US-Börse Dow stemmt sich gegen weltweiten Abwärtstrend

Vorläufige Erleichterung an der Wall Street: Der Dow Jones folgt dem weltweiten Negativtrend zunächst nicht. Auslöser ist eine mögliche staatliche Rettungsaktion für den angeschlagenen Versicherer AIG. Der Dax schloss rund 1,6 Prozent tiefer als am Montag.


Frankfurt am Main/New York/Washington - Zittern an der Wall Street: In den ersten Minuten nach Handelsbeginn büßte der Dow Jones Chart zeigen 175 Punkte ein. Doch dann drehte sich die Stimmung, plötzlich lag der Kurs im Plus, pendelte um die Vortagesmarke - eine gute Entwicklung nach dem desaströsen Vortagesabschluss. Am Montag hatte der Index 504,48 Punkte verloren und mit 4,42 Prozent im Minus geschlossen. Das war der stärkste Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Wall-Street-Händler: Schlechte Nachrichten auch vom Technologiesektor
AP

Wall-Street-Händler: Schlechte Nachrichten auch vom Technologiesektor

Grund für den relative Entspannung sind Gerüchte um eine mögliche Rettungsaktion für den angeschlagenen Versicherer AIG Chart zeigen. Die US-Regierung ist einem CNBC-Bericht zufolge bereit, zur Rettung der Assekuranz staatliche Gelder bereit zu stellen. Bei den Diskussionen lägen Regierungsmittel auf dem Tisch, sagten Wall-Street-Insider dem Fernsehsender am Dienstag. Die Nachricht sorgte an den Börsen für große Erleichterung.

Die Papiere des Versicherungsriesen waren an der Wall Street zuvor um rund 60 Prozent gefallen. AIG war am Montag nach Börsenschluss von den wichtigsten Ratingagenturen gleich um zwei Stufen herabgestuft worden. Der Konzern hatte bereits eine Neuordnung seines Geschäfts angekündigt und sucht dringend eine Finanzspritze in zweistelliger Milliardenhöhe.

In die Schlagzeilen geriet auch das weltgrößte Investmenthaus Goldman Sachs, das einen Gewinneinbruch um 71 Prozent bekanntgeben musste - das schlechteste Quartalsergebnis seit dem Börsengang 1999.

Schlechte Nachrichten kamen auch aus dem Technologiesektor. Der weltweit zweitgrößte PC-Hersteller Dell hat erneut vor einer weltweiten Abschwächung der Nachfrage im IT-Bereich gewarnt. Die Aktie von Dell notierte in New York mit knapp neun Prozent im Minus. Im Sog der Warnung rutschten auch andere Technologiewerte ins Minus.

Der Dow folgt damit dem Trend, den die Börsen weltweit am heutigen Dienstag vorgegeben hatten. Rund um den Globus sackten die Kurse am Dienstag erneut ab. Vor allem Bankaktien mussten Federn lassen. In Deutschland traf es die Commerzbank mit einem Minus von 17,2 Prozent besonders heftig.

Der Dax Chart zeigen rutschte am Nachmittag mit einem Minus von fast drei Prozent auf 5885 Punkte, erholte sich aber, nachdem die Wall Street die ursprünglichen Verluste zum Teil wieder gut gemacht hatte. Mit 5965,17 Punkten schloss er um 1,63 Prozent tiefer als am Vortag - so schwach wie zuletzt im September 2006. Neben der Commerzbank wurden auch andere Finanztitel wie Allianz, die Deutsche Postbank und die HypoRealEstate mit Einbrüchen von zeitweise sieben bis elf Prozent gebeutelt. Auch in Asien rutschten die Kurse: In Japan sank der Nikkei Index um fast fünf Prozent auf 11.610 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren. In Hong Kong gab der Hang Seng 5,4 Prozent ab.

Um die Liquidität der Finanzmärkte zu sichern, pumpten die Zentralbanken weltweit rund 150 Milliarden Dollar in den Kreislauf. allein die Europäische Zentralbank (EZB) stellte weitere 70 Milliarden Euro zur Verfügung, nachdem sie am Montag bereits 30 Milliarden Euro angeboten hatte.

Unterdessen warnten sowohl Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, als auch Bundesbank-Präsident Axel Weber vor Untergangszenarien. Steinbrück sagte im Bundestag, die Regierung halte für 2008 an ihrer Prognose von 1,7 Prozent Wachstum fest. Auch wenn das Wachstum kommendes Jahr schwächer ausfallen dürfte, könne von einer anhaltenden Rezession keine Rede sein. Weber hatte bereits zuvor erklärt, es gebe keinen Grund für Sorgen um den deutschen Bankensektor. Steinbrück forderte dennoch strengere internationale Kontrollmechanismen, um "spekulativer Zügellosigkeit" zu begegnen.

Die US-Notenbank wollte am Dienstag über das Zinsniveau beraten. Wegen der fallenden Kurse galt eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed am Abend als nicht wahrscheinlich, aber möglich.

mik/AP/Reuters/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.