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USA: Arbeiter auf Droge gefährden Öl-Förderung

Erst brachte der Hurrikan "Katrina", dann Wirbelsturm "Rita" die amerikanischen Öl-Industrie zeitweilig nahezu zum Erliegen. Jetzt droht der Branche neues Ungemach. Laut einem Pressebericht beeinträchtigt der Drogenkonsum der Fördercrews die Produktion.

US-Bohrinsel: Bedröhnt am Bohrer
AP

US-Bohrinsel: Bedröhnt am Bohrer

London - Der Missbrauch der synthetischen Droge Methamphetamin auf den Förderanlagen bereitet der amerikanischen Ölindustrie zusehends Personalprobleme, berichtet die "Financial Times" (FT) unter Berufung auf Branchenkenner. Ganze Fördermannschaften seien gefeuert worden, weil sie das Rauschmittel produziert und eingenommen hätten, sagte der Personalexperte Ron Walsmith vom Mid-Continent Oil & Gas Training Center der Zeitung.

Besonders betroffen sind laut "FT" Standorte in Texas, Colorado, Louisiana und Oklahoma. In einigen Förderstationen seien regelrechte Drogenlaboratorien entdeckt worden. Demnach hätten die Öl-Arbeiter dort leicht Zugang zu Chemikalien gehabt, die sie dann für die Methamphetamin-Herstellung genutzt hätten.

Beobachter warnen sogar vor Folgen für die Ölpreisentwicklung. Demnach hätten die Förderunternehmen zusehends Schwierigkeiten, Personal zu rekrutieren. "Wenn ein Drittel der Arbeiter in den Rocky Mountains Probleme mit Drogen hat, wird es schwer eine Mannschaft zu finden, die nicht high ist", sagte Ben Dell, Ölanalyst bei Sanford Bernstein. Neue Bohrprojekte würden sich so verzögern, was sich auf den Preis auswirken könnte.

"Personal in der Ölindustrie ist generell ein Problem. Qualifizierte Mitarbeiter zu finden ist schwierig", sagte Sandra Ebner, Ölexpertin bei der Deka-Bank, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Allzu große Folgen für den Preis durch den Drogenskandal sieht Ebner indes nicht: "Ich würde das nicht überbewerten."

Die Öl-Unternehmen haben dennoch Gegenmaßnahmen eingeleitet. Manager sammeln an den Förderstellen nun Urinproben ein und testen diese auf Drogenspuren. Weil die Kontrolleure aber beispielsweise in Oklahoma die Probanden beim Test nicht beobachten dürfen, hat sich dort ein Schwarzmarkt für saubere Urinproben entwickelt.

Branchenkenner sehen zudem ein Sicherheitsproblem. Methamphetamine seien gefährlich für die Ölarbeiter, weil die Droge die Wahrnehmung verändere, warnt Personalexperte Walsmith. Wenn Leute glaubten sie seien unverwundbar, während sie mit hundert Tonnen Stahl und Drücken von Explosionsstärke arbeiten, könne das tödliche Folgen haben.

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