US-Immobilienkrise Hypothekenstrudel erfasst Besserverdiener

Nie gerieten sie in Verzug, nie hatten sie Probleme mit der Rückzahlung - doch nun erreicht die Immobilienkrise auch die Besserverdiener in den USA. Zu lange vertrauten sie dem Immobilienboom. Vielen droht jetzt bei steigenden Zinsen und fallenden Häuserpreisen die Pleite.


Hamburg - Don Doyle verdient jährlich einen sechsstelligen Dollarbetrag, er ist Computeringenieur bei Lockheed Martin Chart zeigen - und er steht stellvertretend für die sich ausbreitende Kreditkrise. 1995 kaufte er im Norden Kaliforniens ein Haus für 275.000 Dollar. Immer wieder habe er es mit einer Hypothek belastet, etwa um Reparaturen zu bezahlen, oder die Kreditkarte auszugleichen. Nie habe Doyle Probleme mit der Rückzahlung gehabt, nie sei er in Verzug geraten. Bis jetzt.

Haus zu verkaufen: Immobilienbesitzer nehmen Hypotheken auf, um ihren Kindern das College zu ermöglichen
AFP

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Wie die "New York Times" berichtet, belasteten die Doyles ihr Haus zuletzt vor vier Jahren, um der Tochter den College-Besuch zu finanzieren. Doch dann gerieten die Gutverdiener in die Zwickmühle aus steigenden Zinsen und fallenden Immobilienpreisen. Mittlerweile fürchtet Don Doyle die Pleite. Der 52-Jährige kann die Zinsen auf seine Hypothek nicht mehr tilgen und muss mittlerweile seine letzten Reserven angreifen. Ein Hausverkauf komme für ihn aber nicht in Frage - schließlich würde er kaum mehr als die Hypothek von 740.000 Dollar bekommen.

"Ich bin gefangen", sagt Doyle der "New York Times". "Es wird schwer, das alles zu refinanzieren." Dennoch bereue er nichts: "Mein Ziel war klar: Ich wollte meiner Tochter durchs College helfen." Jetzt droht ihm der Bankrott.

Menschen wie Doyle aus dem wohlhabenden Mittelstand vertrauten allzu lange auf den Immobilienboom. Sie nutzten ihre Häuser wie Geldautomaten, nahmen immer höhere Kredite auf, wobei die Banken als Sicherheit den ständig steigenden Immobilienwert akzeptierten. In Gebieten, die zuletzt eine Hoch-Zeit erlebten, sind die Probleme besonders groß: in Kalifornien und Florida zum Beispiel, oder in Las Vegas.

Immobilienpreise fallen ins Bodenlose

Im Norden der glitzernden Spielermetropole lebt Brenda Harris. Sie arbeitet als Angestellte bei einer Kasinogesellschaft und verdient gutes Geld. Vor zwei Jahren kaufte sie sich laut "New York Times" für 392.000 Dollar am Rosa-Flamingo-Platz ein Haus mit drei Schlafzimmern. Seitdem fielen die Immobilienpreise ins Bodenlose, und die Häuser in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft verloren 20 bis 30 Prozent an Wert. Jetzt würden ähnliche Domizile wie ihres für 314.000 Dollar angeboten, erzählt Harris. Kürzlich sei sogar ein noch größeres Haus ins Internet gestellt worden - für 310.000 Dollar.

"Ich liege mit meinen Zahlungen nicht in Rückstand", beteuert Harris. Zumindest noch nicht. Denn die Angestellte schloss eine Hypothek mit flexiblen Raten ab, ein Darlehen, das Kreditnehmern erlaubt, auch einmal weniger zu zahlen als vereinbart. Doch die ausstehenden Zinsen werden auf den Hauptbetrag angerechnet - was letztlich wieder höhere Zahlungen nach sich zieht.

Trotzdem will Harris ihr Haus behalten. Gezwungenermaßen, denn würde sie es vor dem Mai 2009 verkaufen, müsste sie eine Strafe von rund 40.000 Dollar zahlen - so lauten die Bedingungen, unter denen sie bei Countrywide Financial Chart zeigenihren Kredit seinerzeit abschloss. 

Ihr Makler habe sie dazu gedrängt, sagt Harris. Und sie habe sich nicht weiter um die Konsequenzen gekümmert, da sie bereits mitten im Umzug steckte.

Lockende Kreditangebote

Laut "New York Times" gehen Kreditberater davon aus, dass es vielen Eigentürmern wie Harris erging. Makler hätten sie umworben und gelockt, unsichere Kredite abzuschließen. Andere wiederum hätten Warnungen in den Wind geschlagen, weil auch sie Anteil am Häuserboom haben wollten. Laut Moody's Economy.com waren Ende 2007 rund 5,7 Prozent der Eigenheimkredite gekündigt oder in Verzug; im Jahr zuvor waren es 4,5 Prozent.

"Die Verluste am Häusermarkt betreffen über kurz oder lang alle Kreditnehmer", sagt der Chef-Ökonom von Moody's Economy.com, Mark Zandi. Selbst Menschen wie Harry Macklowe. Der US-Milliardär ist weit davon entfernt, ein Schuldner zu sein - könnte man zumindest meinen. Mitte der sechziger Jahre gründete er ein Immobilienimperium, zu dem laut "Welt" im September rund 111 Hektar Bürofläche und 900 Wohnungen gehörten. Sein Vermögen beträgt Schätzungen des US-Magazins "Forbes" zufolge rund zwei Milliarden Dollar.

Ende letzter Woche wurde Medienberichten zufolge ein Kredit der Deutschen Bank Chart zeigenüber 5,8 Milliarden Dollar fällig - und Macklowe habe keine Möglichkeit gefunden, die Summe zu refinanzieren. Insidern zufolge hat der US-Investor mittlerweile eine Mahnung erhalten.

Das Geld soll Macklowe Anfang 2007 in sieben New Yorker Bürogebäude gesteckt haben, wohl in der Hoffnung, die Kaufsumme von sieben Milliarden Dollar über steigende Mieten wieder reinholen zu können. Offenbar eine Fehlkalkulation.

sil



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