Verbraucherstimmung Schlechte Nationalelf dämpft Konsumlust

Deutschlands frühes Ausscheiden bei der Europameisterschaft drückt nach Meinung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung auf die Stimmung der Verbraucher. Der private Konsum werde deshalb nicht als Konjunkturmotor funktionieren, so die Marktforscher.


Kuranyi gegen Cocu beim Spiel Deutschland-Holland: "Ein Weiterkommen hätte der Stimmung gut getan"
AP

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Nürnberg - Der Chef der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Klaus Wübbenhorst, äußerte sich mit Bedauern über das Scheitern der Nationalmannschaft in Portugal. "Ein Weiterkommen hätte der Stimmung gut getan und das Wir-Gefühl gefördert", so Wübbenhorst.

Die GfK ermittelte für den Juni zwar eine leicht verbesserte Verbraucherstimmung. Vor allem die Anschaffungsneigung habe deutlich zugelegt. Dennoch warnen die Marktforscher vor zu hohen Erwartungen. "Derzeit spricht außer einem aus den Juni-Zahlen resultierenden Fünkchen Hoffnung noch nichts dafür, dass sich zur Exportentwicklung auch der private Konsum als Konjunkturmotor gesellt", heißt es in der Studie.

Die leichte Verbesserung des Konsumklimas im Juni ist nach Wübbenhorsts Ansicht auch auf eine Beruhigung der Diskussionen um Benzinpreise und Krankenversicherungsbeiträge zurückzuführen. "Der Trend ist allmählich etwas positiver als vor einem Jahr", sagte er. "Man darf aber nicht erwarten, dass die Leute nun gleich teure Reisen buchen und ihre Häuser renovieren", sagte Wübbenhorst. "Da ist noch viel Steigerungspotenzial."

Shopping im Einkaufscenter: Staatliche Konjunkturprogramme als Scheck auf die Zukunft
DDP

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Für die Anschaffungsneigung errechnete die GfK einen Anstieg des entsprechenden Indikators um 16,6 Punkte auf minus 24,5 Punkte. Dies sei der höchste Wert seit Ende 2001, bevor der Indikator als Folge der Euro-Bargeldeinführung stark eingebrochen war. Auch mit Blick auf ihre Einkommenserwartung zeigten sich die Befragten wieder optimistischer. Nach einem kräftigen Rückgang im Mai legte der Index um 3,5 auf minus 6,5 Punkte zu. Die Indikatoren für Konsumklima und Konjunkturerwartungen verbesserten sich von 4,8 auf 5,0 Punkte beziehungsweise von minus 18 auf minus zwölf Punkte.

Angesichts der leichten Verbesserung des Konsumklimas im Juni müssten die Reformen umso beherzter angegangen werden, sagte Wübbenhorst. So sei etwa die geplante Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe richtig, auch wenn sie für Betroffene Härten mit sich bringe. "Damit sollen die Anreize zur Arbeit gefördert werden", sagte Wübbenhorst. "Das ist sehr positiv." Skeptisch äußerte er sich zu staatlichen Konjunkturprogrammen, wie sie in Teilen der SPD diskutiert werden. Diese brächten zwar kurzfristig Impulse, seien aber wegen der damit einhergehenden höheren Verschuldung ein Scheck auf die Zukunft. "Damit kann man strukturelle Defizite nicht lösen."



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