenden Kursen aus: Die Futures lagen über drei Prozent im Minus. In London, Zürich, Madrid und Mailand fielen die Aktienindizes um über vier Prozent, und der Pariser Leitindex CAC40 Chart zeigenrauschte um über fünf Prozent in die Tiefe.

Händlern zufolge flüchteten die Investoren aus Finanzwerten und schichteten in den als "sicheren Hafen" geltenden Rentenmarkt um. Die zehnjährigen US-Staatspapiere stiegen um zwei volle Punkte und verzeichneten damit den stärksten Sprung an einem Tag seit 20 Jahren. Auch die zehnjährige Bundesanleihe zog an. Der Euro konnte zeitweise bis auf fast 1,45 Dollar steigen.

Hilfe von Fed und EZB zur Beruhigung der Märkte

Die in Aussicht gestellten Hilfsmaßnahmen der Fed und einiger Geschäftsbanken hellten die Stimmung nicht auf. Die US-Notenbank hatte schon am Sonntag eine Reihe von Initiativen zur Unterstützung der Finanzmärkte angekündigt, darunter die Annahme von Aktien als Gegenleistung für Zentralbankgeld der Banken. Möglicherweise werde die US-Notenbank (Fed) nun auch die Zinsen senken, spekulierten einige Börsianer. Deren Offenmarktausschuss will am Dienstag auf einer regulären Sitzung über die Zinsen entscheiden.

Daneben stellten zehn der weltgrößten Banken einen Notfonds über 70 Milliarden Dollar auf, um das System zu stützen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) pumpte zusätzliches Geld in den Markt, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen.

Panik sei am Aktienmarkt aber nicht zu spüren, sagte ein Börsianer in Frankfurt. Analysten sahen die Entwicklungen in der US-Bankenbranche dennoch kritisch. "Wir halten diese sich extrem verschärfende Kreditkrise für sehr bedrohlich für das globale Finanzsystem", erklärte LBBW-Analyst Martin Peter. Ein solches Zusammentreffen von Liquiditäts- und Kapitalproblemen habe es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben.

Analyst warnt vor Dominoeffekt

Helaba-Analyst Pillep warnte vor einem Dominoeffekt. "Selbst wenn sich die Lage bei Lehman und Merrill jetzt klären sollte, bleiben uns noch Washington Mutual Chart zeigen, die Monoliner (Anleihenversicherer) und die Hedgefonds als künftige Krisenherde erhalten", fasste ein Börsianer die Stimmung zusammen.

Die Finanzaufsicht Bafin schloss die deutsche Tochter von Lehman Brothers. Die Behörde erließ am Montag ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot. Dem Institut drohe die Zahlungsunfähigkeit, nachdem in den USA mehrere Konzernteile Gläubigerschutz beantragt hätten, teilte ein Bafin-Sprecher mit. Dieses Moratorium sei nötig, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern.

Die deutsche Tochter von Lehman hat der Bafin zufolge eine Bilanzsumme von 16,2 Milliarden Euro und Verbindlichkeiten gegenüber institutionellen Kunden von 14,3 Milliarden Euro. Die Einlagen der Kunden seien im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben geschützt.

kaz/AFP/Reuters/dpa

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