US-Börsen Crash auf Raten geht weiter

Als wäre die Hypothekenkrise nicht schon genug, schocken schlechte Konjunkturdaten die Märkte in den USA. Nach den asiatischen und europäischen Börsen verlor auch der Dow-Jones-Index - und verstärkt die ohnehin pessimistische Stimmung.


New York - Es waren vor allem schlechte Nachrichten vom größten amerikanischen Hypothekenfinanzierer, die die Stimmung drückten: Countrywide Financial Chart zeigen hat sich bei insgesamt 40 Großbanken mehr als elf Milliarden Dollar leihen müssen - und hat damit die Angst vor weiteren Hiobsbotschaften an den Kreditmärkten verstärkt. Der Aktienkurs von Countrywide brach daraufhin um mehr als 15 Prozent ein und lag nur noch bei 18 Dollar - im Januar hatte er noch bei 45 Dollar gelegen.

Händler an der Wall Street: Angst vor weiteren Hiobsbotschaften
AP

Händler an der Wall Street: Angst vor weiteren Hiobsbotschaften

Der Dow Jones Chart zeigen-Index der Standardwerte fiel bis zum Abend um fast zwei Prozent auf 12.606 Punkte - er notierte damit um mehr als zehn Prozent unter seinem Rekordhoch vom Juli. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 1,6 Prozent nach auf 1383 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq Chart zeigen notierte um rund zwei Prozent im Minus bei 2408 Stellen.

Grund für das Fallen der Börse war auch der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia, der weitaus schlechter ausfiel als erwartet. "Das ist ein globales Problem, das betrifft nicht nur die USA", sagte Angel Mata von Stifel Nicolaus Capital Markets in Baltimore. "Die Nachrichten werden einfach immer schlechter, die Tentakeln der Kreditkrise greifen um sich." Auch der Dax Chart zeigen fiel, und zwar um mehr als 2,3 Prozent, nach Einschätzung von Händlern aus Angst vor weiteren Pleiten wegen der US-Hypothekenkrise.

Zahl der Baugenehmigungen sinkt

In den USA war zudem die Zahl der Wohnbaubeginne im Juli auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Die Kennziffer fiel um 6,1 Prozent. Auch die Zahl der Baugenehmigungen, ein Barometer für den zukünftigen Häuserbau, sank im Juli, und zwar um 2,8 Prozent. Es war der tiefste Stand seit elf Jahren. Beide Indikatoren fielen schwächer aus als erwartet.

Auch von US-Regierungsseite wurden Hoffnungen der Anleger auf beruhigende Worte zunichte gemacht. US-Finanzminister Henry Paulson hatte dem "Wall Street Journal" gesagt, er erwarte Wachstumseinbußen durch die Krise an den Kreditmärkten. Die Neubewertung von Risiken am Finanzmarkt sei unvermeidlich. Allerdings seien Wirtschaft und Märkte stark genug, die Verluste zu absorbieren, schränkte Paulson ein.

Countrywide kündigte an, zur Verbesserung der Liquiditätslage die Kreditlinie über 11,5 Milliarden Dollar komplett in Anspruch zu nehmen. Dem kalifornischen Hypothekenfinanzierer drohen drastisch höhere Kosten für die Kreditaufnahme an den Finanzmärkten. "Wir werden noch sehen, dass Firmen, die sich Geld leihen müssen, vor einer Herausforderung stehen", sagte Analyst Owen Fitzpatrick von Deutsche Bank Private Wealth Management in New York. Am Mittwoch hatte die Countrywide-Aktie die höchsten Tagesverluste seit dem Börsencrash 1987 verzeichnet. Auslöser war eine Warnung des Analysten Kenneth Bruce von Merrill Lynch vor einem möglichen Countrywide-Bankrott.

sam/dpa/AP/Reuters



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