Venezuela: Chavez kündigt Billighandy an und verstaatlicht Reisfabrik

Venezuelas Präsident Chavez gibt den Macher: Der Linkspopulist kündigte jetzt an, sein Land werde eines der billigsten Handys der Welt bauen - für umgerechnet elf Euro das Stück. Außerdem setzt er seinen Verstaatlichungskurs fort. Eine US-Reisfabrik wurde vom Staat übernommen.

Caracas - Venezuelas Staatschef Hugo Chavez hat ambitionierte Pläne mit der Wirtschaft seines Landes - unter anderem in der Telekommunikationsbranche: Seine Regierung will ein Billighandy auf den Markt bringen. Das im Rahmen der Technologie- und Finanzzusammenarbeit mit China entwickelte Mobiltelefon solle umgerechnet gut elf Euro kosten, kündigte der venezolanische Staatschef Hugo Chavez am Donnerstag an.

Präsident Chavez: Billighandy in Kooperation mit China
REUTERS

Präsident Chavez: Billighandy in Kooperation mit China

Gebaut wird das Handy, das im Mai auf den Markt kommen soll, von der Firma Vetelca, die zu 85 Prozent der Regierung und zu 15 Prozent dem chinesischen Unternehmen ZTE gehört. Trotz des niedrigen Preises soll das Telefon nicht nur telefonieren und SMS versenden können, sondern auch über ein Radio, einen MP3-Musikspieler und eine Kamera verfügen. Jährlich will Venezuela vier Millionen Geräte des Modells produzieren. Sie sollen in Lateinamerika und der Karibik vertrieben werden.

Aber auch in der Lebensmittelbranche plant Chavez tiefgreifende Veränderungen - er setzt seinen Verstaatlichungskurs mit der Übernahme einer Tochterfirma des US-Lebensmittelriesen Cargill fort. Der wegen sinkender Öleinnahmen unter Druck stehende Linkspopulist ordnete die Beschlagnahmung einer Reisfabrik an. Er warf Cargill vor, sich durch eine spezielle Produktionsweise den staatlichen Preiskontrollen zu entziehen. "Bereitet den Erlass vor. Wir werden Cargill enteignen", sagte Chavez.

Cargill, eines der größten US-Unternehmen in Privatbesitz, betreibt in Venezuela 22 Standorte mit insgesamt rund 2000 Angestellten. Die betroffene Fabrik produziert den mit einem besonderen Verfahren hergestellten Parboiled-Reis. Ein Sprecher des Konzerns erklärte, das Unternehmen respektiere die Entscheidung von Chavez. Zugleich forderte er die venezolanische Regierung aber zu Gesprächen auf.

Landwirtschaftsminister Elias Jaua versicherte, die anderen Niederlassungen von Cargill würden nicht übernommen. Vor einigen Tagen hatte Chavez bereits die Kontrolle mehrerer Reisfabriken der Firma Polar übernommen. Das größte Privatunternehmen des lateinamerikanischen Landes will gerichtlich dagegen vorgehen. Chavez drohte daher ebenfalls mit Enteignung. "Wenn sie einen Spaß mit uns treiben wollen, werden wir sie enteignen und mit Anleihen bezahlen", sagte Chavez. Der Staatschef beschuldigt Polar überhöhter Reispreise und dass sich das Unternehmen nicht an die Vorgaben der Regierung halte.

Chavez hat in der Vergangenheit bereits Firmen aus den Branchen Energie, Telekommunikation, Stahl und Zement in die Hand des Staats überführt. Dank sprudelnder Einnahmen aus den Ölexporten konnte er die Eigentümer zu einem angemessenen Preis herauskaufen. Doch mittlerweile hat sich Öl dramatisch verbilligt, was den finanziellen Spielraum von Chavez erheblich einschränkt. Die angekündigte Verstaatlichung der venezolanischen Tochter der spanischen Bank Santander verschiebt sich laut Branchen- und Regierungskreisen auf mindestens das kommende Jahr.

Vor knapp drei Wochen hatte Chavez seine Macht weiter gefestigt: Die Venezolaner räumten ihm in einem Referendum die Möglichkeit ein, über 2013 hinaus den Opec-Staat zu führen. Dazu müsste er jedoch auch die Wahl 2012 gewinnen.

kaz/AFP/Reuters

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