US-Kreditkrise Merrill Lynch muss weitere Milliarden abschreiben

Merrill Lynch kommt nicht aus den Negativschlagzeilen: Einem Zeitungsbericht zufolge muss das New Yorker Bankhaus erneut mehrere Milliarden Dollar abschreiben. Damit würden sich die Verluste durch Subprime-Kredite auf mehr als 30 Milliarden Dollar summieren.


Tokio - Es wäre die längste Durststrecke in der 94-jährigen Geschichte des Geldinstituts: Merrill Lynch muss nach Informationen des "Wall Street Journal" bei der Vorlage ihres Quartalsberichts in dieser Woche weitere Abschreibungen in Höhe von sechs bis acht Milliarden Dollar bekanntgeben. Die Belastungen würden zum dritten Quartalsverlust in Folge bei dem Geldhaus führen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise.

Merrill Lynch-Büros in New York: Bohrende Fragen an die Verantwortlichen
DPA

Merrill Lynch-Büros in New York: Bohrende Fragen an die Verantwortlichen

Um die Krise in den Griff zu bekommen, seien umfangreiche Maßnahmen zur Kostendämpfung geplant, berichtet die Zeitung weiter. In den krisengeschüttelten Bereichen seien Stellenstreichungen von zehn bis 15 Prozent vorgesehen. Merrill Lynch Chart zeigen legt ihre Bilanz voraussichtlich am kommenden Donnerstag vor.

Unterdessen mehren sich die kritischen Fragen, warum nicht nur bei Merrill Lynch die Verluste in der Weise ausufern konnten und warum die Verantwortlichen erst so spät auf den sich abzeichnenden Kollaps der Immobilienmärkte reagiert haben. Darunter ist auch die US-Börsenaufsicht SEC, die derzeit untersucht, ob die Anleger womöglich zu spät informiert worden sind.

Den Erkenntnissen zufolge profitierte Merrill Lynch zunächst vom boomenden Immobiliengeschäft durch die Ausgabe gut abgesicherter Derivate. Im Jahr 2006, als die Papiere zunehmend riskanter wurden, unternahmen die Verantwortlichen allerdings nichts, um das Risiko für die Bank zu begrenzen. Auch als 2007 die ersten Anzeichen der Krise sichtbar wurden, trat niemand auf die Bremse.

mit/Reuters/dpa-AFX



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