Vatikan Clemens Börsig wird Gottes-Banker

Aus der vatikanischen Skandal-Bank IOR soll eine Art kirchliche Sparkasse werden: klein, aber sauber. Die erste Etappe ist geschafft, der deutsche Chef geht. Dafür zieht nun ein prominenter Ex-Manager der Deutschen Bank in den Verwaltungsrat ein.

Von , Rom

Eingang der Vatikan-Bank: Western Union für den Klerus
DPA/IOR

Eingang der Vatikan-Bank: Western Union für den Klerus


500 Nonnen waren kürzlich mittendrin. Im IOR, dem "Istituto per le Opere di Religione", dem "Institut für religiöse Werke", wie die geheimnisvolle und skandalumwitterte Vatikan-Bank offiziell heißt. Früher bekam kaum ein Außenstehender je Zutritt zu den verschwiegenen Räumlichkeiten, in denen die Banker der katholischen Weltkirche mit Millionen jonglierten. Jetzt durften Ordensschwestern aus aller Welt schauen und alles fragen, was sie wollten.

"Das", sagt ein IOR-Mitarbeiter, "ist unsere Zukunft". Niemand könne schneller und kostengünstiger Geld in die entlegensten Winkel der Erde transferieren, ob in die Slums von Bogotá oder in die Wildnis von Neu-Guinea. Überall dorthin, wo es katholische Einrichtungen gibt. Die Vatikan-Bank soll also zu einer Art Western Union für den Klerus werden.

Im Umkehrschluss heißt das: kein Big Business mehr, ob mit schmutzigem oder sauberem Geld. Die berühmt-berüchtigte Kirchenbank, die sich mehr mit Geldwäsche für die Mafia einen Namen gemacht hat als mit frommen Werken, wird umgebaut. So hat es der Papst befohlen. Das passt nicht allen im Kirchenreich. Aber die erste Etappe ist geschafft, verkündet das IOR heute.

Teurer Einstieg ins Filmgeschäft

"Wir haben alle Konten gecheckt", bilanzierte IOR-Präsident Ernst von Freyberg voller Stolz im Interview mit Radio Vatikan. Danach wurden von knapp 19.000 Konten in den vergangenen 18 Monaten über 3000 geschlossen. Weitere seien noch in Abwicklung. Zwei Drittel davon seien "schlafende Konten" gewesen, mit kleinen Beträgen, die seit Jahren nicht bewegt worden seien. Der Rest sei zwar auch überwiegend sauber gewesen, aber bei einem Teil habe man die Behörden eingeschaltet. Um wie viele Konten und welche Summen es dabei geht, verschweigt man freilich lieber - trotz aller Transparenz-Verheißungen.

Der Mann, der den Sparkurs abgesteckt hat, wird da freilich nicht mehr dabei sein. Der deutsche Millionär mit Adelsprädikat - Ernst Conrad Rudolf Freiherr von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen, Erbe der Hamburger Reederei Blohm + Voss - mag nicht mehr oder soll nicht mehr. Vermutlich gilt beides: Er soll nicht mehr, und er mag nicht mehr.

Als der Schwabe den Job antrat - "um der Kirche zu helfen", wie der Ritter des Malteserordens sagte -, war seine Arbeitslast auf zwei, maximal drei Tage in der Woche konzipiert. Tatsächlich war er viel häufiger gefordert, sagt ein IOR-Mitarbeiter, "zu Lasten seines Privatlebens". Der 55-jährige Freyberg hat 2011 geheiratet, ist im Verlauf seines Vatikan-Engagements Vater geworden und hat keine Lust mehr aufs Pendeln zwischen Rom und seinem Schloss Almendingen.

Weggemobbt habe man ihn, sagen andere. "Der Deutsche", sagt ein ranghoher Vatikan-Bediensteter, sei im Kirchenreich "wirklich nicht everybody's darling". Nun wird der Sanierer ausgewechselt. Vielleicht kommen die Purpurträger ja mit dem Nachfolger besser zurecht. Der französische Geschäftsmann Jean-Baptiste de Franssu löst Freyberg als Präsident ab. Der 51-jährige Franssu übernimmt den Posten mit sofortiger Wirkung, wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte.

Ein gewisser deutscher Einfluss bei der Vatikan-Bank bleibt gleichwohl gewahrt: Neues Mitglied des sechsköpfigen Verwaltungsrats des Geldhauses wird Clemens Börsig. Er war bis 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank.

Papst aus den Reserven bedient

So ganz besenrein übernehmen Franssu und Börsig die Bank allerdings nicht. Ein paar satte Missgriffe hält der Vatikan nämlich bislang im Halbdunkel. Er bilanziert die Verluste und verzichtet auf genauere Untersuchungen. Denn meist sind ranghohe Kirchenmänner im Spiel gewesen. Etwa beim Deal mit der Filmfirma Lux Vide. Die hat für das italienische Staatsfernsehen RAI viele Streifen gedreht, in denen es meist um religiöse Themen ging. RAI-Chef Ettore Bernabei war befreundet mit dem langjährigen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Seit Längerem war er offenbar knapp bei Kasse, als er im Januar 2013 Bertone um Hilfe bat.

Es war kurz vor dem Rücktritt des längst kraftlosen Papst Benedikt, das IOR hatte keinen Präsidenten, und Bertone herrschte in der Bank wie im gesamten Vatikan - nach Belieben. Also wurde das IOR für 15 Millionen Euro Eigentümer von 17 Prozent von Lux Vide. "Alles regelgerecht und von den Organen des Vatikan gebilligt", sagt Bertone noch heute über das Geschäft.

Dumm nur, dass wenig später bei der Durchforstung der Bank schnell klar wurde, dass die 17 Prozent von Lux Vide nicht viel wert waren. Das Geschäftsergebnis wurde als Verlust in der Bankbilanz verbucht.

Bilanzbereinigungen, Konten- und Kundenabbau, dazu teure US-Buchprüfer, deutsche Kommunikationsexperten für den Umgang mit der Außenwelt - das alles hat viel Geld gekostet. Die aktuellen Geschäftszahlen, die die Vatikanbank gestern präsentierte, zeigen einen Gewinn, der von über 86 Millionen Euro im Jahr 2012 auf knapp drei Millionen im vorigen Jahr zusammenschrumpfte. "Wenn man eine Reform beginnt, dann kostet die auch", sagt Bankchef Freyberg dazu. Gleichwohl ging der Papst nicht leer aus. Aus dem Eigenkapital und aus Reserven überwies das IOR auch im vergangenen Jahr 54 Millionen Euro an den Haushalt des Heiligen Stuhls. Dieses Jahr soll es wieder besser laufen, doch der Kehraus ist noch nicht zu Ende. Und manche Überraschung könnte da noch lauern.

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daslästermaul 09.07.2014
1. Warum nur zweite Wahl ??!
Zitat von sysopDPA/IORAus der vatikanischen Skandal-Bank IOR soll eine Art kirchliche Sparkasse werden: klein, aber sauber. Die erste Etappe ist geschafft, der deutsche Chef geht. Dafür zieht nun ein prominenter Ex-Manager der Deutschen Bank in den Verwaltungsrat ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/vatikanbank-kirche-will-bank-radikal-umbauen-boersig-kommt-a-980097.html
Börsig hat sich in seiner Zeit als AR-Chef der Deutschen Bank alles andere als mit Ruhm bekleckert ..... .
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