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Verhaftung der bwin-Chefs: "Unbescholtene Vorstände wie Kriminelle behandelt"

Nach vielerlei Reibereien mit deutschen Bundesländern ist der Internet-Wettanbieter bwin juristischen Ärger gewöhnt. Durch die Verhaftung seiner Chefs in Frankreich gewinnt der Streit um Recht und Unrecht des Glücksspiels im Internet nun aber eine ganz neue Dimension.

Wien/Paris – Die Anhörung der bwin-Chefs Manfred Bodner und Norbert Teufelberger sollte am späten Montag in Paris beginnen. Die beiden waren am Freitag von französischen Behörden festgenommen worden und sitzen seitdem in Haft. Dem österreichischen Unternehmen wird vorgeworfen, gegen französische Gesetze verstoßen zu haben, die ein staatliches Wettmonopol festschreiben. Wegen ähnlicher Vorwürfe war bwin wiederholt auch in Konflikt mit deutschen Bundesländern geraten.

Co-Chef Teufelberger mit Victory-Geste: Das Wochenende verbrachten die beiden Vorstände in Einzelzellen ohne Toiletten
DPA

Co-Chef Teufelberger mit Victory-Geste: Das Wochenende verbrachten die beiden Vorstände in Einzelzellen ohne Toiletten

Das Vorgehen der Franzosen hat aber sogar bei der konfliktgewöhnten bwin-Führung für Überraschung gesorgt. Die bwin-Chefs wurden bei einer Pressekonferenz verhaftet, bei der sie die Sponsorvereinbarung mit dem AS Monaco bekannt geben wollten. Die Wettfirma ist Sponsor zahlreicher Fußballvereine in Europa.

Frédéric Manin, französischer Rechtsbeistand der Vorstände hat die Vorgehensweise des Landes als "unverhältnismäßig und illegal" kritisiert. "Dieses Vorgehen ist mehr als anfechtbar, da das französische Recht nicht konform mit EU-Recht ist", sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, das von bwin verbreitet wurde.

Der Aufsichtsrat des österreichischen Internet-Wettanbieters hat sich am Montag zu einer außerordentlichen Sitzung getroffen und den beiden Vorständen das volle Vertrauen ausgesprochen. Alle zur Verfügung stehenden Mittel würden ausgeschöpft, um eine möglichst unverzügliche Freilassung der Vorstände zu erreichen. Das Unternehmen sei in vollem Umfang handlungs- und vertretungsfähig. "Aktuell stehen keine strategischen Entscheidungen an, die einer Intervention durch die Co-CEOs bedürfen würden", hieß es in der Mitteilung.

Kritik übte der Aufsichtsrat auch an der Verhaftung. "Es wurde zwei unbescholtene und hoch angesehene Vorstände ... wie Kriminelle behandelt", hieß es. Das Vorgehen der staatlichen Behörden mit unliebsamen, privaten Anbietern sei nicht neu in Europa. "Die Geschehnisse in Frankreich sind allerdings in ihrer Aggressivität beispiellos", so bwin.

Neben Frankreich kämpft bwin in Deutschland mit großen Problemen. Einige deutsche Bundesländer beharren ebenfalls auf dem Monopol und haben bwin Sportwetten untersagt. Diesbezügliche Verfahren sind anhängig.

Die Aktien der bwin waren nach der Verhaftung vom Handel ausgesetzt worden. Die Aussetzung dauerte auch heute an. Die bwin-Aktie hatte in den vergangenen Wochen nach dem Betriebsverboten in Sachsen und Hessen massiv an Wert verloren. Der letzte Kurs lag am Freitag bei 25,65 Euro und damit um 3,93 Prozent unter dem Vortages-Schlusskurs.

itz/Reuters/Dow Jones/dpa

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