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US-Drogen-Lobby: Staat soll mit Cannabis Cash machen

Auf satte 35 Milliarden Dollar wird das Volumen der jährlichen US-Haschisch-Produktion geschätzt. Das ist mehr als der Wert der gesamten Weizenernte. Befürworter der Droge nutzen diese offiziellen Daten jetzt: Sie verweisen auf ungeahnte Besteuerungsmöglichkeiten im Falle der Legalisierung.

Sacramento. - Es sind beeindruckende Zahlen, mit denen Jon Gettman, bekennender US-Marihuana-Anhänger, heute aufwartet: Schätzungen zufolge würden in den USA jedes Jahr rund 10.000 Tonnen Cannabis geerntet, etwa zehnmal so viel wie 1981. Der Gesamtwert des aus diesen Mengen gewonnenen Haschischs und Marihuanas beträgt demnach rund 35 Milliarden Dollar. Damit wird mit der Droge mehr Geld umgesetzt als mit der gesamten US-Weizen- oder Sojabohnenernte.

Joint-Raucher: In den USA wird zehnmal so viel Cannabis geerntet wie noch 1981
DPA

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Ausgerüstet mit solch eindeutigem Zahlenmaterial will Gettman jetzt seinen Kampf für die Legalisierung des Rauschmittels fortsetzen, wie die "Los Angeles Times" berichtet. Besondere Freude bereitet dem Vorkämpfer der Pro-Haschisch-Bewegung dabei, dass das Datenmaterial aus höchst offizieller Quelle stammt - nämlich aus einem Bericht des US-Außenministeriums von 2005.

Trotz der Bemühungen seitens des Staates, den Haschisch-Konsum mit Verboten zu unterbinden, umfasse die jährliche Produktion das Zehnfache der Menge von 1981, argumentiert Gettman. Damals betrug die jährliche Produktion offiziellen Zahlen zufolge gerade einmal 1000 Tonnen. "Das Problem ist nicht nur größer geworden, was Umfang und Produktion angeht - die Produktion hat sich auch noch im ganzen Land verbreitet", schreibt er. "Zu sagen, der Geist ist aus der Flasche, ist noch eine herzliche Untertreibung." Man solle deshalb Marihuana und Haschisch gesetzlich wie Alkohol oder Tabak behandeln - schließlich beständen für den Staat ungeahnte Gewinnmöglichkeiten, da auf das Rauschgift ordentlich Steuern erhoben werden könnten.

Im Büro für nationale Anti-Drogenpolitik des Weißen Hauses will man dieser Logik allerdings nicht folgen. Schließlich sei der Coca-Strauch auch die lukrativste Pflanze in Kolumbien und Mohn, aus dem Opium gewonnen werden kann, die gewinnbringendste in Afghanistan, "und das hat desaströse Auswirkungen", erklärte Sprecher Tom Riley. "Ich weiß nicht, warum wir uns auf diesen Weg wagen sollten."

ase

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