Verkauf der Vermögensverwaltung Barclays-Chef winken 36,5 Millionen Dollar

Die britische Bank Barclays braucht dringend mehr Eigenkapital - doch der Milliardenverkauf der Vermögensverwaltung an den US-Konkurrenten BlackRock hat laut "Wall Street Journal" noch einen Nebeneffekt: Rund 400 Barclays-Manager streichen insgesamt 630 Millionen Dollar ein.


London - Für Barclays-Chef Robert Diamond ist der Deal dem "Wall Street Journal" zufolge besonders süß. Für 13,5 Milliarden Dollar will die US-Beteiligungsgesellschaft BlackRock die Vermögensverwaltung Barclays Global Investors (BGI) von Barclays übernehmen. Und Diamond werde dabei 36,5 Millionen Dollar einstreichen - dank der 300.000 Optionen und Aktien, die er im Rahmen eines Management-Anreiz-Programms erworben habe, schreibt das "WSJ". Diamond konnte dem Bericht zufolge an dem Programm 2003 teilnehmen, weil er Chef von BGI ist.

Barclays in New York: Die britische Bank braucht dringend frisches Kapital
REUTERS

Barclays in New York: Die britische Bank braucht dringend frisches Kapital

Neben Diamond profitieren dem Bericht zufolge über 400 weitere Manager in dieser Weise von dem Deal - mit insgesamt rund 630 Millionen Dollar. Barclays betonte, Diamond habe als Vorstandsmitglied der Bank nicht an den Gesprächen über den Verkauf teilgenommen, aber er sei in "Diskussionen involviert gewesen, die zu dem BlackRock-Angebot führten".

Die Suche nach frischem Kapital für Barclays wird allerdings von Analysten als wahrscheinlicher Hauptgrund für den Deal genannt. Durch den Komplettverkauf kann die Bank ihre Kernkapitalquote von 6,5 auf 8,0 Prozent erhöhen. Barclays hat anders als viele Wettbewerber bisher keine Regierungshilfen in Anspruch genommen und muss sich deshalb auf anderem Wege frisches Geld beschaffen.

BlackRock rückt durch den Kauf zum Branchenprimus auf. Werte über rund 2,8 Billionen Dollar werden künftig aus der New Yorker Zentrale heraus verwaltet - das Doppelte der bisherigen Summe. "Unübertroffen" nannte BlackRock-Chef Laurence Fink am Freitag das künftige Produktangebot, das von Hedge-Fonds bis hin zu börsengehandelten Fonds (ETF) reicht.

Barclays bleibt dennoch am Vermögensverwaltungsgeschäft beteiligt. Denn rund die Hälfte des Preises für die Tochter Barclays Global Investors (BGI) entrichtet BlackRock in Aktien. Dadurch hält Barclays nach Abschluss des Geschäfts knapp ein Fünftel an den US-Amerikanern. Die beiden Konzerne wollen in der Vermögensverwaltung und dem Investmentbanking kooperieren, Barclays-Vorstände ziehen in den Verwaltungsrat von BlackRock ein.

Das Geschäft soll bis Dezember über die Bühne gehen. Auf dem Weg dahin muss Barclays die Zustimmung seiner Aktionäre einholen, die Kartellbehörden müssen sich einverstanden erklären und der US-Finanzinvestor CVC darf kein höheres Angebot vorlegen. Denn Barclays hatte CVC bereits einen Teil der Vermögensverwaltung versprochen, die Fonds-Handelsplattform iShares. Eine Ausstiegsklausel ermöglichte es den Briten jedoch, sich nach besseren Offerten umzusehen.

CVC seinerseits hat nun die Möglichkeit, bis zum 18. Juni für die komplette Vermögensverwaltung zu bieten. Dies würde jedoch bedeuten, dass die Amerikaner mehr als das dreifache des für iShares alleine aufgerufenen Betrages aufbringen müssten. Weitere Angebote nimmt Barclays nicht mehr an. Sollte die ursprüngliche Vereinbarung mit CVC letztlich aufgelöst werden, müssen die Briten 175 Millionen Dollar als Entschädigung zahlen. In den vergangenen Tagen hatte sich abgezeichnet, dass Barclays zu BlackRock umschwenkt.



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