Verkauf deutscher Goldreserven Eichel sauer auf die Bundesbank

Der Bundesfinanzminister ist verärgert, weil die Bundesbank nicht wie erhofft einen größeren Teil ihrer Goldreserven verkauft und dadurch den Haushalt entlastet. Hans Eichel unterstellte der Notenbank, sie gehe nicht verantwortungsvoll mit Volksvermögen um.


Hans Eichel: Kein Geld aus Frankfurt
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Hans Eichel: Kein Geld aus Frankfurt

Berlin - Eichel (SPD) hat die Entscheidung der Bundesbank scharf kritisiert, bis September 2005 ihre Option zum Verkauf von 120 Tonnen Gold nicht auszuschöpfen. "Die Bundesbank wird selber erklären müssen, warum sie als einzige der 15 Zentralbanken, die am Goldabkommen beteiligt waren, und trotz des sehr hohen Goldpreises die Verkaufsoption nicht ausübt", sagte Eichel der "Financial Times Deutschland". "Das ist schwer einsichtig zu machen", fügte er hinzu.

Eichel unterstellte der Bundesbank indirekt eine mangelnde gesamtwirtschaftliche Verantwortung. "Es ist ihre Zuständigkeit, das respektiere ich", erklärte er mit Blick auf die Verkaufsentscheidung. "Aber ich kriege ja auch oft Ratschläge aus Frankfurt, also werde ich doch wenigstens Fragen stellen dürfen. Immerhin geht es hier um die Frage nach dem sinnvollsten Umgang mit Volksvermögen und wie man es womöglich mehren kann", sagte Eichel der "FTD".

Goldbarren der Deutschen Bundesbank: Die Reserve sinkt um ganze acht Tonnen
DPA

Goldbarren der Deutschen Bundesbank: Die Reserve sinkt um ganze acht Tonnen

Die Bundesbank hatte angekündigt, sie werde abgesehen von einer kleinen Menge für die Produktion von Goldmünzen bis September 2005 kein Gold aus ihren hohen Reservebeständen verkaufen. Von den 120 Tonnen Gold, die die Bundesbank im ersten Jahr des fünfjährigen Goldabkommens europäischer Zentralbanken verkaufen könnte, sollen nur acht Tonnen zur Produktion von Goldmünzen verwendet werden. "Weitere Verkäufe im Rahmen des ersten Jahreskontingents des Goldabkommens werden nicht getätigt", teilte die Zentralbank am Montag in Frankfurt weiter mit.

Die europäischen Zentralbanken wollen ihre zum Teil sehr hohen Goldbestände nach und nach marktschonend abbauen. Unter dem ersten fünfjährigen Goldabkommen von 1999 hatten sie die Verkaufsmenge auf 2000 Tonnen beschränkt. Nach der laufenden neuen Vereinbarung sollen dem Goldmarkt bis September 2009 maximal 2500 Tonnen angeboten werden. Am Goldmarkt war keine Preisreaktion auf den Beschluss der weltweit zweitgrößten Reservehalterin nach der US-Notenbank zu erkennen. Solange andere Zentralbanken die Option übernähmen, ändere sich nichts an dem zu erwartenden Angebot am Markt, sagte ein Analyst.

Bundesbankpräsident Axel Weber begründete den Verzicht auf früher angestrebte Verkäufe mit dem hohen Symbolwert, den Gold als Teil des Volksvermögens für die Bevölkerung habe. Mit Hinblick auf Finanzminister Eichel, der auf die Golderlöse gehofft hatte, sagte Weber: "Goldverkäufe können im Übrigen kein Ersatz für eine nachhaltige Konsolidierungsstrategie der Finanzpolitik sein."

Eichel war zuletzt häufiger mit der Notenbank aneinandergeraten. So konnten der Finanzminister und der Bundesbankchef beispielsweise bei der Diskussion über die Reform des EU-Stabilitätspaktes keine gemeinsame Linie finden. Auch als es um den Verkauf russischer Schuldtitel ging, fetzte sich Eichel mit dem Institut und warf den Notenbankern vor, ihre Neutralitätspflicht zu verletzen.



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