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US-Geldhaus: Goldman-Banker verkauften nach Staatshilfe massenhaft eigene Aktien

Washington half den Banken, die Banker nutzten die Gelegenheit und machten Kasse: Manager des Geldhauses Goldman Sachs haben nach Auszahlung der Hilfsmilliarden für die US-Finanzindustrie massiv eigene Aktien auf den Markt geworfen. Der Gesamterlös: rund 700 Millionen Dollar.

Hamburg - Vor wenigen Monaten noch drohte ihnen eine Katastrophe, doch schon jetzt hoffen Investmentbanker wieder auf satte Gewinne. Am Dienstagnachmittag präsentiert Goldman Sachs Chart zeigen Geschäftszahlen für das zweite Quartal - und aller Voraussicht nach wird das Bankhaus wieder glänzende Geschäfte vermelden.

Broker in New York: Millionen für Manager trotz Staatshilfen Zur Großansicht
REUTERS

Broker in New York: Millionen für Manager trotz Staatshilfen

Doch pünktlich zum Berichtstermin stehen die New Yorker Banker wieder am Pranger: Nach Informationen der "Financial Times" (FT) haben Goldman-Führungskräfte rund 700 Millionen Dollar mit Aktienverkäufen verdient, während die Bank kurz zuvor nur dank Staatshilfen vor dem Zusammenbruch gerettet wurde. Das gehe aus Mitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC hervor, schreibt die Zeitung.

Die Aktiendeals könnten Folgen haben. Nach Auffassung der "FT" würden die ungewöhnlichen Verkaufsaktivitäten zu Unmut bei US-Regierung und Kongressabgeordneten führen.

Dem Bericht zufolge geht es um Verkäufe von Goldman-Aktien nach dem Zusammenbruch des Konkurrenten Lehman Brothers Chart zeigen im September des vergangenen Jahres. Damals habe die Bank von rund zehn Milliarden Dollar Staatshilfe profitiert. Gleichzeitig verkauften Goldman-Manager nach Informationen der "FT" Aktien im großen Stil. In einer vergleichbaren Periode von September 2007 bis April 2008 war das Verkaufsvolumen dagegen wesentlich geringer: Nach Angaben der Zeitung veräußerten Führungskräfte damals lediglich Aktien im Wert von 438 Millionen Dollar. Dabei habe der Aktienkurs weit höher gelegen.

Das Finanzinstitut lehnte eine Stellungnahme zu den Verkäufen ab. Ein Sprecher habe lediglich darauf hingewiesen, es sei üblich, dass führende Mitarbeiter von Goldman zum Teil mit Aktien entlohnt würden. Sie würden die Anteile verkaufen, um ihre Anlagen breiter zu streuen und Risiken zu mindern.

In den vergangenen Wochen hatte es außerdem immer wieder Gerüchte über hohe Bonuszahlungen der Bank gegeben - die von Goldman Sachs allerdings energisch dementiert wurden. Die Zahlungen sind in der Finanzbranche inzwischen umstritten. Der G-20-Gipfel im April hatte eine Beschränkung der Millionenanreize beschlossen. Schwindelerregende Ausschüttungen gelten als einer der Gründe dafür, dass Banker in den vergangenen Jahren extrem riskante Geschäfte tätigten - und so die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise auslösten.

Dennoch sind die Finanzkonzerne offenbar zu keiner Kurskorrektur bereit. Die Banken wollen sich Beschränkungen entledigen, die mit der Annahme der Gelder aus dem Bankenrettungsfonds TARP einhergehen - etwa die Begrenzung bei der Zahlung von Managerboni.

Um den staatlichen Kontrollen und strikteren Auflagen zu entgehen, hat die US-Geldindustrie bereits im Juni gewährte Staatshilfen in großem Umfang zurückgezahlt. Allein die Bank JP Morgan Chase Chart zeigen erstattete nach eigenen Angaben 25 Milliarden Dollar zurück. Morgan Stanley Chart zeigen und Goldman Sachs überwiesen jeweils zehn Milliarden Dollar, US Bancorp 6,6 Milliarden, American Express Chart zeigen 3,39 Milliarden und die BB&T Corporation 3,1 Milliarden Dollar.

beb/Dow Jones

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1.
jinky, 08.07.2009
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
2.
Pinarello, 08.07.2009
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
3.
schensu 08.07.2009
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Schelm-77 08.07.2009
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
5.
THM, 08.07.2009
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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