US-Präsidentschaftswahl Obama bricht eigenen Spendenrekord

Es sind schwindelerregende Zahlen: Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Obama hat im September 150 Millionen Dollar an Spendengeldern eingesammelt - und einen weiteren prominenten Unterstützer gewonnen: Colin Powell, früher Außenminister im Kabinett Bush.


Washington - Mit solchen Zahlen haben die Experten nicht gerechnet. Noch am Samstag hatte die "New York Times" von einem angeblichen Rekord von 100 Millionen Dollar im September berichtet. Doch der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama verblüffte sie alle: Er habe allein im September mehr als 150 Millionen Dollar an Spendengeldern eingesammelt, ließ er am Sonntag mitteilen. Damit übertraf er seinen eigenen Rekord aus dem August mit 66 Millionen Dollar um mehr als das Doppelte.

Kandidat Obama: "Ein großartiger Anblick. Da kann ich nur sagen: Wow!"
REUTERS

Kandidat Obama: "Ein großartiger Anblick. Da kann ich nur sagen: Wow!"

Allein im September hätten 632.000 Menschen erstmals für Obamas Wahlkampf gespendet, insgesamt waren es damit 3,1 Millionen Unterstützer, teilte Wahlkampfleiter David Plouffe weiter mit. Die durchschnittliche Spendensumme habe dabei unter 100 Dollar gelegen. Gleichzeitig konnte Obama aber auch einige Großspender für sich gewinnen, so brachten etwa verschiedenen Hollywood-Spendengalas allein neun Millionen Dollar ein. Für Obama traten unter anderem Barbra Streisand, Bruce Springsteen und Billy Joel auf.

Mit dem neuen Rekord übertrifft Obama auch den bisherigen obersten Spendensammler George W. Bush. Der noch amtierende US-Präsident hatte für seine Wahlkampagne vor vier Jahren 188 Millionen Dollar ausgegeben. Einschließlich September hat Obama insgesamt 605 Millionen Dollar eingesammelt. Vor allem aber liegt Obama mit seinen exorbitanten Spendensummen weit vor seinem republikanischen Herausforderer John McCain. Dieser hatte sich im Gegensatz zu Obama auf die staatliche Wahlkampfunterstützung verlassen - die die Ausgaben bei 84 Millionen Dollar deckelt.

Auf die enorme Höhe der Spendengelder sei auch die jüngste Wahlspot-Kampagne zurückzuführen, die das Obama-Team derzeit fahre, schrieb die "New York Times" am Samstag. Obama spiele seinen republikanischen Gegenkandidaten John McCain mit seinen rund um die Uhr auf allen Kanälen gezeigten Werbespots derzeit an die Wand. Auf einen Werbespot von McCain kämen derzeit mindestens vier Spots von Obama. "Der Unterschied ist in einigen der umkämpftesten Bundesstaaten sogar noch größer."

Tatsächlich hat Obama gut zwei Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl seinen Wahlkampf in den Hochburgen der Republikaner intensiviert. Der Senator aus Illinois absolvierte am Samstag Auftritte in Missouri, zu denen insgesamt 175.000 Menschen erschienen, und wollte anschließend weiter nach North Carolina und Florida reisen. Obama ermahnte seine Anhänger, angesichts der Umfragen nicht von einem sicheren Wahlsieg auszugehen, sondern bis zum Schluss zu kämpfen.

Obama zeigte sich überwältigt, als zu seinem Auftritt in St. Louis mindestens 100.000 Menschen erschienen. "Was für ein großartiger Anblick. Da kann ich nur sagen: Wow!", sagte der 47-Jährige zu den Schaulustigen. In Kansas City strömten am Samstagabend mehr als 75.000 Menschen zu einer Veranstaltung des Demokraten. So viele Menschen wie in St. Louis waren in den USA noch nie zu einem Auftritt Obamas erschienen. In Berlin hatte der Senator im Juli 200.000 Menschen angelockt.

Das alles bringt McCain in die Offensive - und er greift deshalb zu allen Mitteln: Mit aggressiver Telefonwerbung versucht der 72-Jährige derzeit, in mehreren "Swing States" an Boden zu gewinnen, in denen die Menschen sich immer wieder neu zwischen den Parteien entscheiden. In den Spots erwähnte der 72-jährige Republikaner erneut Obamas Verbindungen zu dem früheren Linksextremisten William Ayers. Außerdem bemühte sich McCains Vize-Kandidatin Sarah Palin am Samstagabend mit einem Auftritt in der Comedy-Show "Saturday Night Life", ihre humorvolle Seite herauszustellen.

Einen weiteren Rückschlag erlitt der Republikaner durch die Ankündigung des früheren US-Außenministers Colin Powell, der bei seinem Auftritt in der NBC-Sendung "Meet the Press" am Sonntag eine Wahlempfehlung für Obama abgab. Die Linken in den USA stehen dem Republikaner ablehnend gegenüber, weil er sich für den US-Einmarsch im Irak stark gemacht hatte. Dass der frühere Generalstabschef und ehemalige Bush-Mitstreiter den demokratischen Bewerber unterstützt, ist jedoch ein besonders schwerer Schlag für McCain.

sam/AFP/Reuters



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