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Verdacht der Steuerhinterziehung: Razzia bei Post-Chef Zumwinkel - Haftbefehl vorbereitet

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Schwerer Verdacht gegen Post-Chef Zumwinkel: Staatsanwälte haben laut SPIEGEL-Informationen Villa und Büro des Managers durchsucht. Seit zwei Jahrzehnten soll er mit Hilfe einer Stiftung Steuern hinterzogen haben - ein Haftbefehl ist vorbereitet. Die Post bestätigte die Ermittlungen.

Düsseldorf - Fast zeitgleich kamen die Staatsanwälte und die Steuerfahnder gegen sieben Uhr am Morgen zum Bonner Post-Tower und zu Zumwinkels Privatvilla in Köln-Marienburg. Dem dienstältesten Chef eines Dax-Unternehmens - er leitet die Post seit 18 Jahren - wird Steuerhinterziehung mit Hilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein vorgeworfen.

Dieses Steuersparmodell soll Zumwinkel, der sich selbst als Multimillionär bezeichnet, schon seit Mitte der achtziger Jahre praktizieren. Das Vermögen der Stiftung betrug zuletzt mehr als zehn Millionen Euro. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts soll hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegte, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern.

Um kurz vor neun schließlich fuhr Zumwinkels Anwalt in einem schwarzen Porsche-Cabrio vor. Der Postchef wird ihn brauchen: Denn für den Fall, dass sich bei den heutigen Durchsuchungen die Gefahr einer Verdunkelung herausstellt, ist ein Haftbefehl gegen ihn schon vorbereitet.

Zumwinkel ist einer der einflussreichsten Strippenzieher unter den Dax-Konzernchefs. Er sitzt den Aufsichtsräten der Postbank und der Telekom vor. Er hegt Pläne, die Postbank mit einem anderen Institut, etwa der Deutschen Bank, zu fusionieren und so eine Mega-Bank zu gründen. Damit wollte sich Zumwinkel einen glanzvollen Abgang verschaffen. Dass der 64-Jährige aus Altersgründen bis Ende des Jahres den Vorstandsvorsitz der Post aufgibt, steht seit längerem fest.

Gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels wird bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. In diesem Fall soll es um Millionen in Liechtensteiner Stiftungen gehen. Eine anonyme Anzeige hatte dieses Steuerverfahren ausgelöst.

Die Börse reagierte vorerst erstaunlich gelassen auf die Nachricht: Die Aktien der Deutschen Post und der Postbank stiegen direkt nach Handelsbeginn leicht um 0,1 Prozent beziehungsweise 0,6 Prozent ins Plus.

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