US-Finanzkrise Investoren sollen US-Großbank Wachovia vor Kollaps retten

Das Rettungspaket für Amerikas Banken ist so gut wie fertig - doch in der Branche herrscht weiter Alarmstimmung. Es gilt als sicher, dass weitere Pleiten folgen, als nächstes könnte es Wachovia treffen, das viertgrößte US-Kreditinstitut. Jetzt werden eilige Gespräche mit Investoren geführt.


New York - Der Kongress hat sich in der Nacht auf Sonntag auf Grundlinien für das Bankenrettungsprogramm geeinigt. Die Einigung müsse nur noch schriftlich fixiert werden, sagte Nancy Pelosi, die Führerin der Demokraten im Repräsentantenhaus. Doch immer noch herrscht eine lähmende Angst an der Wall Street: Welcher Bank droht als nächstes der Kollaps?

Servicestation von Wachovia: Verkaufsgespräche in "frühem Stadium"
REUTERS

Servicestation von Wachovia: Verkaufsgespräche in "frühem Stadium"

Experten rechnen auch dann mit weiteren Bankenpleiten in den USA, trotz des staatliche Rettungspakets. Neue Zusammenbrüche unter den insgesamt rund 8400 US-Banken seien wahrscheinlich, sagte erst vor kurzem auch die Chefin der staatlichen Einlagensicherung FDIC, Sheila Bair.

Am häufigsten wird in diesem Zusammenhang seit dem vergangenen Freitag Wachovia Chart zeigen genannt. Das zu den führenden US-Großbanken zählende Institut steht nach Milliardenverlusten sowie einem Absturz an der Börse unter Zugzwang und spricht offenbar mit mehreren möglichen Käufern. Zu den Interessenten zählten die US-Konzerne Citigroup Chart zeigen und Wells Fargo sowie die spanische Banco Santander Chart zeigen, berichteten die "New York Times" und das "Wall Street Journal" am Wochenende übereinstimmend.

Der Kurs der Wachovia-Aktie stürzte am Freitag an der Börse heftig ab und verlor mehr als 27 Prozent auf nur noch zehn Dollar. Nach Börsenschluss ging die Talfahrt weiter. Seit Jahresbeginn büßte die viertgrößte US-Bank rund 75 Prozent ihres Börsenwerts ein.

Wachovias Verkaufsgespräche seien noch in einem "frühen Stadium", hieß es in den Zeitungen. Experten halten nach dem Beispiel des Zusammenbruchs von WaMu inzwischen auch für möglich, dass Interessenten Wachovia zunächst bewusst ins Aus stürzen lassen, um sich anschließend Teile der Bank zu einem Schnäppchenpreis zu sichern. Fusionsgespräche zwischen Wachovia und der bis vor kurzem reinen Investmentbank Morgan Stanley Chart zeigen waren laut Berichten erst zur Wochenmitte gescheitert.

Allein im zweiten Quartal hatte Wachovia wegen enormer Abschreibungen ein Rekordminus von mehr als neun Milliarden Dollar eingefahren. Die Bank streicht derzeit etwa zehn Prozent ihrer zuletzt rund 120.000 Stellen. Zur Jahresmitte hatte sie wegen der Probleme ihren Chef ausgewechselt.

Die bisher größte US-Sparkasse Washington Mutual Chart zeigen (WaMu) war zum Ende der Woche zusammengebrochen. Die Behörden verkauften sie zum Großteil an den US-Finanzkonzern JP Morgan Chase. Wie zahlreiche andere Banken hatte WaMu durch die Kreditkrise Milliardenverluste erlitten und war zuletzt durch einen massiven Kurssturz an der Börse in einen lebensbedrohlichen Abwärtssog geraten.

Die staatliche US-Einlagensicherung für die Branche FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) zählte Ende Juni 117 gefährdete Banken. Ein Quartal zuvor waren es erst 90. Außer WaMu brach in diesem Jahr schon ein Dutzend US-Banken zusammen. Zuletzt war sogar über Probleme des Einlagensicherungsfonds selbst spekuliert worden. Ende Juni hatte die FDIC noch rund 45 Milliarden Dollar in der Kasse.

mik/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.