US-Investor: Nordbank-Deal wühlt Bankenszene auf

Nach monatelangem Bieterwettstreit hat die WestLB beschlossen, ihre Beteiligung an der HSH Nordbank an einen US-Investor zu verkaufen. Die Transaktion könnte einen tief greifenden Wandel in der deutschen Bankenlandschaft einleiten.

Düsseldorf/Hamburg - Die WestLB hat den US-Investor J.C. Flowers und dessen Partner als Käufer für ihre knapp 27-prozentige Beteiligung an der Nordbank ausgewählt. Der vereinbarte Kaufpreis beträgt der WestLB zufolge 1,25 Milliarden Euro. Erstmals soll damit ein großer Anteil an einer Landesbank an internationale Investoren gehen. J.C. Flowers ist eine Private-Equity-Gruppe aus New York, die bereits Beteiligungen in der deutschen Versicherungsbranche erworben hat.

Der Vollzug des Kaufvertrages steht allerdings noch unter Vorbehalt. So haben die Miteigentümer der HSH Nordbank ein Vorkaufsrecht. Auch ist noch die Zustimmung des Aufsichtsrates der WestLB nötig, hieß es in einer Mitteilung.

HSH Nordbank: "Attraktiver Abschluss"

HSH Nordbank: "Attraktiver Abschluss"

WestLB-Chef Thomas Fischer erklärte: "Mit der erfolgreichen Veräußerung unserer Beteiligung öffnen sich der WestLB neue Möglichkeiten zu weiterem organischem Wachstum in strategisch wichtigen Märkten. Mit dem von J.C. Flowers beratenen Erwerberkreis sind Investoren gefunden worden, die nach unserer Einschätzung die strategischen Vorstellungen der Miteigentümer und des Managements der HSH Nordbank in hohem Maße teilen. Unsere Entscheidung für diese Investoren ist nach sorgfältiger Abwägung aller wesentlichen Kriterien gefallen. Wir haben einen attraktiven Abschluss."

Die WestLB hält über 24,1 Prozent des Kapitals der HSH und knapp 26,6 Prozent der Stimmrechtsanteile. Die anderen Eigentümer der HSH sind das Land Hamburg, Schleswig-Holstein und der dortige Sparkassenverband. Ihr Vorkaufsrecht kann zu gleichen Konditionen wie jetzt vertraglich vereinbart ausgeübt werden.

Ursprünglich hatte die WestLB die HSH-Minderheitsbeteiligung erworben, um die Landesbank mit Sitz in Hamburg und Kiel zu übernehmen. Die WestLB konnte sich mit diesem Vorhaben aber nicht durchsetzen und entschied sich deshalb, die Anteile zu verkaufen. In Branchenkreisen wird damit gerechnet, dass die WestLB einen Buchgewinn im niedrigen dreistelligen Millionenbereich erzielt.

Gewinn gesteigert

Die HSH Nordbank hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr um fast zwei Drittel gesteigert und die angepeilte Rendite für 2006 bereits erreicht. Unter dem Strich seien von Januar bis Juni mit gut 250 Millionen Euro 61 Prozent mehr als im Vorjahr verdient worden, teilte die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein ebenfalls am Mittwoch mit. Operativ verzeichnete die Bank ein Ergebnisplus von etwa einem Fünftel auf 700 Millionen Euro.

Die Eigenkapitalrendite - zentrale Kennziffer für die Ertragskraft von Banken - stieg im Halbjahr auf 15 Prozent vor Steuern, nachdem es im Vorjahreszeitraum nur 14,2 Prozent waren.

Die Marke von 15 Prozent streben auch andere Landesbanken nach dem Wegfall der staatlichen Haftungsgarantien an, um sich weiter zu guten Konditionen am Kapitalmarkt Geld beschaffen zu können.

itz/mm.de/Reuters/dpa

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