Verdoppelter Wirtschaftsteil "Herald Tribune" attackiert "Wall Street Journal"

Während das "Wall Street Journal Europe" aus Kostengründen auf Tabloid-Format eingeschrumpft wird, bläst die "International Herald Tribune" zum Angriff. Das englischsprachige Blatt aus Paris verdoppelt die Zahl seiner wochentäglichen Wirtschaftsseiten.

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Neue "IHT"-Rubrik "Marketplace": Verstärkte Schlacht um Business-Leser

Neue "IHT"-Rubrik "Marketplace": Verstärkte Schlacht um Business-Leser

Hamburg/Paris - Ab Anfang November wird die zur New York Times Company gehörende "IHT" ihren Wirtschaftsteil von vier auf acht Seiten aufstocken. Das Material für die neue Rubrik, die sich "Marketplace" nennen wird, liefert der Nachrichtendienst Bloomberg. Eigens neu angeheuerte Redakteure in der Pariser "IHT"-Zentrale werden die Agenturtexte aufbereiten. "Wir stellen eine erhebliche Zahl von Mitarbeitern dafür ein", bestätigt "IHT"-Chefredakteur Michael Oreskes gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die neue Rubrik soll vor allem Business-Profis ansprechen. Sie erscheint montags bis freitags in der Atlantik-Ausgabe, die in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Amerika erhältlich ist. Bloomberg und die "IHT" arbeiten in ähnlicher Konstellation seit 2002 bereits bei der Asien-Ausgabe des Blattes zusammen.

Bereits seit einiger Zeit versucht die weltweit erscheinende "IHT", den beiden führenden englischsprachigen Wirtschaftsblättern "Wall Street Journal" und "Financial Times" Leser abspenstig zu machen. Seit der vollständigen Übernahme durch die NYT Company im Januar 2003 wurden etliche Wirtschaftsredakteure und Korrespondenten eingestellt und eine Reihe neuer Ressorts und Rubriken eingeführt. Nach Angaben des Informationsdienstes "Hoover's" machen Unternehmens- und Börsenthemen inzwischen 40 Prozent der gesamten Berichterstattung der "Tribune" aus.

Verdrängungswettbewerb eröffnet

Das Konzept scheint zu funktionieren: Laut der Leseranalyse der European Business Reader Survey 2004 hat das Blatt in den vergangenen zwei Jahren seine wirtschaftsaffine Leserschaft um 28,7 Prozent steigern können.

Verkleinertes "Wall Street Journal Europe": Hoher Kostendruck

Verkleinertes "Wall Street Journal Europe": Hoher Kostendruck

Der neuerliche Ausbau der Finanzberichterstattung ist vor allem ein Angriff auf das Not leidende "Wall Street Journal Europe". Das zum Medienkonzern Dow JonesChart zeigen gehörende Objekt schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen.

Ab Montag sollen sowohl das "WSJE" als auch sein asiatisches Pendant im kompakteren Tabloid-Format erscheinen. Mit der Umstellung will Dow Jones nach eigenen Angaben jüngere Leser ansprechen. Gleichzeitig reduzieren sich der Inhalt und der Papierbedarf sinkt, wodurch die Amerikaner ab 2006 etwa 13 Millionen Euro im Jahr sparen wollen.

"IHT"-Chefredakteur Oreskes sagt dazu, er wünsche dem "'Wall Street Journal' viel Erfolg bei seinen Bemühungen, Geld zu sparen". Er beobachte die derzeit von vielen Zeitungen durchgeführten Experimente mit Tabloid-Formaten mit Neugier. Die Philosophie seines Blattes sei es aber, "den Lesern mehr zu bieten statt weniger". Um weiter Kunden zu gewinnen, sei man auch bereit, Anlaufverluste in Kauf zu nehmen.



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