Mindestlohn für alle Angestellten US-Firmenchef verzichtet auf Millionengehalt

Dan Price hat in seinem Unternehmen einen Mindestlohn eingeführt: Künftig bekommt jeder Angestellte 70.000 Dollar im Jahr. Sein eigenes Gehalt senkte der 30-Jährige ebenfalls erheblich.

Mitarbeiter bei Gravity Payments: Künftig Mindestlohn von 70.000 Dollar
AP

Mitarbeiter bei Gravity Payments: Künftig Mindestlohn von 70.000 Dollar


Ein junger US-Firmenchef hat angekündigt, sein eigenes Gehalt drastisch zu reduzieren, um seinen Angestellten eine Lohnerhöhung zu ermöglichen. Der 30-jährige Chef des Bezahldienstes Gravity Payments, Dan Price, hatte seinen 120 Angestellten unter donnerndem Applaus angekündigt, einen jährlichen Mindestlohn von 70.000 Dollar (66.200 Euro) einzuführen.

Der langhaarige Jungunternehmer erklärte, dass die Löhne über die kommenden drei Jahre schrittweise angehoben würden. Um dies zu finanzieren, wolle er selbst sein Gehalt drastisch reduzieren.

Price kündigte an, seine eigene Bezahlung von einer Million auf 70.000 Dollar zu senken. Sein Gehalt sei "wirklich sehr hoch gewesen", weshalb er es auf den künftigen Mindestlohn senken wolle, bis der Firmengewinn das Niveau wie vor der aktuellen Gehaltsanpassung erreicht habe, sagte Price. Der Firmenchef stammt aus einer ländlichen Gegend im US-Bundesstaat Idaho, fährt einen alten Audi und lebt in einer Dreizimmerwohnung.

US-weite Demonstrationen für höheren Mindestlohn

In den USA wird verstärkt über die enormen Einkommensunterschiede diskutiert. Am Mittwoch haben Tausende Menschen in mehr als 230 US-Städten für die Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Dollar pro Stunde demonstriert. Allein in New York sollen bis zu 15.000 Demonstranten eine bessere Bezahlung gefordert haben.

An der Kundgebung in New York beteiligten sich insbesondere Mitarbeiter von Schnellrestaurants, aber auch Flughafenangestellte und Personal aus den Bereichen Gesundheit und Kinderbetreuung. Aus Solidarität schlossen sich Studenten und Aktivisten an. "Kämpft für 15 Dollar", stand auf Transparenten zu lesen.

Die US-Regierung sieht einen Mindestlohn von 7,25 Dollar vor, viele Bundesstaaten haben aber eigene Mindestlöhne. In New York liegt er derzeit bei 8,75 Dollar pro Stunde, nächstes Jahr soll er auf neun Dollar steigen. In San Francisco und Seattle wurde der Mindestlohn bereits auf 15 Dollar angehoben.

nck/AFP

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insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
umbhaki 16.04.2015
1. Sachen gibts …
Dass es auch in Unternehmerkreisen vereinzelt Leute gibt, die ein bisschen mitdenken, ist ja nicht zu bestreiten. Stellt sich die Frage, wie lange der Mann noch leben wird. Er handelt schließlich systembedrohend.
Pixopax 16.04.2015
2.
Macht der Laden denn Gewinn? Oder ist das wieder so ein tolles Startup, dass kein Gewinn machen muss und dem trotzdem Millionen in den allerwertesten geblasen werden, wie bei Twitter z.B.?
brdistmist 16.04.2015
3. VorbildCharakter
Nicht nur der tolle Mindestlohn sonder auch das Handeln von Mr. Price sollte dem im Geldgier kaum noch zu unterbietenden Deutschen Unternehmergeist (Arbeit nicht mehr Wertzuschätzen und das Humane Kapital -wir sind ja keine Menschen - Auszubeuten) mal zeigen das es auch anders gehen kann. Es wäre vieles Umsetzbar, jedoch will die Wirtschaft und Politik keine richtige Vermögensumverteilung, die wissen genau wer wenig hat ist fügig, und muss aufgrund der starken Anhänigkeit und ohne Politischen Rückhalt alles alternativlos hinnehmen.
Dramaturg 16.04.2015
4. Wenn das weltweit Schule machen würde
...dann wäre man auf dem richtigen Weg. Respekt vor so viel Konsequenz gegen sich selbst!
husumm223 16.04.2015
5. Respekt
Für mich eine der positivsten Nachrichten des Tages. Es erscheint zwar nur zeitweilig und es ist nicht ganz neu das auch Chefss in Krisenzeiten die Gürtel enger schnallen, doch gebührt jedem freiwilligen Abstand zu dem Gehaltsirrsinn in den oberen Etagen tiefsten Respekt. Ein Traum wäre mal ein Übertrag in die Politik.
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