Verlage: DuMont Schauberg übernimmt "Frankfurter Rundschau"

Die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg hat die Mehrheit an der "Frankfurter Rundschau" erworben. Deutschlands viertgrößter Zeitungsverlag übernahm von der SPD-Medien-Holding DDVG insgesamt 50 Prozent der Anteile plus eine Stimme.

Köln - Über den Kaufpreis wollten die Beteiligten nichts sagen. Doch war in Medienberichten vor dem Abschluss des Vertrages von mehr als 30 Millionen Euro die Rede.

"Frankfurter Rundschau": Publizistisches Profil wird nicht angetastet
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"Frankfurter Rundschau": Publizistisches Profil wird nicht angetastet

Die Verlagsgruppe DuMont Schauberg, die unter anderem den "Kölner Stadt-Anzeiger", die "Kölnische Rundschau" sowie die "Mitteldeutsche Zeitung" (Halle/Saale) und das Boulevardblatt "Express" herausgibt, ist damit neue Mehrheitseignerin des linksliberalen Traditionsblattes aus Frankfurt am Main.

Die DDVG bleibt weiterhin mit 40 Prozent an der Zeitung beteiligt, die Karl-Gerold-Stiftung als ursprüngliche Eignerin hält zehn Prozent. Die DDVG hatte im April 2004 insgesamt 90 Prozent der Geschäftsanteile der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen "FR" übernommen, aber immer betont, dass sie die Mehrheit der Zeitung nach der Sanierung wieder abgeben wolle.

Nach Angaben von "FR"-Geschäftsführer Jens Berendsen will die DDVG dauerhaft Minderheitsgesellschafter der Zeitung bleiben. Der von der DDVG entsandte Berendsen selbst wird hingegen nach eigenen Angaben aus dem Kreis der Geschäftsführer des Blattes ausscheiden, sobald die Übernahme durch den Kölner Verlag abgeschlossen ist. Die anderen drei Geschäftsführer Karlheinz Kroke, Hans Peter Volz und Sönke Reimers bleiben laut Berendsen im Amt, ein weiterer sei nicht mehr vorgesehen.

Sparprogramm angekündigt

Die linksliberale Ausrichtung der "Frankfurter Rundschau" will der Kölner Verleger nicht antasten. "M. DuMont Schauberg hat sich ausdrücklich mit der publizistischen Linie einverstanden erklärt", erklärte DuMont-Schauberg-Sprecherin Cornelia Seinsche. Zwischen ihrem Verlag und der DDVG bestehe allerdings Einigkeit, "dass noch ein deutliches Kostensenkungsprogramm umgesetzt werden muss, um der 'Frankfurter Rundschau' langfristig eine solide Basis zu geben". Zwischen den Partnern seien gemeinsame Kostenziele und -potentiale festgelegt worden, die man momentan nicht weiter erläutern wolle.

Die Zahl der Arbeitsplätze bei der "FR" ist in den letzten Jahren drastisch reduziert worden, seit dem Einstieg der DDVG von 1100 auf 730. Im Jahr 2000 hatte sie nach Verlagsangabe noch bei 1650 gelegen. Außerdem wurde der Sitz des Verlagshauses in der Frankfurter Innenstadt verkauft, die Redaktion zog inzwischen in den südlichen Stadtteil Sachsenhausen.

Chefredakteur ist seit wenigen Wochen Uwe Vorkötter, der zuvor bei der "Berliner Zeitung" tätig war, nach der Übernahme durch Investoren unter Führung des Briten David Montgomery aber die Zeitung verließ.

Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Bundeskartellamtes. Mit der formellen Übertragung der Anteile rechnen die Unternehmen deshalb erst im September.

mik/AP/ddp

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