Verdacht gegen Banken: USA prüfen Manipulationen am Goldmarkt

Von Katy Burne, Matt Day und Tatyana Shumsky, Wall Street Journal Deutschland

Goldbarren: Zweifel an der Preissetzung Zur Großansicht
REUTERS

Goldbarren: Zweifel an der Preissetzung

Neuer Manipulationverdacht gegen weltweit agierende Großbanken: Die US-Regulierungsbehörde CFTC untersucht, ob die Institute nicht nur Zinssätze, sondern auch die Preise von Gold und Silber untereinander abgesprochen haben. Der Finanzbranche droht ein weiterer Skandal.

Nach den mutmaßlichen Manipulation bei maßgeblichen Zinssätzen untersuchen US-Regulierer nun auch mögliches Fehlverhalten bei der Goldpreisfindung. Das berichten Personen, die mit der Situation vertraut sind. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) überprüfe die Preissetzung in London, wo sich eine Hand voll Banken zweimal täglich trifft und den Spot-Preis für eine Unze physischen Goldes festlegt.

Die CFTC schaue sich genau an, ob die Preisfindung am Goldmarkt - und am kleineren Silbermarkt - transparent sei. Eine formale Untersuchung sei aber noch nicht eingeleitet worden, berichten die Insider.

Die Untersuchung ist eine Folge des Skandals um manipulierte Zinssätze, in den zahlreiche Banken verwickelt sind. Nachdem dieser entdeckt wurde, haben die Regulierer auch die Prüfung anderer globaler Finanzmarkt-Richtgrößen ausgeweitet. In der Affäre um mögliche Manipulationen von richtungsweisenden Zinssätzen wie Libor und Euribor haben sich bisher drei Großbanken zu Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar bereit erklärt. Gegen mehr als ein Dutzend weiterer Finanzhäuser wird ermittelt, darunter auch gegen die Deutsche Bank.

Ähnlich wie die Zinssätze wird auch der tägliche Goldpreis von einer Gruppe von Banken festgelegt. Er beeinflusst weltweit die Schmuckpreise und bestimmt darüber, wie viel Bergbauunternehmen mit dem Verkauf des Rohstoffs an weiter verarbeitende Fabriken verdienen.

Deutsche Bank spielt eine wichtige Rolle

Außerdem bestimmt der Goldpreis den Wert von Derivaten. Allein amerikanische Geschäftsbanken hatten Ende September 2012 Edelmetallkontrakte im Wert von 198 Milliarden Dollar ausstehen, wie Daten des Office of the Comptroller of the Currency zeigen, einer unabhängigen Aufsichtsbehörde innerhalb des US-Finanzministeriums.

Am Fixing des Goldpreises in London sind fünf Banken beteiligt: Barclays, Deutsche Bank, HSBC, Bank of Nova Scotia und Société Générale. Die Silberpreise legen Bank of Nova Scotia, Deutsche Bank und HSBC fest.

Sprecher von Barclays, HSBC und Deutscher Bank wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Bei den anderen beiden Banken war zunächst niemand für einen Kommentar zu erreichen. Ein Sprecher der CFTC beantwortete eine Anfrage nicht.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Die Untersuchung der CFTC ist das jüngste Anzeichen dafür, wie der einst eher unbedeutende Regulierungsapparat im Nachgang der Finanzkrise stärker gegen die Banken vorgeht. Die Behörde, die seit 2009 von dem Ex-Goldman-Sachs-Banker Gary Gensler geleitet wird, hat in den weltweiten Ermittlungen im Zinsskandal eine bedeutende Rolle gespielt.

Gensler fordert, den Libor und andere zentrale Richtgrößen des Finanzmarktes so zu reformieren, dass sie auf realen Handelsgeschäften und nicht auf Schätzungen der Banken beruhen. Er ist Co-Chef einer Task Force internationaler Regulierer, die diese Richtwerte prüfen. Die Gruppe will in diesem Frühjahr neue Richtlinien vorlegen.

CFTC: "Man muss an anderen Größen zweifeln"

"Die Vorstellung, dass die Manipulation oder die versuchte Manipulation [von Zinssätzen] so verbreitet ist, sollte uns alle an der Richtigkeit anderer Schlüsselgrößen zweifeln lassen", sagte der CFTC-Bevollmächtigte Bart Clinton am 26. Februar bei einer Diskussionsrunde über Finanzrichtwerte in Washington. "Was ist mit Energie, Swaps, dem Gold- und Silberfixing in London und was mit der ganzen Litanei an 'bors'", fragte er mit Blick auf Libor, Euribor und andere Schlüsselgrößen.

Beim Libor sollen Händler Daten manipuliert haben, die sie regelmäßig an die British Bankers Association übermittelt haben, um so profitable Handelsgeschäfte zu machen. Barclays, die Royal Bank of Scotland und die UBS haben sich mit den Behörden bereits geeinigt. Mehr als 1,2 Milliarden Dollar ihrer Strafen gehen an die CFTC.

Im Jahr 2008 war die CFTC erstmals Beschwerden über mögliches Fehlverhalten auf dem Silbermarkt nachgegangen. Einige Investoren hatten zuvor behauptet, dass ein rasanter Kursverfall im Sommer des Jahres auf Marktmanipulationen zurückzuführen gewesen sei. Die CFTC hat bis heute keine Ergebnisse dieser Untersuchung veröffentlicht, aber auch nicht bestätigt, dass das Verfahren beendet worden ist.

Ein Händler spricht von "Verschwörungstheorien"

Über die Anfälligkeit des Londoner Preisfixings für mögliche Manipulationen wird am Gold- und Silbermarkt schon lange spekuliert. "Diejenigen, die sich mit Verschwörungstheorien beschäftigen, hatten das immer im Kopf", sagte Kurt Pfafflin, ein leitender Metallhändler bei Daniels Trading in Chicago. Er glaubt nicht, dass die Spot-Preise manipuliert wurden.

Das Londoner Fixing gibt es für Silber seit 1897 und für Gold seit 1919. Es läuft heutzutage über Videokonferenzen. Um 10.30 und 15 Uhr telefonieren sich die Banken zusammen, um den Goldpreis festzulegen. Der Silberpreis wird einmal täglich am Mittag festgesetzt.

Während die fünf Banken das Fixing bei einer Telefonkonferenz erledigen, werden die Gold-Futures an den entsprechenden Märkten in London und New York weitergehandelt. Auch in dem Augenblick, in dem der Preis festgesetzt wird, gibt es keine Handelsaussetzung.

Das Fixing erfolge "sehr stark auf Basis von Angebot und Nachfrage, bis man auf einen Preis kommt. Es ist komplett transparent. Es ist nicht annähernd wie der Libor", sagte ein Sprecher der London Bullion Market Association, die die Standards für den Gold- und den Silberhandel in London festlegt. An der Preissetzung ist sie nicht beteiligt.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Gut so!
wadenzwicker 14.03.2013
So ists recht. Schaut nur den Zockern mal richtig auf die Finger. Man würde sich wünschen, dass auch die europäischen Finanzmarktaufseher mal derart von sich reden machen. Tote Hose! Aber wen wundert? Die sitzen ja mit im Boot!
2. Wer's glaubt wird seelig
DerScheinTrügt 14.03.2013
---Zitat--- Das Fixing erfolge "sehr stark auf Basis von Angebot und Nachfrage, bis man auf einen Preis kommt. Es ist komplett transparent. Es ist nicht annähernd wie der Libor", sagte ein Sprecher der London Bullion Market Association, die die Standards für den Gold- und den Silberhandel in London festlegt. ---Zitatende--- Wenn das so wäre, dann müßte der Preis ja wohl nicht unter fünf Großbanken ausgeklüngelt werden, er könnte einfach aus dem laufenden Handel ermittelt werden. Die Erwähnung der 2-3 Milliarden an Strafen für die Li(e)bormanipulation - gegenüber von Hunderten von Milliarden an Gewinn (wahrscheinlich sogar Billionen) - zeigt doch hervorragend die "regulator capture", die Befangenheit der "Wächter". Fehlt bloß noch, daß sich die Banken die Strafen gegenseitig auszahlen. Ja, und der CFTC-Mann heißt Bart CHILTON, nicht Clinton.
3.
_muskote 14.03.2013
Ich kann mir nicht vorstellen, dieser Branche jemals wieder mit Vertrauen zu begegnen.
4.
kuac 14.03.2013
Zitat von sysopNeuer Manipulationverdacht gegen weltweit agierende Großbanken: Die US-Regulierungsbehörde CFTC untersucht, ob die Institute nicht nur Zinssätze, sondern auch die Preise von Gold und Silber untereinander abgesprochen haben. Der Finanzbranche droht ein weiterer Skandal. USA prüft Goldpreis auf Manipulationen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/usa-prueft-goldpreis-auf-manipulationen-a-888846.html)
Es sieht so aus, dass hier eine Umkehr der Beweislast stattfinden muss. Alle Banken sind verdächtig, es sei denn sie können das Gegenteil beweisen. Wann werden solche Betrüge aufhören?
5. Interessant
pewehh 14.03.2013
Ich hatte nicht gewußt und ehrlich auch nicht für möglich gehalten, dass der Handelswert von Edelmetallen, die täglich für zig Miliarden den Besitzer wechseln, tatsächlich nur von vier, bzw. fünf Banken festgelegt wird. Also auch von denen, die damit Geld verdienen. Das klingt doch nach einem Stück aus dem Tollhaus oder vielleicht auch nur nach alltäglichem Wahnsinn. Törichterweise bin ich davon ausgegangen, dass es hier so etwas wie eine weltweite Börse gäbe, auf der, wie sonst auch, Angebot und Nachfrage den Kurs bestimmen. Natürlich gibt es auch dabei immer Platz für Manipulation, aber wohl nicht so leicht, denn die anderen Marktteilnehmer passen sicher höllisch auf. Irre!
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Wer Goldaktienfonds kauft, erwirbt Anteile an Goldminen. Aber nicht jede Mine ist eine Goldgrube. So schwanken die Kurse von Goldminenaktien noch stärker als der Goldpreis. Entsprechend hoch bewerten Experten die Chance-Risiko-Klasse von Goldaktienfonds.

Im Jahr 2009 machten manche Goldfonds rund 50 Prozent Verlust. Der Grund: Die Aktien der Minengesellschaften können sich dem allgemeinen Börsentrend nicht entziehen. Geht es an der Börse abwärts, fallen auch diese Aktien - selbst wenn der Goldpreis steigt.

Ein weiterer Nachteil: Das gute Gefühl, einen realen Wertgegenstand in der Hand zu halten, fällt bei Zertifikaten, Fonds und Aktien weg. Und das Beispiel Lehman Brothers hat gezeigt: Sollte die Bank, die die Zertifikate ausgegeben hat, pleite gehen, ist das Papier wertlos.

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