Verbindung in die USA Russland baut den längsten Tunnel der Welt

Von Sibirien bis nach Alaska per Zug oder Auto - nach dem Willen der russischen Regierung soll das in spätestens 15 Jahren möglich sein. Moskau plant den Bau eines neuen Tunnels mit Rekordlänge. Den Regierungen von Kanada und USA will Russland das Milliardenprojekt kommende Woche vorstellen.


Hamburg - Auf rund 65 Milliarden Dollar veranschlagt die russische Regierung das Projekt mit dem Namen TKM-World Link. Dahinter verbirgt sich ein rund 6000 Kilometer langer Transportweg von Sibirien in die USA - mit Schienen- und Straßenspur sowie diverser Pipelines und Kabel. Um das zu ermöglichen, soll ein knapp 104 Kilometer langer Tunnel gebaut werden, der allein bis zu 15 Milliarden Dollar der Gesamtkosten ausmacht.

Beringstraße in Alaska: 104 Kilometer langer Tunnel für Züge, Autos und Leitungen
AP

Beringstraße in Alaska: 104 Kilometer langer Tunnel für Züge, Autos und Leitungen

Das russische Wirtschaftsministerium teilte heute laut Nachrichtenagentur Bloomberg mit, dass es bis zur Vollendung des Projektes zwischen 10 und 15 Jahre dauern werde. Russland werde den Bau mit Kanada und den USA koordinieren, die gesamte Strecke würde in Kooperation von privaten Firmen und staatlichen Stellen gebaut und betrieben. Geplant sei neben einer Autobahn eine Spur für Hochgeschwindigkeitszüge. Nach russischen Angaben zählen unter anderen die russische Bahngesellschaft sowie der Pipeline-Betreiber Transneft zu den Investoren. Den Informationen zufolge sollen Russland und die USA jeweils 25 Prozent halten.

"Dies ist ein Wirtschaftsprojekt, kein politisches", erklärte heute Maxim Bystrow, Vizepräsident der russischen Agentur für Sonderwirtschaftszonen. Russische Vertreter wollen das Projekt in der kommenden Woche offiziell der kanadischen und US-Seite vorstellen.

"Das ist ein Monsterprojekt"

Mit seinen über 100 Kilometern Länge wird der Tunnel durch die Beringstraße mehr als doppelt so lang wie der Kanaltunnel zwischen Frankreich und Großbritannien. "Das ist ein Monsterprojekt", sagte Jewgenij Nadorschin, Chefökonom der Trust Investment Bank in Moskau.

Japan, China und Südkorea haben bereits Interesse an dem Projekt gezeigt. Nach Angaben des russischen Wirtschaftsministeriums haben japanische Firmen angeboten, den Tunnelschacht für 60 Millionen Dollar pro Kilometer zu graben. Das sei der halbe Preis, den Moskau angesetzt habe.

Pläne für einen Tunnel durch die Beringstraße, die zwischen Russland und Alaska liegt, gab es bereits schon 1905. Damals hatte Zar Nikolaus II ein solches Vorhaben genehmigt, nachdem sein Großvater 38 Jahr zuvor Alaska, einst russisches Territorium, für 7,2 Millionen Dollar an die USA verkauft hatte. Der Erste Weltkrieg machte den Plan zunichte.

kaz



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.