Verbraucherpreise: Inflation springt auf Rekordhoch

Jetzt ist es offiziell: Erstmals seit 13 Jahren liegt die Inflation in Deutschland über drei Prozent. Nach den endgültigen Zahlen des Statistischen Bundesamts sind die Preise im November sogar noch stärker gestiegen als bisher angenommen - muss die Europäische Zentralbank jetzt die Zinsen erhöhen?

Wiesbaden - Die Verbraucherpreise sind im November auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, lag der Verbraucherpreisindex im November um 3,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Damit hat die jährliche Teuerung erstmals seit Januar 1994 wieder die Drei-Prozent-Marke überschritten. Im Vergleich zum Oktober stiegen die Preise um 0,5 Prozent. Im September und Oktober hatte die Inflation bei jeweils 2,4 Prozent gelegen.

Einkaufstraße in Köln: Experten hatten eine geringere Teuerung erwartet
DPA

Einkaufstraße in Köln: Experten hatten eine geringere Teuerung erwartet

Hauptgrund für die hohe Inflation im November sind die deutlich gestiegenen Preise für Heizöl und Kraftstoffe sowie für Nahrungsmittel. Mehr als die Hälfte der gesamten Preissteigerung gegenüber November 2006 sei darauf zurückzuführen, erklärte die Behörde.

In einer ersten Schätzung Ende November war die Inflation mit 3,0 Prozent beziffert worden. Damals lagen aber noch nicht die Daten aus allen Bundesländern vor. In der nun vorliegenden endgültigen Analyse mussten die Statistiker die Teuerungsrate nun nach oben korrigieren. Experten zeigen sich überrascht: So hatten von Thomson Financial News befragte Volkswirte eigentlich eine Bestätigung der Schätzung von Ende November erwartet.

Damit steigt der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB): Eigentlich sieht sie die Preisstabilität schon ab 2,0 Prozent gefährdet. Da Deutschland die wichtigste Volkswirtschaft im Euroraum ist, müsste die EZB nun handeln und die Zinsen erhöhen, wodurch der Preisanstieg gestoppt werden könnte. Gleichzeitig bremsen hohe Zinsen aber auch das Wirtschaftswachstum - was gerade in der aktuellen Kreditkrise fatal wäre. Die Banker befinden sich damit in einer äußerst vertrackten Zwickmühle.

Wenn man sich die Zahlen nach europäischen Berechnungsgrundlagen ansieht, erscheinen sie sogar noch dramatischer: Der für die europäische Vergleichbarkeit erstellte harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland stieg im November zum Vorjahr um 3,3 Prozent. Dies sei die höchste Rate seit Beginn der Berechnung, erklärte das Statistische Bundesamt. Im Monatsvergleich kletterte der Index um 0,5 Prozent. Hier wurden die vorläufigen Daten bestätigt, was die befragten Experten erwartet hatten.

Mit Sorge dürfte die EZB auch die Zahlen betrachten, die heute Spanien vorgelegt hat. Auch hier hat sich der Preisauftrieb im November überraschend deutlich beschleunigt. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex sei um 4,1 Prozent gestiegen, teilte die spanische Statistikbehörde in Madrid mit. Von Thomson Financial News befragte Volkswirte hatten nur 4,0 Prozent erwartet. Im Oktober hatte die Inflation noch 3,6 Prozent betragen.

wal/dpa/AP/AFP

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