Verdacht auf Steuerhinterziehung Schrauben-Milliardär Würth im Visier der Staatsanwaltschaft

Wieder ein prominenter Topmanager unter Verdacht - und diesmal könnte der Ansehensverlust sogar den von Klaus Zumwinkel in den Schatten stellen: Wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Unternehmer Reinhold Würth.


Frankfurt am Main - Das Verfahren läuft bereits seit mehr als einem Jahr. Nach SPIEGEL-Informationen werfen die Ermittler Würth und fünf weiteren Personen aus dem Umfeld des Konzerns mit Sitz im baden-württembergischen Künzelsau vor, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen oder Beihilfe dazu geleistet haben. Würth ist einer der vermögendsten Deutschen und als Kunst-Mäzen bekannt. Sein geschätztes Vermögen von fünf Milliarden Euro bringt ihn auf Platz acht im deutschen Reichen-Ranking.

Schrauben-Magnat Würth: Seit Monaten feilschen die Anwälte
DDP

Schrauben-Magnat Würth: Seit Monaten feilschen die Anwälte

Beanstandet wird vor allem die Vermengung privater und geschäftlicher Aufwendungen sowie fragwürdige Verrechnungen zwischen inländischen und ausländischen Konzernteilen. Argwohn weckt bei den Ermittlern die Reinhold-Würth-Stiftung im schweizerischen Chur. Eben dort ist auch die Würth International AG ansässig, über die ausländische Tochtergesellschaften des Unternehmens gehalten würden.

Seit Monaten feilschen die Anwälte des Unternehmers und die Stuttgarter Oberstaatsanwältin Annette Jarke um die exakte Höhe der möglicherweise hinterzogenen Steuern, weil beide Parteien die betreffenden Gesetze unterschiedlich auslegen. Unabhängig davon wollen Würths Anwälte verhindern, dass es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung vor Gericht kommt. Sie streben einen Strafbefehl an, der maximal eine Strafe von einem Jahr auf Bewährung und eine Geldstrafe zulässt. In Würths Fall ist die Rede von einer Geldbuße in Millionenhöhe. Keiner der Beteiligten will sich derzeit zu dem Verfahren äußern.

Das Unternehmen ist in seiner 60-jährigen Firmengeschichte vom Zwei-Mann-Betrieb zum Global Player aufgestiegen: Unter der Führung von Reinhold Würth wurde aus einem Schraubenhandel ein Weltmarktführer mit mehr als 100.000 Produkten für Befestigungs- und Montagetechnik. Dazu gehören Schrauben und Schraubenzubehör, Dübel, Werkzeuge und chemisch-technische Produkte, Möbel- und Baubeschläge, Arbeitsschutzkleidung.

Sensibilisierte Öffentlichkeit

Sollten sich die Vorwürfe als richtig erweisen, könnte der Fall sogar die Zumwinkel-Affäre in den Schatten stellen. Der ehemalige Postchef musste seine Ämter aufgeben, nachdem die Staatsanwaltschaft Bochum Kontodaten von der Liechtensteinischen Bank LGT in die Hand bekommen hatte. Die Daten legen den Verdacht nahe, dass Zumwinkel rund eine Million Euro Steuern über eine Stiftung hinterzogen hat. Er hat die Vorwürfe bereits zum Teil eingestanden.

Auch mehrere hundert weitere vermögende Deutsche sollen mit Geldanlagen in Stiftungen über die Bank LGT Group Steuern hinterzogen haben. Insgesamt mehr als 200 Millionen Euro verdächtiges Stiftungsvermögen wurde bisher im riesigen Liechtenstein-Verfahren entdeckt. 91 Verdächtige gestanden, 72 zeigten sich selbst an. Die Affäre hatte in Deutschland eine heftige Debatte über Steuerehrlichkeit und die Vorbildfunktion der Führungskräfte ausgelöst.

Der Fall Würth dürfte nach dieser Affäre umso größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Selfmade-Unternehmer genießt bislang in der Öffentlichkeit hohes Ansehen wegen seines Engagements für das Gemeinwohl und seine Spendenbereitschaft. Nach einer ersten Durchsuchung der Steuerfahndung im September 2006 hatte er sich gegen die Anschuldigungen gewehrt. Es gehe allenfalls um Nachlässigkeiten bei Abrechnungen, hatte er seinerzeit betont.

Nach einem Bericht des "Focus" droht Würth neben dem Steuerstrafverfahren im nächsten Jahrzehnt eine Milliardenzahlung an Erbersatzsteuer, da für die von Würth in den achtziger Jahren gegründeten Familienstiftungen die steuerliche Schonfrist ablaufe. Dies löse in der Regierung Baden-Württembergs die Sorge nach einer Unternehmensverlagerung des Konzerns aus Künzelsau (Hohenlohe-Kreis) aus. "Eine Katastrophe für die ganze Gegend, wenn uns der Würth abhaut", zitiert das Magazin einen Landesminister. Sogar Hessen mache dem Milliardär Avancen für einen zukünftigen Sitz der in Deutschland gelegenen Würth-Familien-Stiftungen.

mik/ddp



insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Pinarello, 08.03.2008
1.
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy holt den für 2009 in Berlin geplanten Nato-Jubiläumsgipfel nach Paris. Lohnt es sich, um die prestigeträchtige Veranstaltung zu streiten oder sollte die Bundesregierung froh sein, den teuren Event los zu sein?
Tja, diese Frage wäre eigentlich ganz einfach zu beantworten, allerdings hat unser Merkelchen ja außer diesem medialen Humbug sonst nix zu bieten. Oder habe ich gar nicht mitbekommen, daß Deutschland jetzt gar keine Bundeskanzlerin mehr hat, sieht nämlich verdammt so aus. Man hört nix, man sieht nix, man liest nix!
volkmargrombein 08.03.2008
2.
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy holt den für 2009 in Berlin geplanten Nato-Jubiläumsgipfel nach Paris. Lohnt es sich, um die prestigeträchtige Veranstaltung zu streiten oder sollte die Bundesregierung froh sein, den teuren Event los zu sein?
Bei Sarkozy handelt es sich - wie jedem bekannt sein muss - um einen fast schon pathologisch zu nennenden Egomanen. Das ist scheinbar auch zum Teil in Frankreich bekannt. Er wird wird in seiner Amtszeit keine Chance auslassen, sich und nur sich in Szene zu setzen. Darauf müssen sich alle Partner Frankreichs einstellen. Vor diesem Hintergrund ist es fast schon unwichtig, ein derart teures Event nach Deutschland zu holen, oder nicht. Es geht um die Staatsraison schlechthin. Es war nicht Sakozys erster und erst recht nicht sein letzter Coup, den er gelandet hat oder noch landen wird. Aus diesem Grunde ist es nicht unwichtig, diesem Herrn klar zu machen, wie Partnerschaft funktioniert. Das auf diplomatische Weise zu tun, ist nicht einfach. Merkel und Steinmeier werden ihre liebe Not haben mit diesem Hyperaktiven Präsidenten. Das Verhältnis ist ja auch seit seinem Amtsantritt deutlich abgekühlt. Schlimm ist nur, dass ohne die Achse Paris - Deutschland in Europa nichts läuft. Und Frankreich wird als nächstes die EU - Ratspräsidentschaft übernehmen. Mir schwant dabei nichts Gutes.
Listerholm 08.03.2008
3. Loveparade
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy holt den für 2009 in Berlin geplanten Nato-Jubiläumsgipfel nach Paris. Lohnt es sich, um die prestigeträchtige Veranstaltung zu streiten oder sollte die Bundesregierung froh sein, den teuren Event los zu sein?
Die Berliner werden froh sein und ich bin es auch. Spätestens seit G8 in Heiligendamm dürfte doch wohl klar sein, dass solche events mit allen ihren Folgen und Vorkehrungen in einer Zivilgesellschaft nichts verloren haben. Wenn Paris meint, damit sein Image aufpolieren zu müssen - bitte schön. Schon aus Dankbarkeit dafür, dass uns der Gipfel erspart bleibt, sollte die Bundesregierung (denn Berlin ist arm wie eine Kirchenmaus) ganz tief in die Tasche greifen und die Loveparade 2009 finanzieren. Vermutlich macht das mit allem Drum und Dran höchstens 1% der sonst aufzubringenden Kosten aus. Außerdem wäre niemand ausgesperrt und alle hätten ihren Spaß. NATO-Gipfel in Paris - ich liebe Sarkozy.
Coz, 08.03.2008
4.
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy holt den für 2009 in Berlin geplanten Nato-Jubiläumsgipfel nach Paris. Lohnt es sich, um die prestigeträchtige Veranstaltung zu streiten oder sollte die Bundesregierung froh sein, den teuren Event los zu sein?
Einmal mehr wird einem die Hilflosikeit unserer bundesdeutschen Konsenspolitiker auf dem internationalen Parkett aufgezeigt. Wo andere ihre nationalen Interessen knallhart durchsetzen, kommt von unseren rückratlosen Volksvertretern nur ein Entgegenkommen bis zur Selbstaufgabe. Kann man immer gut beobachten, wenn es z.B. zu EU-Haushaltsverhandlungen kommt oder um wichtige Entscheidungen bzgl. Airbus geht. Die Unfähigkeit, eigene Interessen durchzusetzen, führt dazu, dass die Realeinkommen in Deutschland -im Gegensatz zu allen anderen westeurop. Ländern- seit Jahren sinken und die Mittelschicht in Deutschland schrumpft. Insofern ist das Verhalten von Sarkozy gegenüber Deutschland nichts Neues, da er weiß, dass er mit keinem Widerstand zu rechnen hat.
Rainer Daeschler, 08.03.2008
5.
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy holt den für 2009 in Berlin geplanten Nato-Jubiläumsgipfel nach Paris. Lohnt es sich, um die prestigeträchtige Veranstaltung zu streiten oder sollte die Bundesregierung froh sein, den teuren Event los zu sein?
Die Bundesregierung? Der kann kein Event teuer genug sein, um nicht für einige Minuten im Focus der Presse zu stehen. Für den Steuerzahler hingegen sind das gute Nachrichten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.